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Ohne jeden baukünstlerischen Anspruch …

architectura povera

Meine Kollegen/innen und ich im Fachbereich Architektur verbringen unser Leben damit, junge angehende Architekten/innen in ihren Beruf einzuführen. Wir versuchen zu vermitteln, dass ein Architekt eine Verpflichtung hat, ästhetisch schöne Gebäude zu entwerfen, und zwar nicht nur den Bauherren sondern auch und vor allem der Umwelt gegenüber. Nicht nur in Fächern wie Gestaltung und Entwerfen wird gelehrt wie gute Architektur aussieht, wie man sie generiert, nach welchen Kriterien Architektur beurteilt wird und welche Auswirkungen schlechte Architektur auf die Menschen hat. Die jungen Architekten sollen, wenn sie die Hochschule verlassen, einen hohen Anspruch an sich und die Ergebnisse ihrer Arbeit haben. Unsere Lehre kann durchaus als eine Investition in die Zukunft dieser Gesellschaft verstanden werden. Soweit die Theorie. Natürlich werden trotzdem immer noch architektonische Scheußlichkeiten in die Welt gesetzt. Gebäude, von denen man kaum glauben kann, dass ein Architekt auch nur in die Nähe der Pläne gekommen ist. Damit müssen wir leben.

Raumvermüllung

Dass aber ein solch primitiver Schlichtbau als Erweiterungsbau auf unseren Campus gekippt worden ist – direkt vor die Architekturfakultät – ist einfach unglaublich.

Dachte ich zunächst. Bis ich zu der Auffassung gelangt bin, dass man uns aus gutem Grund dieses Gebäude vor die Nase gesetzt hat. Es soll als Lehrbeispiel dienen, und zwar als abschreckendes. Es signalisiert den angehenden Architekten/innen:  So nicht! Einfachheit in der Architektur ist nämlich nicht gleichzusetzen mit billigem Bauen, sonst hat man schnell den Charme einer Lagerhalle in einem rheinland-pfälzischen Gewerbegebiet. Seht nur mal aus dem Fenster, da hat man Euch ein Exempel gebaut im Maßstab 1:1.

Aber auch funktionell bietet der neue Erweiterungsbau schönes Anschauungsmaterial: Dass Hörsäle nicht schlauchförmig angelegt sein sollten, um die akustische Erreichbarkeit des Vortragenden bis in die letzte Reihe zu gewährleisten, leuchtet nun auch schon unserem 1. Semester ein.

Was soll man sagen: That is nothing to be proud of.

Ein weiterer Reflex auf dieses Monitum:

https://herrmanns.wordpress.com/2011/12/03/architekturgestaltung-3/

11 Kommentare zu “Architekturgestaltung

  1. Da haben wir schon so viele Architekturstudenten an der FH, warum haben die nicht einen Entwurf als Stegeif o.ä. gemacht und dieser hätte verwirklicht werden können? Da wäre bestimmt etwas tausend mal besseres entstanden als dieses.

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  2. Man beachte diesbezüglich den offenen Leserbrief in der Wettbewerbe Aktuell 11/2011 von Dipl.-Ing. Architekt Ernst Eichler.
    Darin kommentiert Herr Eichler den Umgang mit seiner Leistung, dem Entwurf des Hochschulgebäudes BA I & BA II und die Verunstaltung durch den neuen Anbau.

    Aber auch uns Studenten wirft dieser Schandfleck fragen auf, deren Lösung uns als ein Selbstverständliches gelehrt werden:

    Ist ein gemauertes Gebäude mit WDVS temporär?
    Ist es nach den vorgesehenen 6 Jahren recycelbar
    Ist das Obergeschoss barrierefrei zu betreten?
    Funktioniert der Grundriss?
    Welchen Dialog führe ich mit der umgebenden Bebauung?
    Zeige ich die vorhandene Technik? Wenn ja, wie?

