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Hier ein Presseartikel von Annette Hoppen in der Rhein-Zeitung v. 16.03.15 „Koblenzer entwerfen islamische Gotteshäuser”.

Koblenz. Die Architekturgeschichte von Kirchen und Moscheen hat sich über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende entwickelt. Zur klassischen Moschee gehört etwa seit dem 7. Jahrhundert nach Christus in der Regel ein Minarett wie zu christlichen Kirchen der Glockenturm. Prunkvoll sind die Verzierungen im Inneren dieser klassischen islamischen Gotteshäuser im arabischen Raum. Und klassisch war über Jahrhunderte hinweg auch die Geografie der Gebetshäuser: Moscheen waren zumeist im Orient zu Hause, Kirchen eher im Okzident.

Doch diese Grenzen sind längst verschwunden, der Import östlicher sakraler Architektur nach Europa und Deutschland gelingt indes oft eher schlecht als recht. Als Konglomerat wild zusammengewürfelter osmanischer Baustilimporte, gepaart mit Kunststofffenstern und Acrylkuppeln, tragen viele muslimische Gotteshäuser hierzulande nicht gerade zur Aufwertung des Stadtbildes bei, sagt Professor Henner Herrmanns.

Beim Bau von 150 Gebetshäusern, die die Alevitische Gemeinde Deutschland im gesamten Bundesgebiet plant, soll das nun mit Hilfe von Koblenzer Studenten besser gelingen. Vier angehende Architekten haben sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit der Thematik beschäftigt und eigene Entwürfe für ein Cem-Musterhaus erstellt, wie die Aleviten – eine eigene muslimische Strömung – ihre Zentren nennen.

Im Grunde genommen könnte die Hochschule der Rhein-Mosel-Stadt damit sogar zur Keimzelle für eine ganz neue Stilrichtung von alevitischen Gotteshäusern werden. Denn das Alevitentum ist zwar eine islamische Glaubensrichtung, Moscheen gibt es aber nicht. Eine eigene Architekturgeschichte für Cem-Bauten hat sich so nie entwickelt.

„Gerade darin liegt die Chance, aber auch eine Herausforderung, wenn nun in Deutschland Gebetshäuser, nämlich Cemevi, entstehen sollen“, erklärt der Koblenzer Architekturprofessor Henner Herrmanns. Wichtig ist ihm, dass die Formensprache erkennen lässt, dass es sich um besondere Bauten handelt, um Gebetshäuser. Gleichwohl soll dies nicht durch eine Art kirchenarchitektonischer „Folklore“ offenbar werden.

Das ist auch nicht im Sinne der Alevitischen Gemeinde Deutschland, der Dachorganisation der Glaubensgemeinschaft mit Sitz in Köln, von der der Planungsauftrag für die Koblenzer Studenten kam. Deren Bestreben ist es laut Professor Herrmanns, dass die Cem-Häuser in Sachen Architektur nicht provozieren, aber sehr wohl eigene Akzente setzen.

Bundesweit zählt die Glaubensrichtung 700 000 Mitglieder, die in 125 Alevitenvereinen organisiert sind. Einer davon ist die Alevitische Gemeinde Koblenz und Umgebung, die seit dem vergangenen Jahr bereits in Siershahn (Westerwaldkreis) ein eigenes Cem-Haus hat (die RZ berichtete). Das Ziel ist es, dass alle Gemeinden ein solches Gebetshaus erhalten. Die Planungsgrundlage dafür haben die Koblenzer Studenten nun geschaffen, die auch zu beachten hatten, dass die Gebetshäuser bei den Aleviten – ähnlich wie im Judentum und auch bei Moscheen üblich – einen multifunktionalen Charakter haben und auch als Gemeindezentren dienen.

Als fiktives Areal in Innenstadtlage von Koblenz hat Herrmanns für alle vier Studenten den Reichensperger Platz in Koblenz ausgewählt. Die Entwürfe, die auf Grundlage dieses Geländes entstanden sind, werden nun in Kürze der Dachorganisation vorgestellt.

RZ Koblenz und Region vom Montag, 16. März 2015, Seite 11

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