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Wormser Dom
Worms: Dom und Nikolauskapelle

Wut und Verzweiflung machen sich breit unter den Bürgern von Worms; denn die kath. Gemeinden St. Martin und St. Peter, die den denkmalgeschützten Wormser Dom als Pfarrkirche nutzen, beabsichtigen in unmittelbarer Nähe des Kaiserdoms einen Neubau zu errichten, ein „Haus am Dom“, das als neues Gemeindezentrum dienen soll mit großem Saal, Funktions- und Gruppenräumen, Café und Laden.

Diese Absicht wäre nicht zu beanstanden, würde der gewählte Standort des Neubaus nicht in unmittelbarer Nähe des Doms liegen und damit teilweise den Blick auf den Dom und die Nikolauskapelle verdecken. Das neue Gebäude soll 19 m hoch werden, also die Höhe eines 6-geschossigen Hauses einnehmen und nur im Abstand von 6 m von der Domkirche errichtet werden. Hier drängt sich die Frage auf, ob dadurch nicht erheblich in das ästhetische Erscheinungsbild des zu schützenden Denkmals eingegriffen wird.

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„Kein Haus am Dom“ (Fotomontage)

Dies sehen 17.000 (!) Wormser Bürger so, die per Unterschrift gegen den Standort und die Pläne von Domgemeinde und Bistum votiert haben. Das bedeutet, dass quasi jeder 5. Wormser Bürger sich gegen das „Haus am Dom“ ausgesprochen hat. Der „Bürgerverein Dom-Umfeld“ kämpft seit zwei Jahren vehement und bisher vergeblich mit Eingaben, Zeitungsberichten, Protestschreiben, Demonstrationen und Mahnwachen gegen das Bauvorhaben und hat auch bereits alternative Standorte in der Nähe vorgeschlagen

Bistum und Pfarrgemeinde, die den Bau offenbar um jeden Preis durchziehen wollen, argumentieren mit dem Denkmalschutz, dass die leere Fläche, die der Abriss des Kapitelhauses im 19. Jh. an dieser Stelle hinterlassen hat, durch den Neubau quasi wieder gefüllt wird. Der Denkmalschutz selbst sieht keinen Handlungsbedarf, da nicht direkt in die bauliche Substanz des Denkmals eingegriffen wird.

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschieden in dieser Auseinandersetzung, ob vor dem Dom überhaupt gebaut werden dürfe, 5 von 6 Professoren in ihren Gutachten, eine Bebauung vor der Nikolauskapelle müsse unterbleiben. (Einer der Gutachter war der berühmte Georg Dehio, die unangefochtene Kapazität auf dem Gebiet der modernen Denkmalpflege und Verfasser des Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler.)

Man kann dazu stehen wie man will, aber die Art und Weise wie hier in Worms Bürgerproteste negiert werden, kann einen schon nachdenklich machen. Ähnliches ist vor nicht allzu langer Zeit in Limburg geschehen. Als Bischof Tebartz-van Elst damit begann, ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Limburger Doms seine prunkvolle Bischofsresidenz zu errichten – für die man heute übrigens keine Verwendung mehr hat – hat man ebenfalls alle Einwände und Bedenken in den Wind geschlagen und das Bauvorhaben ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen. Das Ergebnis war ein Super-GAU.
Wenn man bedenkt, dass man sich sogar bei kleinen Dorfgemeinschaftshäusern in der Regel bemüht, möglichst alle Wünsche und Befindlichkeiten der Einwohner zu berücksichtigen mit dem Ziel die Bürger mit ins Boot zu holen und an den Plänen zu beteiligen, muss man die starre Haltung und die fehlende Kompromissbereitschaft der katholischen Obrigkeit in Mainz und Worms als besonderes geringschätzendes und herablassendes Verhalten werten.

Mich erfüllt es immer wieder mit Fassungslosigkeit, wenn ich sehe, wieviele Millionen die Kirche für profane Gebäude auszugeben bereit ist – siehe Limburg und jetzt auch in Worms – während die eigentlichen Gotteshäuser offensichtlich verzichtbar erscheinen.

