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The Squaire

660 Meter: Eine lange Geschichte

Auf der A3 fahrend bringt mich in Höhe des Frankfurter Flughafens ein Bauwerk immer wieder ins Staunen. Es scheint als wäre auf dem Seitenstreifen der Autobahn ein riesiges Raumschiff gelandet: 65 m breit, 45 m hoch, 145.000 m² Fassade, 140.000 m² Mietfläche, gestützt auf 86 Säulen über einem ICE-Bahnhof. Deutschlands größter Neubau sieht so aus, wie man sich früher die Zukunft vorstellte.

A „Friendly Alien“

Der neun Stockwerke hohe futuristisch anmutende Stelzenkomplex, in dem 90 Aufzüge auf- und abschweben, wird als Kathedrale der Mobilität gepriesen. Hier strömen Schienenstränge, Autobahnen und Flugverbindungen zusammen, ein gigantischer Verkehrsknoten: „The Squaire“.

Dieser riesige silbrige Hai aus 20.000 t Stahl und 60.000 t Beton beschert dem deutschen Immobilienmarkt einen absoluten Superlativ: Die Baukosten, ursprünglich mit ca. 600 Mio. Euro angesetzt, betrugen zum Schluss 1,2 Mrd. Euro.

Mit seiner aerodynamischen Form wirkt der Bau wie ein Ozeanliner

Lange musste man befürchten, dass der Bau zu einer völlig überteuerten Problem-Immobilie geraten würde; der Aktienkurs des Bauherrn IVG Immobilien zog kräftig in den Keller, bis mit den beiden neuen Hilton-Hotels mehr Leben und Profitabilität einzogen. 249 Zimmer und Suiten bietet das First Class Hotel Hilton Frankfurt Airport, 334 Hotelzimmer das Business Class Hotel Hilton Garden Inn. Das Designkonzept im Hotelinneren mag eine Wohlfühl-Atmosphäre erzeugen, mich spricht es jedoch nicht an.

Von den Hotels aus führt eine Fußgängerbrücke direkt zum Terminal des Flughafens. Bereits in der Hotel-Lobby informieren Monitore über sämtliche Flüge. Weitere prominente Ankermieter neben Hilton sind die Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG und die Lufthansa. Aber auch ein Supermarkt, Arztpraxen und sogar eine Kindertagesstätte mit 45 Plätzen gehören zum Gebäudekonzept. 3.100 Pkw-Stellplätze befinden sich im Objekt und im benachbarten Parkhaus, das über eine Mini-Bahn angebunden ist.

Wie bei vielen anderen Großprojekten – siehe die Hamburger Elbphilharmonie oder der Flughafen Berlin-Brandenburg – wurde auch hier die Komplexität unterschätzt. Erst musste der Generalauftragnehmer ausgewechselt werden, dann minderwertiger Stahl und fehlerhafte Rolltreppen aus China. Die logistische Herausforderung der Lage über den Bahngleisen und entlang der starkfrequentierten A3 wurde unterschätzt. Außerdem mussten wegen der außergewöhnlichen Form überdurchschnittlich viele Bauelemente einzeln gefertigt werden. So ist der Bau erst zwei Jahre später als terminiert bezugsfertig und die Baukosten sind nicht zuletzt so aus dem Ruder gelaufen.

Der ICE-Bahnhof (Airrail Center) aus dem Jahr 1996 stammt von BRT Architekten aus Hamburg. Darüber hat sich der neue Bau wie ein riesiger Konkon gelegt, geplant von JSK Architekten Frankfurt.

Walking City, Ron Herron 1964 (Abb. Vorlesungsmaterial)

Die Dynamik seiner Architekturform scheint hier der immobilsten aller Künste zu spotten und erinnert an die frühen Entwürfe der Moderne, die das Thema Dynamik und Mobilität in der Architektur behandeln und das Haus als Maschine interpretieren. Utopische Entwürfe für wandernde oder schwebende Städte stammen u. a. auch von Archigram. Ron Herrons „Walking City“ war das wohl bekannteste Archigram-Projekt. Wie riesige mutierte Insekten mit Teleskop-Beinen sollten sich die Gebäude über die Landschaften bewegen. Etwas von diesem Faszinosum der Beschleunigung, um das sich so viele Architektenträume ranken, vermittelt „The Squaire“.

Mehr:

http://www.thesquaire.com/de/

2 Kommentare zu “Vorheriger Artikel

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