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Tortenästhetik von H. H. Frankfurter Kunstmuseum
MMK, Frankfurt/M.

„Alles ist Architektur” war ein berühmter Ausspruch von Hans Hollein, der mit James Stirling und Ernst Kasper einer meiner Professoren an der Düsseldorfer Kunstakademie war.
Zu dieser Zeit war er bekannt als Meister von architektonischen Inszenierungen, da er wieder sinnliche und emotionale Momente in seine Entwürfe einführte, die die moderne Architektur verdrängt hatte bzw. vor denen Architekten seinerzeit zurückschreckten.
Schöne Beispiele hierfür sind der Kerzenladen Retti und das Juweliergeschäft Schullin in Wien sowie der Umbau eines Wiener Reisebüros. Mit Hilfe einer überraschenden Symbolsprache gelang es Hollein bestimmte Assoziationen zu erzeugen.
Hierzu gehören auch seine high sofisticated Möbelentwürfe aus jener Zeit.

retti shop
Kerzenladen Retti in Wien (Foto aus AnArchitechture)

Mit dem Städtischen Museum Abteiberg in Mönchengladbach als Architekturlandschaft setzte Hollein Anfang der 1980ger Jahre neue Maßstäbe in der Museumsarchitektur der Nachmoderne.
Diese Collage divergierender Baukörper plante er in seinem Atelier in der Düsseldorfer Kunstakademie, so dass man als wissbegieriger Student zeitweise dem kreativen Prozess beiwohnen und die Entwicklung verfolgen konnte.
So konnte man den Museumsberg lesen als Metapher für eine Stadt im Kleinen, wobei das Dach die Plaza darstellt.
Aber nicht alles muss man als gelungen bezeichnen: Das Haas-Haus am Wiener Stephansdom aus dem Jahr 1990 ist m. E. schrecklich überdesignt. Auch wenn in Wien das Luxuriöse nicht als amoralisch gilt, hätte Hollein hier doch besser auf seinen österreichischen Landsmann Adolf Loos hören sollen.
Auch sein Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt/M. aus dem Jahr 1991 stellt mit den szenografischen Abläufen die Architekturinszenierung eines Künstler-Architekten dar.
1985 erhielt Hollein den „Nobelpreis der Architektur“, den Pritzker-Preis als siebter Architekt in der Welt – nach James Stirling.
Am kommenden Sonntag, dem 30. März wird Hans Hollein 80 Jahre.

4 Kommentare zu “Hans Hollein

  1. Hans Hollein war Künstler, Designer und Weltstar der Architektur. Er wurde 80 Jahre alt. (DiePresse.com – 24.04.2014 | 12:23)
    Der österreichische Architekt, Künstler, Designer und Ausstellungsgestalter Hans Hollein ist heute früh 80-jährig nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Hollein hatte schon Ende März aufgrund einer Lungenentzündung an den offiziellen Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag nicht teilnehmen können. Österreichs einziger Träger des renommierten Pritzker-Architekturpreises war ein Weltstar der Architektur.
    • Hans Hollein: Besessen, treibend, kämpfend
    Mit seinem Wiener Büro hat Hollein weltweit beeindruckende Bauten geschaffen und auch hierzulande an prestigeträchtigen Orten wie dem Stephansplatz Statements gesetzt. Er baute unter anderem in New York (Richard L. Feigen Gallery), in Mönchengladbach (Städtisches Museum Abteiberg), in Teheran (Museum für Glas und Keramik), in Frankfurt (Museum für Moderne Kunst, Eröffnung), Berlin (Österreichischen Botschaft, Eröffnung) und Clermont-Ferrand („Vulcania“-Museum). Sein erstes Wiener Prestigeprojekt, vom damaligen Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) durchgesetzt, führte ihn mit dem als Konsumtempel der Postmoderne ausgeführten Haas Haus gleich in das Herz der Stadt, auf den Stephansplatz. In Wien hat er vergleichsweise spät weitere größere Bauten realisiert: Den Media-Tower am Wiener Schwedenplatz von 2001 krönt eines der für Hollein charakteristischen Flugdächer. Der den Albertina-Vorplatz beschirmende und zerschneidende „Soravia Wing“, der 2003 entstand, trägt ebenso seine Handschrift wie der Hilton-Umbau und das Bürohaus „Die Welle“ in unmittelbarer Nähe des Hotels.
    Hans Hollein wurde am 30. März 1934 in Wien geboren. 1956 erwarb er ein Diplom der Wiener Akademie der bildenden Künste. Ab 1964 betrieb er ein Architekturbüro, das mit einem Paukenschlag startete: 1965 erhielt er für die Gestaltung der 16 Quadratmeter großen Kerzenboutique „Retti“ am Kohlmarkt in Wien-Innere Stadt den mit 25.000 Dollar dotierten Reynolds-Preis. Als Designer hat Hollein Möbel und Türklinken ebenso entworfen wie Konzertflügel, er war als Ausstellungsgestalter (u.a. für „Traum und Wirklichkeit“) und Bühnenbildner (etwa für Schnitzlers „Komödie der Verführung“ am Burgtheater) tätig. Als Vorsitzender des Fachbeirats für Stadtplanung und Stadtgestaltung, Universitätsprofessor, Direktor der Architektur-Biennale Venedig (1996), Österreich-Kommissär der Kunstbiennale Venedig (1978-90) und Präsident des Österreichischen Kunstsenats hatte er weit über das eigene Bauen hinaus auf die kulturellen Belange seiner Heimat Einfluss.

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