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„Man braucht keine Baugenehmigung, um Luftschlösser zu errichten.“

Dieses Bonmot des britischen Street-Art-Künstlers Bansky bringt den Geist von Claudia Geils ausdrucksvollen Arbeiten auf den Punkt. In ihren neuesten Werken lässt die studierte Architektin Konturlinienzeichnungen von architektonischen Bildern vor abstrakt-nebulösem Hintergrund auftauchen. Farbe und Zeichnung laden sich gegenseitig auf. In ihren lyrisch-emotionalen Arbeiten zeigt sich ihr experimenteller Umgang mit Maltechniken und ihr eigenwilliges Vokabular an Zeichen und Chiffren. Claudia Geils Farbduktus ist informel, stets den Zufall mit einkalkulierend. Der Umgang mit der Farbe übersteigt einen möglichen naturalistischen Darstellungswert. Farbschicht um Farbschicht – gänzlich ohne Pinsel – werden ihre Bilder zum atmosphärischen Klimax geführt. Bezogen ihre Bilder in der Vergangenheit ihre Spannung allein aus den konträren malerischen Gesten, werden nunmehr zusätzlich zeichnerische Darstellungen kontrastierend eingesetzt.

Claudia Geil sampelt Visualisierungen aus der Bau- und Kunstgeschichte. Das fasziniert. Sie collagiert und fügt skizzenhaft Architekturen in ihre Bilder ein. Es ist die Appropriation ihres beruflichen Alltags als Architektin ebenso wie des scheinbar kulturell Bedeutsamen, das ihre Bilder kennzeichnet und unverwechselbar macht.

Sie transformiert das ästhetische Bildmaterial, gleich dem Copy-and-paste-Sampling der Internetgeneration, in ihre eigene Bilderwelt: vom Schemenhaft-Abstrakten zum Figurativ-Konkreten. Ähnlich vielen anderen Künstlern schöpft Claudia Geil aus dem Repertoire der modernen Malerei, jedoch nicht im Sinne eines reinen Rezipierens spezifischer Meisterwerke. Die Zitate aus der Bauwelt verankern ihre figurative Kunst in einer urbanen Ikonographie.

Das Panorama, das sich in Claudia Geils nuancenreichen Arbeiten auffächert, scheint die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, der Blick in das eigene Selbst zu sein. Von Leonardo da Vinci stammt das eindrucksvolle Wort, dass das Auge das eigentliche Fenster zur Seele des Menschen sei. „Ich möchte Emotionen auslösen, Gefühle wecken“ sagt die Künstlerin. Man kann sicherlich einiges lernen, aber das Entscheidende muss aus dem Innersten kommen. Nur so erreicht man mit seiner Kunst Menschen, die davon erfasst werden und auf die etwas von dem Bild übergeht.

Es sind hauptsächlich die Farben, die den Klang eigener Gestimmtheit zum Ausdruck bringen. Für diese Verdichtung des Atmosphärischen hat sie ein eigenes zeitgemäßes Idiom und eine – ihr adäquate – eigene zauberhafte Bildsprache entwickelt, die ihren künstlerischen Tenor bestimmt.

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