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We can do it!

Medienberichten zufolge rechnet die deutsche Regierung mit insgesamt 3,6 Millionen Flüchtlingen bis 2020. Deshalb habe ich mich als Hochschullehrer und Architekt mit der Forderung nach allgemeiner „Hospitalität“ – wie sie Immanuel Kant in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ erhoben hat – beschäftigt und mich und unsere Studenten/innen gefragt: Welchen Beitrag kann die Architektur leisten? Wie sollen die Flüchtlinge, die bleiben dürfen, untergebracht werden? Welche Konzepte können helfen Bauen + Wohnen für alle günstiger zu machen? Ausgehend von diesen Fragen haben wir Konzepte entwickelt, die helfen sollen, die angesprochene Problematik in diesem Sinne zu lösen.

Mit der Präsentation der studentischen Entwürfe in der Ausstellung „Flucht nach vorn“ wollen wir die in den letzten Monaten gewonnenen Erkenntnisse mit Interessensvertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutieren und konkrete Projekte für bezahlbares Wohnen auf den Weg bringen. Gemäß der Devise „Wohnen darf nicht zum Luxus werden“ haben unsere Architektur-Studenten/innen Lösungsvorschläge für bezahlbaren Wohnraum ausgearbeitet, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt so dringend gebraucht werden.

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Um die Voraussetzungen für bezahlbare Wohnungen und Mieträume zu schaffen, sehen die Entwürfe die Etablierung modularer, serieller Bauweisen, insbesondere unter Verwendung des regionalen Baustoffs Holz vor. Ein Pluspunkt für Holz ist, dass bei diesem Baustoff, gerade in Rheinland-Pfalz, lange Transportwege entfallen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Wand- und Deckenelemente präfabriziert werden. Die Vorfertigung spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Holz ist wirtschaftlich und schön zugleich. Tatsache ist, dass Holz-Konstruktionen aufgrund des hohen Vorfertigungsgrads eine schnelle, effiziente und ökonomische Bauabwicklung ermöglichen. Zudem gibt Holz dem Prinzip der Nachhaltigkeit Gestalt. Genannt seien die ausgezeichneten Dämmeigenschaften, das gute Raumklima und die angenehme Atmosphäre.

Studien besagen, dass Integration nur erfolgreich verlaufen könne, wenn maximal 300 Menschen in einer Unterkunft untergebracht werden. Diese Zahl war Grundlage der Entwurfsvorschläge. So verlangte die Aufgabe Wohnungen für Menschen, die länger oder für immer bleiben dürfen, also für solche mit Aufenthaltserlaubnis nach Zuerkennung der Asylberechtigung. Da aber ja auch Wohnungen für andere Zielgruppen wie sozialhilfebedürftige Familien, Alleinerziehende und Rentner fehlen, stellen unsere Lösungen Wohnangebote für unterschiedliche Zielgruppen dar. Als größter Kostenfaktor ist Grund und Boden zu nennen. In der Regel ist die Verfügbarkeit von Baugrundstücken in Innenstädten sehr begrenzt. Um den hohen Grundstückspreisen auszuweichen, wird beispielsweise der Bau von „Floating Houses“ vorgeschlagen. Diese denkbare Idee wird aber wohl kaum genehmigungsfähig sein, zeigt aber trotzdem, wo es noch Potenziale geben könnte. Ich selbst hatte die Idee, PKW-Stellplatze mit aufgeständerten Holzbauten zu überbauen bei gleichzeitiger Fortführung der Nutzung als Parkplatz. Die Möglichkeit, geeignete Flächen aus bestimmten Zonen zu generieren, ist unabdingbar. Es gibt aber nicht nur eine adäquate Lösung. Baulücken könnten mit Implantaten versehen werden. Leer stehende Bürobauten könnten umgebaut werden. Flachdächer könnten mit Rooftops aufgestockt werden. Dies ist mit Holz problemlos realisierbar. Denn eine weitere positive Eigenschaft von Holz als Baustoff ist das geringe Eigengewicht.

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Nicht nur ein Dach über dem Kopf zu bauen, sondern Konzepte für das Zusammenleben zu entwickeln, ist die Herausforderung, um aus Flüchtlingen Bürger zu machen. Auch wenn jetzt hunderttausende Wohnungen fehlen und schnelle sowie kostengünstige Lösungen gefragt sind, sollten diese unter Beibehaltung baulicher, wirtschaftlicher und gestalterischer Qualitäten für eine langfristige Nutzung entwickelt werden. Was heute gebaut wird, bleibt uns über Jahrzehnte erhalten und prägt über einen langen Zeitraum unseren Lebensraum. Die vielbeschworenen Integration der Migranten hängt stark davon ab, ob die kommunalen Gebietskörperschaften auf sie vorbereitet sind. Die Unterkünfte für die Massen von Flüchtlingen dürfen nicht als Endstationen gescheiterter Hoffnungen aufgefasst werden. Und die Erfahrung zeigt, dass Architektur durchaus als Identifikationsanker wirken kann. Missglückt sie jedoch, wird sie zu Slums der Verzweiflung, zum sozialen Brennpunkt und zur Brutstätte für Kriminalität und Extremismus. Damit die Migration in die Stadt kein Zivilisationsübel wird, sehen einige studentische Entwurfsvorschläge z. B. die Möglichkeit des stufenweisen Weiterbauens eines Grundelements vor. Eine andere Idee ist, den Wohneinheiten ein kleines Gartengrundstück zuzuordnen. Die Idee dahinter ist, den entwurzelten, neuen Bewohnern die Möglichkeit zu geben, sich zu „erden“ und damit eine direkte Identifikation mit dem Ort zu schaffen.

StudentInnen: Johannes Blum, Christian Both, René Buchholzer, Tobias Claesgens, Alexander Dembowski, Markus Eckhardt, Eric Fiege, Felix Jung, Johannes Kring, Jan Kubasta, Dragana Lazic, Sven Suckow, Valentina Tordi, Julian
Vargas Martinez, Marco Willeke

Ein Kommentar zu “Low Cost Housing

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