Der Baubeginn steht kurz bevor. Zurück bleiben verärgerte und zum Kirchenaustritt bereite Christen. Nicht dass man für das neue Gemeindehaus am Ende mangels Kirchenmitgliedern keine Verwendung hat. Limburg lässt grüßen.

8 Kommentare zu “Haus am Dom

  1. Dr. Josef Eberhardt, Vorsitzender Bürgerverein Dom-Umfeld e.V.:

    Bezüglich der von Ihnen im Blog zitierten 17.000 Unterschriften möchte ich anmerken, dass diese zu ca. 80 % von Wormser Bürgern stammen, also auch von vielen Auswärtigen unser Anliegen als sehr wichtig angesehen wird. Damit reduziert sich andererseits der von Ihnen genannte Anteil der Wormser Bürgerschaft etwas.

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  2. hätten wir weiter Unterschriften gesammelt , möchte ich hier anmerken,wären sicher über 50% der Wormser Bevölkerung,
    gegen das Haus ,mit nur 6m Abstand zu dem Wormser Dom, gewesen !!
    Das entsetzen in Worms ist Groß………hier wäre ein Bürgerentscheid sinnvoll !!

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  3. Bravo Herr Prof. Herrrmanns!
    Besser kann man die Situation in Worms nicht beschreiben, nur gegen die Allmacht der „Katholischen Betonköpfe“ haben auch Tausende Wormser keine Chance! Was diese Kirche im Namen Gottes schon alles angestellt hat – Ablass, Hexenverbrennung, Kinderschändung uvm. – geht nicht auf die berühmte „Kuhhaut“! Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, hat man am Bauzaun vor dem Dom noch ein mehrere Quadratmeter großes Plakat aufgehängt, mit gefalteten Messdienerhänden, es fehlt nur noch die Überschrift: Lieber Gott, lass den Pfaffen an mir vorüber ziehen!! Schämen tut sich hierfür weder Kardinal Lehmann, Probst Schäfer und schon gar nicht die „Scheinheiligen“ Aufsichtsräte der Domgemeinde! Irgendwann werden diese Herren merken, dass dieses Haus der „Schmerzen“ an dieser Stelle absolut überdimensioniert und fehl am Platz sein wird, dann ist es allerdings zu spät und es werden noch mehr Kirchenmitglieder ihren Austritt erklären!

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  4. Die 17.000 Unterschriften muß man vor allem im zeitlichen Ablauf sehen:

    Diese wurden nach dem ERSTEN Entwurf (dem eckigen Kubus mit Flachdach) gesammelt. Da war die Empörung zu recht sehr groß.

    Mit dem AKTUELLEN Entwurf können sich viele anfreunden da dieser stimmig ins Umfeld passt. Realistisch gesehen würden sich nach der Vorstellung dieses Entwurfes nur noch wenige hundert mit ihrer Unterschriften dagegen aussprechen.

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  5. @ Herrn Hummer Warum hat die Domgemeinde denn bis heute keine Ansicht aus der Fußgängerperspektive, wie beim ersten Entwurf gezeigt und keine 1-1 Attrappe original bedruckt (kostenlos vom Bürgerverein zur Verfügung angeboten) aufstellen lassen? Richtig, weil die Ansicht des 2.Entwurfs nicht viel besser ist als der erste (sogar noch 3m höher) und ein Kompromis ist das beileibe nicht, wenn der Standort in Frage gestellt wurde und nicht das Haus als solches. Und Unterschriften wollen die Leute, vor allem die Touristen, auch heute noch abgeben. Nur für den Papierkorb, wo sie bei der Staddt und Kirche gelandet sind, sammeln wir halt keine mehr. Die Kirche hat auch immer abgelehnt Unterschriften FÜR das Haus zu sammeln, sie werden wissen warum.

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  6. Pingback: In Worms hofft man noch immer auf ein Wunder | ARCH BLOG

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