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Unsere Vorstellung von der sakralen Architektur des Barock wird weniger von dem figurativen Erscheinungsbild des Außenbaus geprägt als vielmehr von der Innenarchitektur. Es scheint, als hätten sich die in Köln ansässigen KönigsArchitekten bei ihrer Entwurfskonzeption aus dieser Ideenwelt inspirieren lassen. 2004 haben sie einen äußerlich schlichten Kirchen-Neubau in dem Regensburger Vorort Burgweinting errichtet. Tatsächlich lässt die Architektur den Betrachter zunächst nichts von der Komplexität des Innenraumes ahnen. Erst in dem Innenraum entfaltet sich der ganze Zauber. Hinter den hellgrünlich geschlämmten Seitenfronten, die keinesfalls der Grund der emphatischen Begeisterung für diesen Sakralbau sein können, wird all das verborgen, was als großartiger, einheitlich durchgestalteter Sakralraum bezeichnet werden muss. Tatsächlich ist die Überraschung umso größer, wenn man das Innere der Kirche St. Franziskus mit seiner raumgroßen ellipsoiden Lichtöffnung betritt. Die eigentliche Stahlkonstruktion, die sich als Sheddach über den Baukörper spannt, wird durch eine transluzente Membrane verdeckt, die die Raumgrenze verschleiert. Was könnte barocker sein als die Absicht, das Auge über die wirklichen Raumgrenzen im Ungewissen zu lassen. Im Innern der Kirche herrschen Kurvenformen vor. Der Raum ist nicht statisch, er schwingt. Das ganze Spektakel nimmt man erst nach und nach wahr. Durch das Aushöhlen der monolithischen Masse des Kubus ergibt sich eo ipso ein Restvolumen. So dringen apsisförmige Räume in den stützenfreien, unregelmäßigen ovalen Zentralraum ein. Alle Teile des Raumes sind wie durch eine geheimnisvolle Gewalt in Schwingungen versetzt. Hierzu tragen auch die Innenwände bei, die unterschiedlich geneigt sind. Die statische Problematik durch diese Neigung der Innenschale aus Ziegeln ist sicherlich nicht gering. Im Barock waren die Gesetze der Statik auch scheinbar aufgehoben. Das emotionale Erschauen ist wichtiger als das analysierende Verstehen. Was die Architekten hier planten ist sozusagen die Poesie des Geheimnisvollen.

Ein Kommentar zu “Sakralbaukunst

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