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Neujahrsempfang 2015
Gestern, beim traditionellen Neujahrsempfang des Fachbereichs Bauwesen der Hochschule Koblenz hat Thomas Metz, Generaldirektor Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz den Gastvortrag gehalten. Er referierte über „Das Denkmal im Kontext“ und führte anhand von drei prägnanten Beispielen (Kaiserthermen in Trier, Festungsstadt Koblenz und Haus am Dom in Worms) auf, wie kontrovers auch über das Thema Denkmalschutz diskutiert werden kann.

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Thomas Metz: Festungsstadt Koblenz

So schlug im Jahr 1907 der Verband der Steine- und Erden-Industrie vor, die Kaiserthermen in Trier wieder aufzubauen. Diesem Ansinnen schlug heftiger Protest der Fachwelt entgegen, wobei auch darüber debattiert wurde, ob die Bauruine als Thermen-, Kirchen- oder Palastanlage zu erachten sei. 1983 hat man sich dann für eine baustabilisierende Teilrekonstruktion entschieden.

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Thomas Metz: Kaiserthermen in Trier

Das Beispiel in Worms ist hochaktuell: Bei der Kontroverse geht es um eine geplante Gemeinde- und Begegnungsstätte am Dom. Der Neubau soll an der Stelle des 1830 abgerissenen Kapitelhauses errichtet werden. Dieser Vorschlag der Denkmalpflege basiert auf der Überlegung, so dem Domplatz wieder einen Rahmen zu geben. Damit solle auch der Kreuzgang wieder als solcher erkennbar gemacht werden. Der zur Ausführung bestimmte Wettbewerbsentwurf entspricht dieser Vorstellung von Stadtreparatur.

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Thomas Metz: Haus am Dom in Worms

Der große Widerstand, der sich von Seiten engagierter Bürger gegen den geplanten Standort formiert hat, argumentiert, dass durch den Neubau der freie Blick von Süden auf den Dom verstellt, zumindest eingeschränkt wird. Die Bürgerinitiative „Kein Haus am Dom“ möchte sich den Dom-Blick nicht verbauen lassen.

Zu diesem Bauvorhaben hatte ich im Jahr 2013 Stellung bezogen: Meiner Meinung nach erreicht eine Baugestalt wie der freistehende Wormser Dom gerade durch seine Alleinstellung, sein ‚Abstrahlen‘ eine Art architektonischer Raumbildung; denn im Gegensatz zum ‚Umgrenzen und Einhüllen‘ wird so der Ort markiert und kann sich gegenüber dem eigenschaftsärmeren Umraum auszeichnen. (ArchBlog v. 10.12.13)

Trotz endloser Diskussionen und wenig Konsens beginnen die Archäologen am Montag, den 19. Januar 2015  schon mal mit ihren Grabungen an der Südseite des Doms. Eins steht aber fest: Da nur durch intensive Auseinandersetzung mit der Problematik die bestmögliche Lösung gefunden werden kann, ist eine öffentliche Diskussion sehr wünschenswert. In manchen Städten hingegen, wie z. B. in Koblenz, gewinnt man manchmal den Eindruck, dass schnell entschieden und wenig diskutiert wird.

3 Kommentare zu “Das Denkmal im Kontext

  1. In Worms wurde noch schneller entschieden, als in Koblenz…. erst dem Bürgerverein „Dom-Umfeld e.V.“ ist es überhaupt zu verdanken, daß eine Diskussion stattfindet.
    1830 wurde das ehemalige Kapitelhaus abgetragen, weil die Domgemeinde damals „pleite“ war und die Steine anschließend verkaufte. Schon kurze Zeit danach (1907 folgende) wurde darüber diskutiert, hier wieder zu bauen, was damals von führenden Persönlichkeiten abgelehnt wurde.
    Gerade und durch den Bürgerverein wurden Alternativvorschläge gemacht, die niemals Beachtung fanden. Meines Erachtens wurden gerade auch städtische Gremien instrumentalisiert, um die Baugenehmigung schnell voran zu treiben, jene wiederum jeder Beschreibung spottet, weil hier geltendes Recht durch Hintertüren umgangen wird.
    Der eigentlich Hohn ist aber, daß der Neubau ein Dach von mehr als 9 Meter Höhe aufweist, dessen Innenraum LEER steht….. „Stadtreparatur“ kann auch stattfinden, wenn man etwas so belässt, wie es ist oder umgestaltet (siehe Speyer !), in dem man den Bereich, der zum Bau vorgesehen ist in eine Grünanlage umwidmet und so den Blick „weitet“ – oder durch einen weit niedrigeren Bau, der zum Dom und auch zum Kreuzgang hinführt ….. aber so, wie geplant, sicherlich nicht. Ein solcher Bau muss im Nachhinein auch von den Bürgern akzeptiert werden – 27.000 von knapp 50.000 Wahlberechtigten sind dagegen, wurden alllerdings übergangen, in dem der Wormser OB den Bürger als „fiktiv“ bezeichnete und ein Bürgerbegehren abgelehnt wurde……

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  2. Denkmale als Stifter von Identität und Heimatgefühl sind elementar für das soziale städtische Gefüge. Auch wenn man ihnen leider viel zu selten genügend Beachtung schenkt und meist erst dann bemerkt, was einem an ihnen liegt, wenn sie verfallen oder abgerissen werden sollen.

    Denkmale sind erst dann richtig schön, wenn sie auch genutzt werden. Am Besten werden sie dann auch noch verstanden und gepflegt. Da schlägt dann unser Denkmalschützer-Herz höher.

    Auch die Nutzung von Plätzen vor Denkmalen fällt da mit hinein. Nicht nur das Bewohnen oder Beleben von Denkmalen sondern auch das Drumherum ist wichtig.

    Oft wird aber das Bewusstsein für das Denkmal bei der Bevölkerung zu spät oder gar nicht aktiviert. Wissende und weise Denkmalpfleger und Architekten machen sich ans Werk und präsentieren irgendwann ihren Plan, der viel zu oft auf herbe Kritik stößt, weil er nicht mit der Bevölkerung ausgearbeitet wurde.

    Das Einbeziehen der Bevölkerung vom Anfang des Planungsprozesses an ist unabdingbar und wird doch leider oft völlig vernachlässigt. – Bürger sind aber nicht lästig und störend sondern diejenigen, die das Denkmal später mal nutzen sollen. Wir pflegen und retten es also für sie. Und für uns.

    Um das Bewusstsein für Denkmäler auch gerade in der jungen Bevölkerung zu stärken, führe ich einen Blog dazu (http://raumzeichner.de), der sich mit dem Thema Denkmalschutz beschäftigt und ein kleiner Teil einer jungen Presse (Online Magazin) ist.

    Wir als Fachmenschen sind leider oft auch Fachidioten: Architekten, Denkmalschützer, Stadtplaner, … da nimmt sich im Grunde keiner was, auch wenn wir noch so sehr versuchen, über den eigenen Tellerrand zu schauen, wir vergessen viel zu oft, um wen es wirklich geht. Wir wollen viel zu gerne helfen und versinken so ins Helfen, dass wir im Endeffekt dann doch oft gar nicht so viel helfen, wie wir könnten.

    Das schwere Los der Denkmale und ihrer Schützer.

    Beste Grüße
    Julia

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  3. Pingback: In Worms hofft man noch immer auf ein Wunder | ARCH BLOG

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