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Auf der diesjährigen Cologne Fine Art  werden fabelhafte, eindrucksvolle Werke von Karin Kneffel gezeigt. Die Malerin ist Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in München und zählt zu den wichtigen Vertreterinnen des Neorealismus. Durch Spiegelungen und Überlagerungen erhalten ihre imposanten, fotorealistisch anmutenden, präzise gemalten Bilder einen optischen Mehrwert. Verdienterweise hat sie den mit 10.000 Euro dotierten Cologne-Fine-Art-Preis erhalten.

Besonders fasziniert hat mich ein großformatiges Gemälde aus dem Gemäldezyklus Haus am Stadtrand. Es handelt sich hierbei um das Wohnzimmer der Familie Esters in Krefeld. Man blickt durch ein großes Fenster in einen menschenleeren Innenraum, nämlich in das Wohnzimmer des von Ludwig Mies van der Rohe geplanten Hauses. Regentropfen an der Scheibe lassen das Interieur etwas verschwimmen, Spiegelungen irritieren. Eine Stehlampe und der bläuliche Vorhang verwirren und verunsichern. Steht der Rezipient im Raum oder im Dunkel des Gartens und schaut in den hell ausgeleuchteten Raum mit dem schimmernden Fußboden? Es geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Man versucht sich an einigen wenigen Details festzuhalten, um das Ganze zu erfassen. Als würden die Deckenlampen den Raum nicht ausreichend erleuchten, steht vor dem Fenster zusätzlich eine Stehlampe. Bringt sie Licht ins Dunkel? Warum soll bis in den letzten Blickwinkel alles ausgeleuchtet werden?

Mich erinnert das Bild an Picassos Trauersinfonie „Guernica“, in dem der Innenraum mit dem Außenraum sich symbiotisch verschmelzen und wo in der Bildmitte eine Glühbirne von der Decke hängt. Als erhelle das elektrische Licht nicht genug, hält (in Picassos Bild) eine Frau von draußen durch das offene Fenster eine Petroleumlampe.
Karin Kneffels Bilder lassen sich nicht allein durch die visuelle Anschauung des Objektes erschließen. Wer in einem eigenen schöpferischen Akt Kneffels Bilder decodieren möchte, kann das noch heute und morgen in der Koelnmesse tun.

Hier einige weitere Gemälde von Kneffel, die auf der Cologne Fine Art präsentiert werden. Zu sehen ist ein einfaches Satteldachhaus: Die Architektur bildet die hinterste Ebene der Nacht-Szene. Im Vordergrund irritiert der Tulpen-Strauß, dessen farbige Pracht sich von der düsteren Folie des Hintergrunds deutlich abhebt. Ist der Betrachter drinnen oder draußen? Ist der Tulpen-Strauß nur gespiegelt?

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Siehe auch ArchBlog v. 18.11.16

Ein Kommentar zu “Karin Kneffel

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