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Bischofssitz, Limburg

Teurer Neubau am Bischofssitz in Limburg (Foto dpa)

Es ist nicht gerecht, dass der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst der Welle der Empörung jetzt ganz allein ausgesetzt ist.

Bereits vor mehreren Jahren haben die Medien – auch hier im ArchBlog war es zu lesen – darüber berichtet, dass der Bischof sich bereits frühzeitig als weltfremd und unfähig erweist, den bereits von seinem Vorgänger geplanten Neubau des Bischofssitzes vernünftig zu Ende zu führen. Ein solch offensichtlich realitätsferner Bauherr, der die Baukosten nicht im Auge behält, hätte unbedingt von Anfang an fachliche Beratung und Begleitung gebraucht, zumal er nicht sein privates sondern das bischöfliche Vermögen für das Bauvorhaben einsetzt. Ohne einzugreifen hat man jedoch zugesehen wie Bischof Tebartz-van Elst nicht nur sich, sondern auch das Bistum Limburg, ja die gesamte katholische Kirche lächerlich macht.

Tatsächlich hätte es doch Berater gegeben:

1.     Da ist zunächst einmal der Vermögensverwaltungsrat, dessen Zuständigkeit sich auf die Kontrolle der Ein- und Ausgaben des bischöflichen Vermögens bezieht. Ausgerechnet die Mitglieder dieses Gremiums wagen es jetzt, lautstark den Bischof wegen der zu hohen Baukosten zu beschuldigen, anstatt verschämt aufgrund der eigenen Unfähigkeit zurückzutreten.

2.     Auch der Architekt des Bauvorhabens hatte die Pflicht seinen Bauherrn auf die überbordend gestiegenen Kosten aufmerksam zu machen und Bedenken zu äußern. Es wird ihn doch nicht die Aussicht auf das durch die gestiegenen Baukosten höhere Architektenhonorar davon abgehalten haben?

3.     Und nicht zuletzt gibt es noch das Bischöfliche Bauamt im Bistum Limburg, das mir aus meiner freiberuflichen Tätigkeit nur zu gut bekannt ist. Ich hatte mich bereits im Jahr 2007 in der Ausgabe 05 der Architekturzeitschrift Metamorphose zusammen mit dem Chefredakteur Christian Schönwetter in dem Artikel „Das große Kirchensterben“ darüber beklagt, dass das Bischöfliche Bauamt sich gern aus Entscheidungsprozessen zurückzieht und wichtige bauliche Entscheidungen der Hilflosigkeit der Laien in Pfarrgemeinderäten oder anderen Gremien überlässt. Diese Laien müssen dann allein frei von architektonischen und baupraktischen Fachkenntnissen wichtige Entscheidungen treffen. So höchstwahrscheinlich geschehen mit dem Bischof von Limburg. Diese Vorgehensweise kann dann natürlich zu solchen katastrophalen Ergebnissen führen: Baukosten von mehr als 31 statt 3 Mio. Euro.

Ich bin der Auffassung, dass nicht nur der Bischof allein zurücktreten muss.

7 Kommentare zu “Ganz allein im Shitstorm – Bischof Franz- Peter Tebartz -van Elst

  1. Grundsätzlich muss ich Ihnen in der Bewertung zustimmen. Wie immer bei uns wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, rufen die Mitschuldigen „Haltet den Dieb“ und waschen ihr Hände in Unschuld. Der honorige Vermögensverwaltungsrat, der wohl mehr ein Absolutionsgremium statt ein tatsächliches Aufsichts- Kontroll- und Finanzgremium ist, hat dem Treiben jahrelang zugeschaut – wohl eindeutig ein strukturelles Problem. Welche Rolle hatte der Diözesanbaumeister? Kann man wirklich in unserer Zeit so obrigkeitshörig sein, einem (vorgesetzten Laien-) Bischof sämtliche Bauwünsche zu erfüllen ohne ihn auf die Konsequenzen hinzuweisen? Auch hier muss es eine Verantwortlichkeit geben. Unabhängig von der wohl sehr besonderen detailversessenen Ausführungsqualität ist andererseits wohl noch vollkommen ungeklärt, was alles in die 31 Mio Euro eingerechnet wurde. Es ist die Rede von Kunstwerken und -gegenständen – also quasi Ausstattung, die man nicht ohne weiteres zu den Baukosten rechnen darf. Im Reliquienraum wurden spezielle Aufbewahrungsbehältnisse angefertigt. Im Spiegel-online kommentiert man dies: „In diesem Regal lagern Reliquien. Früher seien die Knochen in Keksdosen gelagert worden, heißt es.“ http://www.spiegel.de/fotostrecke/tebartz-van-elst-bilder-aus-dem-umstrittenen-bischofssitz-fotostrecke-102449-8.html Welcher Standard ist denn für die Aufbewahrung von Reliquien nach Meinung des Spiegel anzustreben? Keksdosen oder kleine Holztruhen? Fest stehen dürfte, dass sich noch viele Aasgeier über dem Limburger Domberg einfinden dürften um sich am Ende auf ein ungeliebtes Opfer stürzen zu können. Bedauerlich, dass die Kirche derartigen Krisen nicht transparenter begegnet. Statt die (geheime) Baustelle mit hohen Sichtschutzzäunen zu umgeben und es den beteilgten Handwerksfirmen zu überlassen Unglaubliches zu kolportieren, wäre ein offensives Handling mit Baustellenbesichtigungen für die Öffentlichkeit bzw. die Gläubigen und regelmäßige Berichte über den Bauprozess zu wünschen.

