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Parkplatzüberbauung – Architekten: Prof. Henner Herrmanns + Hung Nguyen

Der deutsche Pavillon auf der 15. Architekturbiennale ist offen, im wahrsten Sinn des Wortes. Den unter Denkmalschutz stehenden Nazi-Pavillon aus dem Jahre 1938 hat man in diesem Jahr an drei Seiten geöffnet, indem man die Fassaden durchgebrochen hat. Die metaphorische Bedeutung ist überdeutlich: „Open Pavillion – Welcome Refugees – Germany, Arrival Country“. Schließlich wurde der deutsche Beitrag vom DAM (Deutsches Architektur Museum) unter das Motto „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ gestellt.

Die Kuratoren Peter Cachola Schmal, Oliver Elser und Anna Scheuermann beziehen sich auf Doug Saunders, der mit seinem Buch „Arrival City“ elementare Vorarbeit geleistet hat. In Zusammenarbeit mit dem Autor entnehmen sie dieser Publikation bestimmte grundlegende Thesen, welche, an die Wände der Pavillonräume plakatiert, dem Besucher förmlich ins Auge springen:

  • Die Arrival City ist eine Stadt in der Stadt. (Einwanderer suchen ihre Chancen in städtischer Dichte.)
  • Die Arrival City ist bezahlbar. (Günstige Mieten sind eine Voraussetzung für die Attraktivität einer Stadt.)
  • Die Arrival City ist gut erreichbar und bietet Arbeit. (Arbeitsplätze entstehen dort, wo es bereits Arbeitsplätze gibt. Ein gutes öffentliches Verkehrsnetz ist unverzichtbar.)
  • Die Arrival City ist informell. (Die Tolerierung nicht gänzlich rechtskonformer Praktiken kann sinnvoll sein.)
  • Die Arrival City ist selbst gebaut. (Selbsthilfe beim Bau von Wohnraum wäre nötig und darf nicht durch zu hohe Anforderungen verhindert werden.)
  • Die Arrival City ist im Erdgeschoss. (Ob kleinteilige Geschäftsräume im Erdgeschoss verfügbar sind, bestimmt die Qualität des öffentlichen Raums.)
  • Die Arrival City braucht ein Netzwerk von Einwanderern. (Keine Angst vor ethnisch homogenen Vierteln: Sie ermöglichen Netzwerke.)
  • Die Arrival City braucht die besten Schulen. (Die besten Schulen sollten in den schlechtesten Vierteln sein, um die Kinder zu qualifizieren.)
  • Offenbach ist ganz okay.

Insgesamt hat der deutsche Beitrag zur 15. Architekturbiennale wenig von einer konventionellen Architekturausstellung. Es wird nämlich fast gänzlich auf die üblichen Architekturmodelle, Grundrisspläne, Ansichten, Schnitte und Renderings verzichtet. Stattdessen findet der Besucher auf den gestapelten Ziegelsteinen der Mauerdurchbrüche, die als Präsentationstisch dienen, einen dicken Katalog mit innovativen Wohnprojekten für Flüchtlinge und Migranten zum Durchblättern vor. Am Ende der Biennale werden die Durchbrüche mit eben diesen Mauersteinen wieder verschlossen. Alles nur provisorisch und temporär.

An den Wänden finden sich in erster Linie Fotos, Texte und Statistiken. Um einen Charakter der Vorläufigkeit zu erzeugen, besteht die Möblierung aus billigen, weißen Plastikstühlen. Ganz wie in einem Erstaufnahmelager gibt es hier auch freies W-Lan und Aufladestationen für Handys. Denn ein Teil des Ausstellungskonzepts sieht vor, die öffentlich zugängliche Datenbank mit konkreten Projekten für die Unterbringung von Flüchtlingen zu besuchen: http://makingheimat.de/fluechtlingsunterkuenfte

Insgesamt kann man feststellen, dass es dem deutschen Beitrag gelungen ist, den Eindruck eines offenen, gastfreundlichen Landes zu erwecken mit allen Herausforderungen, die damit verbunden sind.

German Pavilion: New concepts for refugees

9 Kommentare zu “15. Architektur-Biennale 2016 in Venedig

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