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bischofssitz-limburgFoto: dpa

Das online-Debattenjournal Bkult bat mich um ein Statement zur Frage: Braucht die Baukultur mehr Bauherren wie Tebartz-van Elst?

Hier  meine Antwort:

Der teure neue Bischofssitz in Limburg ist in erster Linie deshalb zur Affäre geworden, weil die katholische Kirche angeblich für den Unterhalt von Kirchengebäuden kein Geld mehr zur Verfügung hat und sie deshalb verkauft oder abreißt. Darunter befinden sich auch Bauwerke berühmter Baumeister wie Rudolf Schwarz, Gottfried Böhm, u. a. Gerade das Bistum Limburg verfolgt mit seinem Programm „Sparen und Erneuern“ das Ziel, mehrere Gemeinden zu fusionieren, um im Ergebnis vier von fünf Kirchengebäuden schließen zu können. Aus diesem Grund fehlt es in der Bevölkerung zu Recht an Verständnis für die unverhältnismäßig teure Unterbringung einer einzelnen Person, des Bischofs von Limburg.

Zudem ist die Architekturästhetik des umstrittenen Bauensembles in Limburg m. E. (ich kann es allerdings nur auf der Grundlage von Fotos beurteilen) nicht wirklich überzeugend. Es handelt sich um ein Konglomerat von Gebäuden, die nicht zu einem harmonischen Ganzen zusammengeführt worden sind. Sie werden durch eine umlaufende hohe Mauer eingefasst. Berninis Kolonaden des Petersplatzes in Rom symbolisieren weit geöffnete Arme, die die apostolische Mission der katholischen Kirche zeigen soll, die sich für die ganze Welt offenhält. Welche Konnotation steht wohl hinter dem bunkerartigen Bischofssitz in Limburg, der sich hinter hohen Mauern verschanzt? Auch passt die auffallende schwarze Kapelle weder ins pittoreske Stadtbild von Limburg mit seinen Fachwerkhäusern noch zum Limburger Dom. Der Innenhof erscheint wegen seiner geringen Außenmaße wie die Persiflage eines Kreuzganges. Es ist ungeschickt in dieser Situation auch noch Doppelsäulen zu planen, die weder statisch noch ästhetisch begründet sind. Sie kommen als profane Betonstützen daher und haben keinerlei architektonischen Reiz.

Meines Erachtens ist die hohe Bausumme nicht der herausragenden Architektur geschuldet, sondern dem schwierigen Bauplatz sowie den Umplanungen und Erweiterungen während der Bauphase. Ein echter Gegenwert in Form von einer großartigen Architektur wurde nicht geschaffen. Nein, der Limburger Bischof ist als Bauherr nicht zu vergleichen mit den Kirchenfürsten, deren Bauwerke über Jahrhunderte zu unserer Architekturgeschichte beigetragen haben.

Siehe auch:

https://herrmanns.wordpress.com/2013/10/10/ganz-allein-im-shitstorm-bischof-franz-peter-tebartz-van-elst/

 

3 Kommentare zu “Franz-Peter Tebartz van Elst 2.0

  1. Siehe auch „Die Burg des Bischofs“ von Enrico Santifaller in Frankfurter Neue Presse:
    http://sdp.fnp.de/rhein-main/limburgerbischof/Die-Burg-des-Bischofs;art25268,674574
    Enrico Santifaller schreibt:
    Heftigen Widerspruch erfährt Schmal von Henner Herrmanns. Der Koblenzer Architektur-Professor sieht in „dem bunkerartigen Bischofssitz in Limburg keinerlei architektonischen Reiz“. Tebartz-van Elst sei in keiner Weise mit den Kirchenfürsten zu vergleichen, „deren Bauwerke über Jahrhunderte zu unserer Architekturgeschichte beigetragen haben“.

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  2. Im „bkult.de“-Blog verteidigt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt, vehement den Neubau der Limburger Bischofsresidenz, dass der Bau „in 100 Jahren noch voller Würde ist“.
    Heute bestätigt er im Wiesbadener Kurier (13.11.13)
    http://www.wiesbadener-kurier.de/region/kultur/ausstellungen/13612512_1.htm
    dem Bau „Höchste handwerkliche Qualität“. Allerdings wird seine Auffassung in der gleichen Ausgabe des Wiesbadener Kuriers relativiert, indem berichtet wird:
    Im Internet wird seiner Einschätzung freilich auch widersprochen, etwa von Henner Herrmanns, Architekt aus Koblenz, der auf dem eigenen Blog „Archblog.de“ das Bauwerk diskutieren lässt, und ihn auf bkult.de „bunkerartig“ nennt, im Innenhof eine „Persiflage eines Kreuzgangs“ sieht.

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  3. Pingback: Das Jahr im Rückblick | ARCHBLOG

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