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© epdBei den vielfach ungeliebten Kirchen der 1960er Jahre handelt es sich auch um wichtige Zeugnisse unserer Baukultur. Hier die Kapernaumkirche in Hamburg-Horn © epd

Glaube und Raum

„Nachmieter Allah“ titelt die FAZ in ihrer heutigen Ausgabe und meint damit die Kapernaumkirche in Hamburg-Horn, die zur Moschee umgebaut werden soll.

Der 1961 von dem Architekten Otto Kindt errichtete Backsteinbau wurde 2002 entwidmet und 2005 von der evangelischen Kirche verkauft. Im letzten Jahr hat die islamische Al-Nour-Gemeinde den denkmalgeschützten Kirchenbau vom neuen Besitzer erworben, um die ehemalige evangelisch-lutherische Kirche zur Moschee umzunutzen.

Im Nachkriegsdeutschland wurden seinerzeit aus heutiger Sicht viel zu viele Kirchen gebaut, die heute – wegen der nicht aufzuhaltenden Abnahme an Mitgliedern und demzufolge Kirchensteuereinnahmen – nicht mehr gebraucht bzw. nicht mehr finanziert werden können. Es ist mit einer Anzahl von Kirchen-Stilllegungen zu rechnen, wie in der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Bisher hieß es von Seiten der Kirchen, dass „wegen der Symbolwirkung“ die religiös-kultische Nutzung eines Kirchengebäudes durch nicht-christliche Religionsgemeinschaften nicht gestattet werde. Denn auch ein nicht mehr als Gotteshaus genutztes Kirchengebäude werde konnotativ dennoch als Kirche wahrgenommen. Obwohl der Islam als monotheistische, abrahamitische Religion dem Christentum nicht allzu fern steht, war bisher eine „Kathedrale für Allah“ für die Institution Kirche nicht vorstellbar.

Soweit die Theorie. In der Praxis jedoch lässt sich beobachten, dass Bistümer und Landeskirchen mit ihren Kirchenbauten – sind sie erst einmal profaniert – oft recht pragmatisch umgehen. Kirchen werden vielfältig umgenutzt, oft auch in nicht adäquater Art und Weise für den Kommerz als Buchläden, Gastronomiebetriebe, Hotels, Discotheken, etc. Da erscheint die Nutzung als Moschee als das kleinere Übel, zumal der denkmalgeschützte Außenbau nicht angetastet werden soll. Da hilft kein Lamentieren. Es lässt sich nicht mehr rückgängig machen: Der Entchristlichung der Gesellschaft in Europa folgt eben die Entkirchlichung unserer Städte und Dörfer.

Mehr:

https://herrmanns.wordpress.com/2012/06/19/christliche-kirche-wird-muslimisches-gebetshaus/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/02/08/buchtipp/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/12/26/kirchenbau-3/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/06/22/kirchenbau/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/04/08/sakralbau-2/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/04/06/moderner-kirchenbau/

2 Kommentare zu “Marode Moderne

  1. Pingback: Der Schriftzug Allah ersetzt das goldene Kreuz | ARCH BLOG

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