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IMG_0170Im Bau: NS-Dokumentationszentrum

Less is a bore (Robert Venturi)

Voraussichtlich 2014 soll das NS-Dokumentationszentrum in München eröffnet werden. Der Neubau wird an der Ostseite des Königsplatzes realisiert, wo einst die NSDAP-Parteizentrale – das sog. Braune Haus – in der Brienner Straße stand.

Und wieder haben wir es bei diesem Neubau der Berliner Architekten Georg Scheel Wetzel Architekten mit einem der kubischen Ausstellungsbauten zu tun, die in letzter Zeit fast überall entstehen und bereits stark kritisiert werden:

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Bauzaun-Rendering

„Neue Kisten kriegt das Land.“ klagt der Journalist Dieter Bartetzko in der FAZ. „Museumsarchitektur wird mehr und mehr zum Würfelspiel“.

„Eine Katastrophe! Das ist ja wohl das hässlichste Gebäude Münchens. Diese banale Kiste da! Wie konnte so was passieren!?“ schimpft der Münchener Architekt Stephan Braunfels in der Müncher Abendzeitung und meint den Anbau des Lenbachhauses in der Luisenstraße an der Westseite des Königsplatzes.

Zwei Kritiken von vielen, die sich gegen die wie Pilze aus dem Boden schießenden kubischen Museums- bzw. Ausstellungsbauten richten. In meinem Blogpost „Zeitgenössische Ikonographie“ habe ich noch versucht zu erklären, warum man als Architekt durchaus zu dieser Kubus-Form finden kann und die Form abhängig vom Code der Betrachtung ist.

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Bauzaun-Rendering

Wenn aber diese prägnante Gestalt als Fetisch unartikuliert banalisiert wird, wie hier in der Peripherie des Königsplatzes, dann vernachlässigt die Architekturgestalt ihre städtebauliche Funktion. Und wenn man voraussetzt, dass ein Gebäude als Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus eine Aussage treffen muss, empfinde ich das Gebäude durch die Überbetonung der plastischen Einfachheit an dieser Stelle als autistisch.

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Bauzaun-Rendering: Würfel aus Weißbeton

5 Kommentare zu “NS-Dokumentationszentrum München

  1. Pingback: Das neue Ägyptische Museum in München | ARCHBLOG

  2. Erschütternd! Man hat den Nazi-Bauten am Königsplatz nicht mehr entgegenzusetzen als Millionen von Kubikmetern Beton, die alles überragen? Dieser Gigantismus und Brutalismus ist gerade hinsichtlich der Bedeutung des Platzes und der Vorgeschichte beschämend. Größe allein macht eben kein gutes Gewissen oder schafft würdige Räume der Erinnerung. Sie ersetzt auch keine Ideen. Durch pure Masse soll hier ein weithin sichtbares Zeichen gesetzt werden – ohne Rücksicht auf die Umgebung. Wollte man hier Hitlers Architekten mit ihren eigenen Waffen schlagen?

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  3. Am 30.04.15 schreibt Sven Felix Kellerhoff in der Tageszeitung Die Welt:
    „Dabei ist das Gebäude mit sieben Stockwerken auf einer Grundfläche, die etwa der des 1931 von der NSDAP erworbenen Palais Barlow entspricht, wahrlich nicht klein. Aber der Entwurf der Berliner Architekten Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wetzel erweist sich, den Vorschusslorbeeren zum Trotz, als denkbar ungeeignet für eine Ausstellung.
    In gleich mehreren Stockwerken mussten die Ausstellungsgestalter Fotowände oder Projektionsflächen vor Fenstern anbringen, um überhaupt genügend Platz für die notwendigen Inhalte zu bekommen. Große Teile des Baus haben, ohne Fenster und mit Wänden aus Sichtbeton, den Charakter eines Bunkers.
    Auch das oft beschworene Konzept, Ausblicke auf historische Relikte des einstigen NS-Parteiviertels rund um den Königsplatz zu gewähren, erweist sich als höchstens gut gemeint. Denn fast fensterbreite Betonpilaster verdecken mehr, als die dazwischenliegenden Glasflächen etwa vom „Führerbau“ an der Arcisstraße oder vom Rest des nördlichen „Ehrentempels“ für die Toten des Hitler-Putsches 1923 erkennen lassen.
    Die misslungene Struktur zeigt sich auch an Servicebereichen, die für Ausstellungsgebäude wichtig sind: Das Café liegt, fensterlos und wenig einladend, im zweiten Untergeschoss, der Museumsshop, der neben dem Katalog und einem Kurzführer viele gute Bücher zur NS-Geschichte Münchens bereithält, in der buchstäblich hintersten Ecke des Erdgeschosses. Mit nennenswertem Besuch braucht man dort nicht zu rechnen.
    Natürlich kann das Team um Nerdinger nichts für die verunglückte Architektur, die Ergebnis eines Wettbewerbs ist.“

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  4. Pingback: Neue Kiste für Köln | ARCH BLOG

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