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Seil oder nicht Seil

Noch stehen sie: die Seilbahnstationen, eine am Deutschen Eck und ihr Pendant – die Bergstation – auf der anderen Seite des Rheins auf dem Ehrenbreitsteiner Festungsplateau. Im Tal schwebt luftig die bauchige High-Tech-Membrane der Baukonstruktion hinter der Apsis der mittelalterlichen Kastor-Kirche als zeitgenössische Landmarke. Sie wird auch wegen ihres skulpturalen Charakters als monumentales Kunstwerk im Außenbereich des benachbarten Ludwig Museums wahrgenommen.

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Architektur: Werner Sobek – Zeichnung: Bohr Nguyen, HS Koblenz

Die UNESCO fordert den Abbau der 2011 zur Bundesgartenschau installierten Seilbahn. Ein Weiterbetrieb dieses schadstoffarmen und effizienten urbanen Transportsystems sei nicht mit dem Welterbe-Status des Mittelrheins vereinbar. Auch der Denkmalschutz (ICOMOS) sieht die Blickachse auf die Basilika gestört. Ein Argument, das übrigens nicht wirklich zutrifft. Tatsächlich sind es vielmehr die hohen Bäume am Rheinufer, die von der Promenade aus die Kirche verdecken.

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Die Bäume verdecken St. Kastor

Es ist zu hoffen, dass die Forderung des UNESCO-Komitees nochmals überdacht wird. Dabei könnte Koblenz in Sachen umweltfreundlicher Elektromobilität eine Vorreiterrolle einnehmen.

Solange die emblematischen Stationen noch stehen, werden die Koblenzer Architekturstudenten eines der besten Beispiele moderner Architektur im Mittelrheintal zeichnen.

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Architekturstudenten/innen, 2. Semester Bachelorstudiengang

Hierzu auch:

Rhein-Zeitung v. 19.06.2013

ArchBlog v. 22.03.2010

ArchBlog v. 08.07.2010

 

4 Kommentare zu “Rhein-Seilbahn

  1. Ich hoffe, dass man das noch lange Zeichnen darf.
    Es gibt selten solch tolle Orte, wo moderne und klassische Architektur aufeinandertreffen ohne sich gegenseitige die Show zu stellen.

    Hier hat man ausnahmsweise in Koblenz mal die richtige Entscheidung getroffen.

    Ich hoffe die Denkmalpfleger verstehen etwas von Architektur, wenn Sie über die Seilbahn entscheiden.

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  2. Als skulpturales Kunstwerk würde ich die Talstation der Seilbahn nicht bezeichnen, eher als Zweckbauhülle die an eine Geisterbahn denken lässt. Die Architektur wurde im Hinblick auf die temporäre Nutzung angelegt. Was angesichts des besonderen Schutzstatus der Unesco verständlich war – dass 2014 der Rückbau erfolgt – verstehen jetzt offenbar weder Bürger noch Politiker. Letztere sind in gewisser Weise entschuldigt, weil hier eine berufsbedingte Amnesie obligatorisch und quasi Voraussetzung für einen erfolgreiche Karriere ist. Bei den Menschen in der Region überwiegt sicher der pragmatische Eindruck. Die Seilbahn ist schon praktisch und auch umweltfreundlich. Wenn eine Integration in den ÖPNV erfolgen und damit die Preisstruktur etwas bürgerfreundlicher würde, könnte man fast von einem Massenverkehrsmittel sprechen. Die Blickachsen sind übrigens trotzdem gestört, wie die veröffentlichten Fotos zeigen. Überall ragen die Türme der Kastorkirche hinter der Geisterbahn empor. Es wird spannend wie die Unesco auf die Erhaltungsbemühungen reagiert. Zunächst wird es wohl auf ein pacta sunt servanda hinauslaufen. Immerhin gibt es dank der Koblenzer Architekturstudenten neben vielen Fotos jetzt auch zeichnerische Dokumentationen des Intermezzos.

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  3. Die Koblenzer Seilbahnstationen des in der Fachwelt hochangesehenen Werner Sobek (http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Sobek) sind ebenso architektonische Highlights wie viele andere Seilbahnstationen der Fa. Doppelmayr auf der ganzen Welt, von denen wir mit unseren Architekturstudenten/innen schon einige besichtigt haben.

    Auf den studentischen Zeichnungen ist ersichtlich, dass über der Seilbahnstation die Türme der Kastorkirche sichtbar sind. Einige glauben, durch die Station sei die Blickachse gestört. In Wahrheit hat man vor dem Bau der Talstation die Kirche überhaupt nicht sehen können, da sie vollständig von Bäumen verdeckt war, die mittlerweile gefällt worden sind. Ich weiß wovon ich spreche, weil wir früher vergeblich versucht haben, die Apsis der Basilika von der Rheinpromenade aus zu zeichnen. Dies ist wegen der Abdeckung durch die Bäume immer nur vom Blumenhof aus möglich gewesen.

    Natürlich wäre es zu begrüßen, wenn die Ticketpeise der Seilbahn etwas moderater wären…

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  4. Pingback: Müssen Architekten noch zeichnen können? | ARCH BLOG

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