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Am Wochenende 20./21. Februar haben StudentInnen des Bachelor-Studiengangs Architektur der Hochschule Koblenz ihre Entwürfe für bezahlbaren Wohnraum im ehemaligen Modehaus Dienz der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Idee „Wohnen für alle“ soll schnell und günstig realisiert werden können, dennoch aber unseren baukulturellen und gestalterischen Ansprüchen genügen. Um die Voraussetzungen für bezahlbare und flexibel gestaltbare Mieträume zu schaffen, sehen alle Arbeiten eine präfabrizierte, modulare Holzbauweise vor. Auf Unterkellerungen wird aus Kostengründen verzichtet. Die Grundstücksfläche sollte möglichst mit bis zu 6 Geschossen optimal ausgenutzt werden. Um die Anzahl der vertikalen Erschließungselemente so gering wie möglich zu halten, werden die Wohnungen über Laubengänge erschlossen. Die Erschließung erfolgt fast durchgehend nicht über ein geschlossenes Treppenhaus, sondern über freistehende Treppen. Weitere Einsparungsmöglichkeiten sieht man in dem Verzicht auf höhere bauliche Standards, wie z. B. Aufzüge und eine Reduzierung der Wohnfläche. Die Flachdächer dienen als Balkonersatz und/oder als halböffentliche Dachgärten. Teilweise werden sie auch zur Energiegewinnung genutzt. Manche Entwürfe sehen vor, den Wohneinheiten ein Stückchen Garten zuzuordnen mit der Idee einer „Erdung“ und damit einer direkten Identifikation mit dem Ort. So soll den neuen Bewohnern die Möglichkeit verschafft werden sich selbst zu versorgen nach der Devise: „Das Land, welches ich beackere, bringe ich zur Blüte“. Weitere Konzepte sehen das stufenweise, inkrementelle Weiterbauen vor.

Als größter Kostenfaktor ist Grund und Boden zu nennen. In den Innenstädten sind sie kein vermehrbares Gut. Um den hohen Grundstückspreisen auszuweichen, wird u. a. der Bau von „Floating Houses“ auf der Mosel vorgeschlagen. Diese denkbare Idee wird wohl kaum genehmigungsfähig sein, zeigt aber trotzdem, wo es noch Potenziale geben könnte. Einfacher umzusetzen ist die Idee, Parkplätze mit aufgeständerten Holzbauten zu überbauen bei gleichzeitiger Fortführung der Nutzung als PKW-Stellplatz.

Auch wenn den Städten und Gemeinden zunächst kaum Alternativen zu den Quadratisch-Praktisch-Nicht-Gute-Wohn-Schachteln blieben, müssen sie sich spätestens jetzt mit städtebaulichen und architektonischen Strategien für die mutmaßlich anhaltende Zuwanderung auseinandersetzen. Denn die jetzige Art der Massenunterbringung ist räumlich und funktional das Gegenteil, was man „Willkommenskultur“ nennen kann. Die Art der Unterbringung bildet ab, wie Flüchtlinge gesellschaftlich behandelt werden. Wohncontainer werden nicht nur von den Bewohnern als Käfige empfunden, sie beschädigen schließlich auch das Bild der Stadt.

Die Ausstellung ist allgemein bei allen, mit denen ich gesprochen habe, sehr gut angekommen. Die Entwurfsverfasser haben da wirklich gute Arbeit geleistet. Bei allem erforderlichen Pragmatismus zeigen die studentischen Vorschläge eine Menge kreatives Potenzial. Und bei aller Not müssen wir auf Bauqualität und Baukultur achten!

Die Ausstellung im ehemaligen Koblenzer Modehaus Dienz wird zunächst um einige Tage verlängert und dann nach den Wahlen in Mainz präsentiert werden.

StudentInnen: Johannes Blum, Christian Both, René Buchholzer, Tobias Claesgens,
Alexander Dembowski, Markus Eckhardt, Eric Fiege, Felix Jung, Johannes
Kring, Jan Kubasta, Dragana Lazic, Sven Suckow, Valentina Tordi, Julian
Vargas Martinez, Marco Willeke

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Ein Kommentar zu “Ausstellung „Flucht nach vorn“

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