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IMG_4015Ich musste nicht lange suchen nach dem Neubau des EYE in Amsterdam. Kaum verlässt man den Hauptbahnhof rückseitig, sieht man ihn auch schon. Unübersehbar schwebt auf der anderen Seite des Flusses IJ das surrealistische Architekturobjekt des Eye-Film-Instituts. Entworfen und fertiggestellt wurde es vor zwei Jahren von Delugan Meissl Associated Architects. (Direkt daneben das ehemalige Shell-Hochhaus aus den späten 1960er Jahren, das z. Zt. revitalisiert wird.)
Das scharfkantige, kristalline Bauwerk basiert auf einem internationalen Wettbewerb, den die österreichischen Architekten bereits 2005 gewonnen hatten. Damit haben sie im wahrsten Sinne des Wortes einen weiteren Eyecatcher kreiert wie zuvor schon in Stuttgart mit dem Porsche-Museum. Auch hier schwebt die Architektur scheinbar über dem Standort. Der Betrachter assoziiert die dynamische Architekturform mit einer schnittigen Yacht.
Den Architekten zufolge thematisiert die asymmetrische Baugestalt die „Überlagerung zweier kreativer Disziplinen, in deren Zentrum Realität und Fiktion, Illusion und tatsächliches Erleben stehen“. Und tatsächlich könnte sich mit etwas Phantasie vor dem Auge des Betrachters, der sich mit der Personenfähre auf das Museumsufer zubewegt, ein Film abspielen, in dem das Bauobjekt wie in Filmsequenzen ständig seine expressive Gestalt verändert.
Der Zugang zum Gebäude erfolgt über das erste Geschoss und wird über eine langsam ansteigende Rampe erreicht. Das Raumprogramm besteht im Prinzip aus einem großen und drei kleineren Kinosälen. Im Untergeschoss befindet sich neben den Büroräumen auch ein interaktiver Bereich mit Filmkapseln, in denen sich der Besucher Filme ansehen kann. Im zweiten Stock liegt ein 1200 m² großer Ausstellungsraum. Durch die gewählte Gebäudekonfiguration ergeben sich im Inneren rund um die orthogonalen Säle weitere ungewöhnliche Räume, die als Erschließungsflächen und Foyers dienen. Durch schräge Wände und spitzwinklige Grundrisse – räumlich höchst gewöhnungsbedürftig – bieten sich interessante Raumerfahrungen.
Das Herzstück des Gebäudes bildet ein großes, beeindruckendes Foyer mit Café, das als Aufenthaltsort und Verteiler fungiert. In diesen spektakulären, fast schon kathedral-hohen Raum mit schrägen Wandflächen und schiefen Stützen münden alle Wege im Gebäude. Mit der Treppenlandschaft erinnert er an ein Amphitheater. Der Raum öffnet sich mit seiner mehrgeschossigen Glasfront zum Wasser. Eine große Terrasse dient als Erweiterung des Raums zum Fluss.
So einladend die Wasserseite aussieht, so ernüchternd wirkt die ziemlich geschlossene Rückseite. Wenn dieses Architekturobjekt als von allen Seiten gleichermaßen attraktive Skulptur gedacht war, ist dies nicht ganz gelungen. Eindeutig gibt es hier eine Schokoladenseite, gegenüber der die Rückseite deutlich abfällt. Als Fassadenmaterial haben die Architekten aluminiumbeschichtete Sandwichpaneele verwendet, ähnlich wie bei ihrem Porsche-Museum in Stuttgart. In Amsterdam, der Grachtenstadt mit den bekannt schwierigen Gründungsverhältnissen, gibt es für die Materialauswahl einen handfesten Grund: Die Fugen zwischen den Paneelen bieten Spielraum für statisch bedingte Verformungen der Gesamtstruktur, denn die riesige Stahlkonstruktion liegt auf einer Pfahlgründung, sodass im Laufe der Zeit mit Gebäudesetzungen zu rechnen ist. Das schwebende Gebäude könnte also noch zur Landung ansetzen.

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2 Kommentare zu “Eye catcher

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