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Foto: Theater Koblenz

Tartuffe, die mittellose Titelfigur in einer der bekanntesten Molière-Komödien, wird vom Hausherrn als Fremder gastfreundlich in sein Haus aufgenommen. Er spielt den Frommen und Aufrichtigen, während er in Wahrheit ein Schwindler und Heuchler ist. Alle Familienmitglieder im Hause – Gattin, Kinder und Diener – müssen mit ansehen, wie der naive Vater voll blinder Bewunderung dem von ihm hoch verehrten Tartuffe in einer Unterwerfungsgeste letztendlich Haus und Habe überschreibt. Dieser hat nämlich das gutmütige und leichtgläubige Familienoberhaupt um den Finger gewickelt. Selbst seine Tochter möchte der in seiner Ideologie verblendete Vater dem parasitären Mitbewohner zur Frau geben. Tartuffe − und das macht das Böse in der Komödie aus − wird als Fremder freundlich aufgenommen und entpuppt sich als ganz anderer als es sich der gutgläubige Hausbesitzer in seiner Naivität vorstellt. Er will Gutes tun, wird aber übers Ohr gehauen und ausgenutzt.

Wir haben gestern Abend im Koblenzer Stadttheater eine beeindruckende Aufführung miterlebt. Molières bitterböses Stück, als „zeitlose Groteske“ inszeniert, begeisterte das Publikum und erntete zurecht einen wahren Beifallssturm, nachdem am Ende der naive Gutmensch und seine Familie, nur noch mit Unterwäsche bekleidet, zitternd zurückbleibt.

Als Publikum war man ja die ganze Zeit klüger als die Protagonisten auf der Bühne. Unschwer finden sich in dieser Groteske aus dem Jahr 1660 höchst aktuelle Bezüge.

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