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Mannesmann-Hochhaus am Rhein-Ufer in Düsseldorf

Das Architekturmuseum der TU München zeigt ab dem 16.07.2015 die Ausstellung „BUNDESREPUBLIKANISCHEN MODERNE“. Anlässlich des 100. Geburtstags von Paul Schneider-Esleben wird seine Architektur im Kontext der Nachkriegsmoderne der BRD präsentiert.

Als junger Architekt habe ich Anfang der 80er Jahre im Düsseldorfer Büro von PSE – wie Prof. Schneider-Esleben genannt wurde – gearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits Großprojekte wie den Köln-Bonner Flughafen realisiert. Meilensteine in der Düsseldorfer Nachkriegsarchitektur waren insbesondere die drei folgenden ikonischen Bauten:

Mit dem 22geschossigen Mannesmann-Hochhaus (1956 – 58) baute PSE ein Verwaltungsgebäude als erste Stahlskelett-Konstruktion mit Vorhangfassade in Deutschland. Zusammen mit dem Dreischeibenhaus von HPP ist es überhaupt eines der ersten modernen Hochhäuser in der BRD und steht für die Zeit des sog. Wirtschaftswunders.

Ein anderer spektakulärer Bau ist die Haniel-Garage (1953), eine der ersten in Deutschland errichteten Hochgaragen, ganz nach amerikanischem Vorbild. Hinter der geschosshohen Verglasung waren die parkenden Autos zu sehen. Die Fahrrampen sind außen vor der Verglasung an den Längsseiten des Gebäudes aufgehängt.

Einen Namen machte er sich auch mit dem eiförmigen Kuppelbau der Rochuskirche. 1954 wurde der Kirchenbau mit einer Fassade aus rautenförmigen Ziegeln fertiggestellt als Ersatz für den im Krieg zerstörten Vorgängerbau. Fassade und Dachaufbau sind durch ein schmales umlaufendes Lichtband getrennt, so wie es bei vielen modernen Kirchen aus der Nachkriegszeit üblich war. Über einem Dreipass-Grundriss fügen sich die Paraboloid-Schalen zusammen. Die Kuppel besteht aus drei Beton-Knickschalen, die am Knickpunkt auf zwölf dünnen Säulen lasten und sich gegeneinander stützen.

P1230054Bürogebäude in Düsseldorf-Golzheim, 1980

Meine Zeit bei PSE war für mich als Berufsanfänger höchst interessant und lehrreich. Nicht nur im Hinblick auf das große Thema Architektur. Nie zuvor (und danach) hatte ich einen so außergewöhnlichen Menschen wie PSE kennen gelernt. Sein ganzes snobistisches Gebaren war das eines Künstlerfürsten, der sich seiner Größe in jeder Minute bewusst war und dies mit jeder Geste ausdrückte. Er war sehr wohlhabend und pflegte mit Villa in Düsseldorf, Villa und Weingut in Südfrankreich, offenem Mercedes-Sportwagen, zweimastigem Segelschiff u. a. einen herrlich aufwändigen Lebensstil, während er seine Mitarbeiter gern schon mal als Leibeigene ansah. Mir war schnell klar: So lebt man als Architekt, ich hatte das Richtige studiert und konnte einer rosigen Zukunft entgegenblicken.

Die Ausstellung wird bis zum 18.10.2015 in der Münchener Pinakothek der Moderne zu sehen sein.

Ein Kommentar zu “PSE

  1. Pingback: Rückblick auf die Nachkriegsmoderne | ARCH BLOG

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