    Auch wenn das Gebäude durch Herrn Prof. Herrmanns als warnendes Beispiel verstanden wird, so ist es doch für mich ein Affront an den Fachbereich, die darin Lehrenden und Lernenden.

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  3. Was macht dieser Teil da? Das hat doch mit dem Hauptgebäude absolut nichts zusammen… Das sieht aus, wie ein schlechter Beispiel der sowjetischen Architektur 70er Jahren, Artefakt der Planwirtschaft. Aber was macht er in Deutschland im Jahr 2011, hat jemand in Koblenz die Zeitmaschine erfunden?

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  4. Sehr gewagt…und unverstanden…..;o)

    Bei der Betrachtung der Bilder kommen mir zu später Stunde folgende Gedanken. Zunächst einmal „less is more“ und Industriearchitektur a la Centre Pompidou. Nach meiner Ansicht haben wir hier eine gelungene Symbiose von der Moderne und Postmoderne mit einem Schuss zeitgenössicher Verwaltungs-Zweckarchitektur. Wie so oft erkennt man zeitgeschichtliche Besonderheiten erst im Rückblick. Potential zur Geschichtsbildung ist hier sicherlich gegeben….und sollte……bei genauer Überlegung……….auch umgesetzt werden……;o)……

    …..schönen Abend…..

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  5. Aufgrund der freiliegenden Lüftungsanlage sieht das Gebäude aus wie die Wäscherei der FH Koblenz. Vermutlich musste möglichst schnell mit minimierten finanziellen Mitteln mehr Raum für die enorme Anzahl der Stundenten her… Schade!

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  6. Ich bin wenig überrascht: gebaut von einem (von einer Kammer zugelassenen und einer Hochschule diplomierten) Architekten, genehmigt von einem Bauamt und bezahlt von einem Ministerium!

    Wo will man da anfangen?
    Humor ist der Regenschirm der Weisen!

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  7. …..“Dass Hörsäle nicht schlauchförmig angelegt sein sollten, um die akustische Erreichbarkeit des Vortragenden bis in die letzte Reihe zu gewährleisten, leuchtet nun auch schon unserem 1. Semester ein.“….

    Ganz genau! Dies leuchtete Erstsemestern aber auch schon früher ein, da es diese Negativbeispiele dank der „architektonischen Meisterleistung“ eines gewissen Herrn Dipl.-Ing. Architekt Ernst Eichler überall im Hauptgebäude der FH gibt.
    Selbiger hat im übrigen auch eine Mensa mit einer Kapazität für ca. 300 Studenten bei momentan 4734 eingeschrieben Studenten an der FH Koblenz geplant.
    Aber wie der Verfasser des Blogs ja anschaulich darstellt geht wohl einem Architekten die reine Optik vor jede Funktionalität!!!

    Mit freundlichen Grüßen
    Ein Student der FH Koblenz

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  8. Die Bundesstiftung bauKULTUR veranstaltet am Montag, 12. Dezember 2011 in Berlin eine Tagung zum Thema „Baukultur des Öffentlichen“.
    Zur öffentlichen Baukultur gehören u. a. Bildungsbauten. Die aktuelle Diskussion zeigt die Relevanz der Baukultur des Öffentlichen und bisherige Defizite in Planung, Abstimmung und Realisierung.
    Es geht darum, wie – trotz komplexer Abstimmungsverfahren und ökonomischer Zwänge – eine anspruchsvolle Gestaltung öffentlicher Orte möglich ist.
    Über die besondere Verantwortung öffentlicher Bauherren diskutieren die Berliner Senatsbaudirektorin Berlin Regula Lüscher, Laura Fogarasi-Ludloff für Team11 und der Architekt Volker Staab. Die Moderation hat der Architekturtheoretiker Olaf Bartels.
    Mehr:
    http://www.bundesstiftung-baukultur.de/index.php?id=407

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  9. Pingback: Architekturgestaltung | ARCHBLOG

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