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Figuren und Masken aus Mali


„Dogon – Weltkulturerbe aus Afrika“ heißt eine beeindruckende Ausstellung westafrikanischer Kunst aus Mali, die wir am Wochenende in der Bundeskunsthalle in Bonn besucht haben.

Zu sehen sind prä-individuelle Kunst-Exponate: rituelle Objekte, verschiedene expressive Maskentypen und neben Kleinbronzen hauptsächlich geschnitzte Holzfiguren. Besonders anziehend sind die Mutter-Kind-Darstellungen, die zu Fruchtbarkeitsritualen dienten, in ihrer archaischen Stilisierung der menschlichen Gestalt. Viele Figuren stehen mit hoch erhobenen Armen, oftmals mit einer Patina aus Opferresten bedeckt. Ob die Arme zum Gebet hoch gereckt sind oder aus ästhetischen Gründen so dargestellt wurden, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall haben die okkultistischen Skulpturen eine magische Ausstrahlung und faszinieren in ihrer scheinbar ästhetischen Unvollkommenheit. Trotz der anatomisch nicht ganz richtigen Wiedergabe des menschlichen Körpers werden durch idiosynkratische Schlüsselreize starke ästhetische Empfindungen und Emotionen beim Betrachter hervorgerufen.

Nie ist ein Objekt allein von seiner Zweckbestimmung her konzipiert. Selbst bei einfachen Gebrauchsgegenständen wie den reich verzierten Speichertüren, Türschlössern oder Gefäßen zeigt sich der Gestaltungswille der Dogan.

Mich haben in dieser Ausstellung besonders die spektakulären, mystischen Masken mit ihrer dämonischen Ausdruckskraft beeindruckt, die bei den rituellen Tänzen getragen werden und durch ihre teils skurilen Abwehrornamente Geister abschrecken sollen.

Solche imponierenden afrikanischen Masken haben bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts in der sog. Primitivismus-Rezeption die Kubisten und Expressionisten zu ihren Werken angeregt. Die Künstler der Moderne entdeckten den künstlerischen Wert und die ästhetische Kraft dieser autochthonen Fetische und ließen sich von ihnen zu ihren Kunstwerken inspirieren. Pablo Picassos protokubistisches Gemälde Les Demoiselles d’Avignon (1907), ja der Kubismus überhaupt, wäre ohne die Beschäftigung mit der schwarzafrikanischen Kunst nicht denkbar.

 

 

 

 

 

 

 

Die anonymen Dogon-Künstler, die die sardonischen Masken geschnitzt haben, orientierten sich an der Wirkung und gelangten so ganz von selbst zu den frappanten Schlüsselreizen, die die Künstler der Moderne von ihnen adaptierten. Man muss kein Ethnologe sein, um die volkskundlichen Artefakte der Dogon als kunstvoll schön zu empfinden.

Zu sehen ist diese  von einem Katalog mit anthropologischen Erläuterungen begleitete Ausstellung außereuropäischer Kunst noch bis zum 22.01.2012 in der Bonner Bundeskunsthalle.

http://www.kah-bonn.de/ausstellungen/dogon/pop_ausstellungsrundgang.htm

2 Kommentare zu “Indigene Kunst

  1. Es ist für mich immer wieder erstaunlich wie ähnlich sich verschiedene Kulturen kommen in Ihren Darstellungen und Götzen.
    Auch wenn die Zentral- und Südafrikanische Kultur in mir kein großes Interesse weckt.
    Schreckensmasken, zum Austreiben/Fernhalten von Dämonen oder Ähnlichem, Fruchtbarkeitsbilder, menschliche und tierische Abbildungen gibt/gab es ja auf dem gesamten Globus.
    Mich würde wirklich eine Ausstellung bewegen welche den Vergleich der verschiedenen Kulturen in diesem kulturellen Bereich darstellt.

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