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Ausgewürfelt: 1. Preis für Staab Architekten (Bild aus City News)

„Museumsarchitektur wird mehr und mehr zum Würfelspiel“ oder „Neue Kisten kriegt das Land.“ klagte schon vor Jahren Dieter Bartetzko in der FAZ. Und wieder haben wir es bei diesem Neubauentwurf mit einem Kuboid zu tun. Wie Pilze schießen sie in den letzten Jahren überall aus dem Boden: kubische Museums- bzw. Ausstellungsbauten, die darauf verzichten, durch Überhöhung der Architektur der primären Form Ausdruckskraft und Bedeutung zu geben.

„Eine Katastrophe! Das ist ja wohl das hässlichste Gebäude Münchens. Diese banale Kiste da! Wie konnte so was passieren!?“ schimpfte Stephan Braunfels in der Münchener Abendzeitung und kritisierte die neue Kiste auf der Westseite des Königsplatzes. Verfechter des Museums-Kubismus haben ein wenig später eine weitere Kiste auf der Ostseite des Königsplatzes errichtet: das NS Dokumentationszentrum.

Mit einer blockhaft strengen Architekturkiste hat das renommierte Büro Staab Architekten aus Berlin den Wettbewerb „Historische Mitte Köln“ gewonnen. An prominenter Stelle und zwar auf der Südseite des Kölner Doms, neben dem Römisch-Germanischen Museum, soll das neue Kölnische Stadtmuseum entstehen. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker proklamiert die „neue Ästhetik“: „Durch diesen Kulturbaustein bietet sich eine Chance, die Domumgebung als Visitenkarte unserer Stadt endlich städtebaulich anspruchsvoll zu gestalten.“ Ihre Weltsicht kennt das, was man Atmosphäre nennt, nicht.

Man muss sich fragen, wie wirkt eine solche phänotypische Architektur. Grundlage ist die Erkenntnis aus der Wahrnehmungspsychologie, dass der durch abstrakte Geometrie beschreibbare topologische Raum nicht mit dem durch subjektive Rezeption, Bewegung, Erinnerung, Körperlichkeit erfahbaren Raum identisch ist. Über die reine Funktion hinaus müssen Anmutungsqualitäten vorhanden sein, die es dem Menschen ermöglichen, sich die Architektur emotional zu eigen zu machen. Das Unverwechselbare fehlt hier.

Die Wettbewerbsarbeiten sind v. 07.11. – 01.12.16 in der Magistrale des Stadthauses, Willy-Brandt-Platz 2 in Köln-Deutz ausgestellt.

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