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Bei unserer architekturgeschichtlichen Spurensuche in der letzten Woche haben wir uns auf unseren Erkundungen in Brüssel u. a. auch Gebäude angeschaut, die zunächst nicht auf dem Programm standen. So beispielsweise den gigantischen Brüsseler Justizpalast oder den zeichenhaften Bau der großen Brüsseler Synagoge in der Rue de la Régence. Bereits 1878 errichtet, blieb er während des Zweiten Weltkriegs unversehrt.
Als Ergebnis eines Architektenwettbewerbs wurde der Sakralbau nach den Plänen von D. De Keyser, der den ersten Preis errang, im romanisch-byzantinischem Stil errichtet. Auf den ersten Blick könnte man das Gebäude auch mit einer christlichen Kirche verwechseln. Dieser Stil war beim Bau von Synagogen in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht untypisch. Durch die Orientierungen an christlicher Kirchenarchitektur sollte der Wunsch auf Integration der Juden zum Ausdruck gebracht werden. Dieser Bau ist auch ein Beispiel für die Kombination von Zweiturmfassade und dreiteiligem Portal. Der dreiachsige Mitteltrakt wird flankiert von turmartigen Seitenrisaliten. Diese viergeschossigen flach gedeckten Türme begleiten das monumentale dreistöckige Mittelrisalit, das über der Rosette in einem Giebel endet, bekrönt mit einem Aufbau, der jüdische Symbole aufweist. Das Motiv der Bögen prägt die Fassade. Dieses Rundbogenstil-Motiv ist sowohl bei dem Dreiarkaden-Eingang, bei den Obergeschoss-Fenstern des Mitteltraktes als auch in allen Turmgeschossen zu erkennen. Sie weisen mit Rundbogenfriesen und Doppelarkaden unter Blendbögen auf eingestellten Säulen eine reiche Gliederung auf, deren vertikaler Impuls durch die überhöhten Formen der Öffnungen unterstrichen wird. Alles ist zu einem harmonierenden, symphonischen Ganzen verbunden und zeichnet diesen Synagogen-Bau in der Stadtmitte prachtvoll aus.

Wir lernen: Sakralbauten werden mit den Mittel der Ästhetik inszeniert, sie sind demonstrative Symbole in der Stadtstruktur. Sie haben in aller Regel eine wichtige städtebauliche Funktion, sie sind nämlich Stadtbild prägend. Die Architektur ist nicht entbehrliche luxuriöse Dekoration, vielmehr basiert auf diesem Baustein urbane Identität. Eine Synagoge ist eo ipso mehr als eine Immobilie – sie ist ein Sinnbild.

Siehe auch ArchBlog v. 16.10.14

und auch ArchBlog v. 13.11.10

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