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P1030786„Wie war zu Köln es doch vordem …“

Die Kölner Schildergasse, eine der belebtesten Einkaufsmeilen Deutschlands, ist ein architektonisches Potpourri. Alles ist hier zu finden, alt neben neu, attraktiv neben schäbig, breit neben schmal, alle denkbaren Materialien sind vertreten, jede Art der Fensteranordnung, horizontal neben vertikal. Hier macht jeder was er will. Kein Gebäude scheint auf seinen Nachbarn einzugehen.

Zu diesem Sammelsurium trägt seit eineinhalb Jahren auch der neue, elegante Flagshipstore einer Optikerkette bei. Das 6geschossige in diesem Ambiente unkonventionelle Geschäftshaus, geplant von dem Frankfurter Büro Prof. Christoph Mäckler Architekten, fällt auf, wie es da mit seiner hellen, streng symmetrischen Natursteinfassade in seiner eigenen Schönheit schwelgt. Das Gebäude will definitiv nichts mit seiner Nachbarschaft zu tun haben.

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Fielmann

Die beiden Ladengeschosse besitzen schmale, hohe Schaufenster, die oberen Bürogeschosse weisen jeweils fünf Fenster zur Fußgängerzone auf. Der monumentale Eingang öffnet sich mittig mit einer Höhe von mehr als zwei Geschossen. Bekrönt wird die vertikal gegliederte Lochfassade von einer großen horizontalen Öffnung, hinter der sich das Staffelgeschoss verbirgt. Die beiden eingestellten Säulen unterstreichen die neoklassizistische Front.
Der Bau erinnert mich piktographisch an die klassizistische Architektursprache von Peter Speeth (1772-1831), der zu den wenigen deutschen Vertretern der sog. Revolutionsarchitektur gehört. Sein Gerichtsdienerhaus am Schneidturm in der Würzburger Turmgasse könnte als Vorbild gedient haben, weist es doch eine ähnliche, betont massiv-kubische Gestalt auf.

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Auch die Fassade des Kölner Geschäftshauses lässt sich durch eine solche stereotypische Ästhetik charakterisieren: kubisch, stereometrisch vereinfacht und ohne Dekor. Sie soll isoliert von ihrer Umgebung betrachtet werden und sich bewusst abgrenzen.
Diese Art der Gestaltung, monumental, wuchtig und repräsentativ, erfreut sich neuerdings im luxuriösen Eigentumswohnungsbau in den angesagten deutschen Großstädten großer Beliebtheit. Lange Zeit war die neoklasssizistische Architektursprache in Deutschland verpönt, weil sie immer noch ideologiebehaftet war.

 

Ein Kommentar zu “Ein Optiker

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