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Pop-Up-Ausstellung „Bezahlbarer Wohnraum für alle“ in Hamburg

Kurzinterview mit 5 Fragen.

Herr Prof. Herrmanns, laut der McKinsey-Studie werden sich 2025 weltweit 440 Millionen Haushalte in Großstädten keine akzeptablen Wohnungen mehr leisten können. Wie könnte schnell kostengünstiger Wohnraum in Deutschland gebaut werden?

Zunächst einmal ist doch ganz offensichtlich, dass für immer mehr Mieter Neubauwohnungen in der BRD unerschwinglich sind. Trotz Bauboom gibt es einen immensen Bedarf an bezahlbaren Mietwohnungen. Das Angebot im unteren Preissegment ist mehr als knapp – wenn überhaupt vorhanden. Man muss nämlich die soziale Lage der Mieter im Blick haben. Sie brauchen Wohnungen mit einer Miete von höchstens 6,50 bis 8,00 €/m². Im Neubau kosten Mietwohnungen aktuell monatlich 10,50 bis 12,00 €/m² und mehr. Dass Wohnimmobilien in Innenstadtlagen immer teurer werden, liegt nicht zuletzt an den stetig steigenden Grundstückspreisen. Der Bedarf ist deshalb allein durch verstärkte Neubauaktivitäten nicht zu befriedigen. Die Mietwohnungen, die aktuell auf den Markt kommen, kann sich im Prinzip kein Normalverdiener mehr leisten.

Sollten die Standards abgesenkt werden, um Baukosten zu sparen?

Wie soll man kostensparend bauen, wenn alle Planungsanstrengungen durch die Grundstückspreise zunichte gemacht werden? Alle Einsparungspotentiale müssen von bezahlbaren Grundstückspreisen begleitet werden. Nur so kann eine substantielle Kostenreduzierung beim Bau von neuen Wohnungen erreicht werden. Was wir nicht wollen sind Wohnsilos in den Vororten, die den Wohnungsmangel abbauen, gleichzeitig aber den Boden für zukünftige Problemviertel aufbereiten. Es geht vielmehr darum, dass man neue Strategien für bezahlbaren Wohnungsbau in den Ballungsräumen braucht.

Grund und Boden sind nicht beliebig vermehrbar. Welchen Vorschlag haben Sie?

Not macht erfinderisch – und so kam uns die Idee im Sinne einer Nachverdichtung, warum nicht Häuser über öffentliche Parkplätze errichten. Bisher nicht optimal genutzte Flächen müssen herangezogen werden. Wir können uns den „Luxus des Ungenutzten“ heute nicht mehr leisten. Aus wirtschaftlicher Sicht erscheint es in der aktuellen Lage kaum mehr haltbar, große innerstädtische Flächen lediglich für das bloße Abstellen von PKWs zu nutzen. Vor allem bei den großen Parkplätzen des Einzelhandels, die nur während der Öffnungszeiten genutzt werden, kann Wohnraum ohne negativen Einfluss für das Parken geschaffenen werden. Auf den Parkplätzen von Discountern und Supermärkten, die ihre Läden meistens in Mischvierteln platziert haben, ist ein Wohnungsbau im Gegensatz zu Gewerbegebieten rechtlich leichter möglich. In Bezug auf bezahlbares Bauen und Wohnen bieten Parkplätze sogar einen immensen Vorteil, da sie entweder schon in städtischem Besitz sind oder weil sie in privatem Eigentum totes Kapital sind, das aber mit Baurecht unverhofft an Wert gewinnt.

Wie sieht Ihr Lösungsvorschlag konkret aus?

Das Gebäude ist als Holzkonstruktion geplant und für Menschen (Studenten, Alleinerziehende, Rentner u. a.) gedacht, die sich hohe Mietpreise beim Neubau einfach nicht leisten können. Gebaut werden die Wohnhäuser auf Stelzen über den Stellplätzen. Mit der Holz-Beton-Verbundkonstruktion trägt der Entwurf der gültigen Landesbauordnung Rechnung. Die Parkebene soll mit Stahlbetonfertigteilstützen und -unterzügen umgesetzt werden. Die Herstellung des zentralen Erschließungskern erfolgt in Beton. Die Aussteifung gegen Horizontallasten erfolgt über den Stahlbetonkern des Treppenhauses. Ab dem ersten Obergeschoss kommt Holz zum Einsatz. Bei den Geschossdecken handelt es sich um Holz-Beton-Verbunddecken. Die vorgefertigten Außenwandelemente bestehen aus Holz. Alle tragenden Holzbauteile sind für 90 Minuten Feuerwiderstand bemessen. Die Grundrisse sind in der Aufteilung flexibel gestaltbar und können problemlos umfunktioniert werden. Soziale, ökologische und nicht zuletzt ökonomische Probleme zwingen zum Umdenken.

Forum des Verbandes Freier Wohnungsunternehmen: Letzte Frage zur eigenen Arbeit.

Herrmanns: Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Konzept, das sich als roter Faden durch den gesamten Planungsprozess zieht. Es verbindet die funktionalen, technischen, rechtlichen und finanziellen Aspekte. Der städtebauliche Kontext bestimmt den Entwurf genauso wie das konstruktive Detail. Wir bieten Lösungen.

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