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  2. Ich gebe Ihnen Recht. Die alleinig Schuld trifft den Bischof hier sicher nicht, die Kontrollorgane haben kläglich versagt dem größenwahnsinnigen Krankheitsbild des Bischofs einhalt zu gebieten. Zu früheren Zeiten war dies ja nichts besonderes, heute untragbar. Besonders im Hinblick darauf das in Deutschland die „Besucher“ der Kirche fern bleiben, austreten und aufgrund von Sparmaßnahmen (auch im Bistum Limburg) Pfarreien geschlossen werden“

    Ergänzend zu Ihrem Blog habe ich eben folgenden interessanten Artikel gelesen in dem ein paar „Sonderwünsche“ des Bischofs aufgezeigt werden:

    http://m.spiegel.de/panorama/a-927099.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://www.google.de/

    So, Ende der Mittagspause!

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  3. aus dem BAUMEISTER-BLOG v.15. Oktober 2013:
    Hier der Beitrag von Oliver G. Hamm „Bishopgate – die Skandalchronik des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus in Limburg“
    [ …] Die Idee, in Sichtweite des 1235 geweihten Doms eine Bischofsresidenz mit Wohn- und Amtsräumen zu errichten, geht weder auf den seit Januar 2008 amtierenden Bischof Tebartz-van Elst noch auf seinen Vorgänger Franz Kamphaus zurück, sondern auf das Domkapitel. Seinerzeit „sollte das Objekt nicht mehr als zwei Millionen Euro kosten“ (Daniel Deckers, FAZ.net vom 14.10.2013). Erst nachdem Kamphaus, der auch als Bischof im Priesterseminar gewohnt hatte, im Februar 2007 emeritiert war, war der Weg frei für das anfangs noch vergleichsweise bescheidene Projekt: In dem knappen Jahr der Vakanz des Limburger Bischofsstuhls wurde eine erste Planung beim Frankfurter Architekten Christoph Mäckler beauftragt. Dessen Vorentwurf sah zwischen den denkmalgeschützten Gebäuden Domplatz 6 (ehemalige Domküsterei von 1905) und Domplatz 7 (Alte Vikarie von 1428) – für deren Bausubstanz mit einer Gesamtnutzfläche von rund 270 Quadratmetern nur minimale Eingriffe vorgesehen waren – einen zweigeschossigen Neubau mit lediglich 147 Quadratmetern Nutzfläche vor. Mäckler ermittelte einen Kostenrahmen von rund 6 Millionen € (inklusive Kosten für Abbruch und Außenanlagen). Doch das war den Auftraggebern der mit rund 220.000 € vergüteten Planung offenbar zu viel, daher entschieden sie sich für eine Planungsstudie, die praktisch mit dem Amtsantritt des neuen Bischofs auf den Weg gebracht und im Juni 2008 bewertet wurde.

    Obwohl das Raumprogramm des Neubaus auf 200 Quadratmeter erweitert worden war, mussten die neun teilnehmenden Architekturbüros mit einem Kostenrahmen inklusive Sanierung des Fachwerkhauses und Erneuerung der Außenanlagen knapp unter 1,5 Millionen € auskommen (die Planungskosten schlugen mit rund 170.000 € zu Buche). Die Jury entschied sich für einen Entwurf des Bad Camberger Architekten Willi Hamm der ebenso wie die Entwürfe der übrigen Planer bis heute nicht öffentlich zugänglich gemacht wurde. Im Zuge der weiteren Planung (Grundlagenermittlung bis Genehmigungsplanung, Juni 2008 bis 2009) wurde das Raumprogramm für den Neubau auf 475 Quadratmeter erweitert; die Gesamtkosten wurden nun wieder mit rund 6 Millionen € veranschlagt. Verausgabt wurden zunächst aber weitere Planungskosten in Höhe von rund 525.000 € und zusätzliche Kosten von 225.000 € für den Abbruch eines Pavillons und eine archäologische Untersuchung des Baugrundes.

