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Fernand Léger schrieb von der Front: „Allen den Dummköpfen, die sich fragen, ob ich noch Kubist bin oder sein werde, wenn ich zurückkomme, kann man sagen: Ja, mehr denn je. Denn etwas Kubistischeres als einen Krieg wie diesen gibt es nicht, wo ein Mann mehr oder weniger akkurat in mehrere Stücke zerfetzt und in die vier Himmelsrichtungen geschleudert wird.“

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„Die Vergewaltigung“

2014 – vor bald 100 Jahren ist der Erste Weltkrieg ausgebrochen. Zu diesem Thema zeigt die Bundeskunsthalle in Bonn die Schau „1914. Die Avantgarden im Kampf„. Die Bonner Ausstellung präsentiert die katastrophale Zeit anhand von ca. 300 Bildwerken von Max Beckmann, Otto Dix, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Egon Schiele und vielen anderen.

Diese Maler-Avantgarde sehnte mit leuchtenden Augen den Krieg herbei, damit ihre Kunst mehr Stoff zur Verarbeitung bekäme. Max Beckmann war der Auffassung, dass seine Kunst nun endlich „zu fressen“ kriege. Als Sanitätssoldat schrieb er enthusiastisch: „Draußen das wunderbar großartige Geräusch der Schlacht. Ich ging hinaus durch Scharen verwundeter Soldaten. Ich hörte diese eigenartige, großartige Musik. Ich wünschte, ich könnte diese Geräusche malen.“ In weiteren Briefen schrieb er von der Front an seine Frau: “Fabelhafte Sachen sah ich. In dem dunklen Unterstand halb entkleidete, blutüberströmte Männer, denen die weißen Verbände angelegt wurden. Groß und schmerzlich im Ausdruck. Neue Vorstellungen von der Geißelung Christi.“ Kein Jahr später brach Beckmann physisch und psychisch zusammen. Otto Dix gierte es nach den „Untiefen“ menschlichen Daseins, Oskar Kokoschka hielt das Ganze für einen großen Abenteuerspielplatz, Paul Klee für eine Zirkusvorstellung, deren malerische Verarbeitung Geld in seine leere Kasse zu spülen versprach. Ernst Ludwig Kirchner meldete sich – wie viele andere damals – bei Kriegsausbruch als Freiwilliger. Nach einem körperlichen und seelischen Zusammenbruch wurde er 1915 vom Kriegsdienst freigestellt. Auch Franz Marc engagierte sich für die Mobilmachung und meldete sich freiwillig. Er schrieb: „Das alte Europa kann nur so gereinigt werden, oder gibt es einen einzigen Menschen, der diesen Krieg ungeschehen wünscht?“ 1916 fiel er.

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Die Werke von etwa 60 Künstlern der Klassischen Moderne, besonders aus den Kriegsjahren 1914/1918, werden noch bis Ende Februar gezeigt. Ein Hot Spot in der Ausstellung ist Ernst Ludwig Kirchners hier abgebildetes „Selbstbildnis als Soldat“ aus dem Jahr 1915. Dieses Bild zeigt, dass die schmerzlichen Erfahrungen des Krieges in Kirchners Kunst Spuren hinterlassen haben – anders als bei Fernand Léger, der an seiner Stilistik aus der Vorkriegszeit festhielt.

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