    Ab Dezember 2008 begleitete der ehemalige Eichstätter Diözesanbaumeister Karljosef Schattner den Architekten zunächst beratend, von März 2009 bis Mai 2010 übernahm er dann eigenverantwortlich die weitere Planung, zusammen mit dem Augsburger Büro Dischinger und Zierer (erneut Grundlagenermittlung bis Entwurfsplanung, außerdem Vorbereitung der Genehmigungsplanung). Zusätzlich zu den bereits vorgesehenen 470 Quadratmetern Nutzfläche im Erdgeschoss sahen die Architekten nun erstmals eine Unterkellerung des Wohnriegels und des Eingangstrakts mit zusammen weiteren rund 420 Quadratmetern Nutzfläche vor, was sich aufgrund des felsigen Baugrunds erheblich im Kostenrahmen niederschlagen musste, der nun förmlich explodierte: auf 17 Millionen €. Mit weiteren 150.000 € für Planungshonorare wurde eine erste Millionengrenze bereits überschritten – nur für Planungsleistungen!

    Im Mai 2010 übernahm dann das Büro des BDA-Präsidenten Michael Frielinghaus (BLFP Frielinghaus Architekten, Friedberg) die weitere Planung, das im Juni 2010 erste Skizzen vorlegte. Ab August 2010 plante BLFP eine vollständige Unterkellerung der Fläche zwischen den Gebäuden Domplatz 6 und 7 und das Unterfangen dieser beiden Gebäude, was zwangsläufig zu weiter steigenden Baukosten führen musste. Trotzdem wurden – nachdem der Bauantrag am 24. August 2010 gestellt und am 3. November 2010 ein Nachtrag eingereicht worden war – bei einer Pressekonferenz am 7. Dezember 2010 Baukosten von lediglich 5,5 Millionen € verkündet. Der Bischof, der den mit der Planung, Ausführung und Abrechnung des komplexen Bauwerks befassten Personen schon frühzeitig striktes Stillschweigen verordnet hatte, behauptete noch Ende Juni 2013, wider besseres Wissen, das Diözesane Zentrum St. Nikolaus habe insgesamt 9,85 Millionen € in Anspruch genommen – ein klarer Fall von bewusster Täuschung der Öffentlichkeit.

    Dabei hatten Um- und Erweiterungsplanungen im ersten Quartal 2011 schon am 24. März 2011 einen korrigierten Bauantrag („Tektur“) mit erneut erweitertem Raumprogramm zur Folge gehabt; für den Neubau waren nun rund 1.350 Quadratmeter geplant. Doch auch das war noch nicht das Ende der Planungsodyssee: Nach zahlreichen weiteren Planungsänderungen und einem weiteren Bauantragsnachtrag vom 6. Dezember 2012 ergab die fortgeschriebene Kostenberechnung der Architekten Gesamtkosten inklusive Ausstattung von fast 26 Millionen €. Inzwischen ist von Gesamtkosten in Höhe von rund 31 Millionen € die Rede – inklusive Folgekosten für die Beseitigung von Schäden an Fassaden benachbarter Gebäude und an unterirdischen Versorgungsleitungen könnten es schließlich auch rund 40 Millionen € werden. Die Vorläufige Kostenfeststellung der Architekten vom 27.9.2013 weist noch keine endgültigen Zahlen aus, sondern überwiegend lediglich Prognosezahlen (unter anderem für das Architektenhonorar: 2.116.420,88 €).

    […] Von dem für die realisierte Planung verantwortlichen Architekten Michael Frielinghaus wäre ebenfalls zu erwarten, zur Aufklärung der Planungsgeschichte und Baukostenmisere beizutragen. Für ein Gespräch mit dem „Baumeister“ war er bislang leider nicht bereit – der Präsidenten des BDA, der selbst ernannten Elite unter den deutschen Baumeistern, sollte jedoch mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Offenheit wagen!

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  4. Nicht nur im BAUMEISTER-BLOG fragt man sich „Wie steht es eigentlich um die Mitverantwortung der Architekten?“ resp. des Diözesanbaumeisters.

    Auch art – Das Kunstmagazin fragt: „… erklärt natürlich trotzdem noch nicht, warum dieses Gebäude so viel teurer wurde als geplant. Können wirklich die Sonderwünsche eines angeblich durchgedrehten Salon-Prälaten allein dafür verantwortlich sein, dass nun die Hälfte des Limburger Kirchenschatzes an Immobilien, Wertpapieren und Ländereien für die stolze Hütte an die Bank gegeben werden muss?“

    Welche Strukturen in Limburg haben die Situation überhaupt ermöglicht?

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  5. Pingback: Franz-Peter Tebartz van Elst 2.0 | ARCHBLOG

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