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A Bigger Splash Picture   P1190657    

Solche Gemälde wie man sie z. Zt. in der aktuellen Hockney-Ausstellung „A Bigger Picture“ im Kölner Museum Ludwig zu sehen bekommt, hätte man eher bei den Expressionisten und deren Vorläufern erwartet. Die Künstler der KG Brücke, die Fauves mit Matisse und auch van Gogh und Gauguin lassen in nahezu jedem seiner Bilder grüßen. Denn genau wie seine berühmten Vorgänger hat David Hockney auf naturalistische Farben und exakte perspektivische Darstellung verzichtet. Und so springen einen die zum Teil riesengroßen Bilder mit ihren geradezu psychodelischen Farben in der Ausstellung geradezu an. Mit giftgrünen, knallgelben und gern auch pink-violetten wilden, kurzen Pinselstrichen lässt der Künstler Landschaften explodieren. Gerade der Komplementärkontrast von Gelb und Violett, den bereits van Gogh in seinem Bild „Der Sämann vor untergehender Sonne“ (1888) als Farbkomposition verwandt hat, findet sich bei Hockneys ausgestellten Werken immer wieder. Auch der Einfluss des „wilden“ Paul Gauguin mit seinem Bild L´invocation auf  Hockneys „Winter Timber“ lässt sich nicht leugnen.

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© David Hockney „Winter Timber“, 2009

Hockney, berühmt durch seine kalifornischen Swimmingpool-Bilder in den 1960er Jahren, hatte sich auf seine alten Tage ab 2006 noch einmal in seiner englischen Heimat umgesehen und die dortige Landschaft in East Yorkshire als Thema erwählt. Die Motive selbst kommen eher konservativ daher: Bäume, Büsche, Wald- und Feldwege, Baumstapel, Vegetation im Wechsel der Jahreszeiten. Entstanden sind diese Landschaftsbilder für eine Ausstellung in der Royal Academy of Arts in London. Für die Ausstellungsflächen dieses Hauses hat Hockney einzelne kleine Leinwände zu riesigen Bildformaten zusammengesetzt. Das Ergebnis: Die Ausstellung „A bigger Picture“ eben, in Anlehnung an sein berühmtes Bild „A bigger splash“ mit dem Bildformat 244 x 244 cm. Sein größtes Landschaftsbild „Bigger Trees near Warter“ weist die Maße 460 x 1220 cm auf und besteht aus 50 einzelnen Leinwänden von 90 x 120 cm.

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 © David Hockney  „A Closer Winter Tunnel, Februar – March“, 2006

Einen großen Teil der Ausstellung nehmen auch Hockneys Zeichnungen und Skizzen ein, die nicht nur seinen Skizzenbüchern entnommen sind, sondern zum Teil auch mit Hilfe einer Zeichen-App auf dem I-Pad. Wobei man auch sagen könnte, dass Hockney seine Bilder mit dem Pinsel gezeichnet hat. Seine Objektwelt hat zunächst eine Kontur enthalten, bevor sie farbig angelegt wurde. Überhaupt ist für Hockney die Zeichnung offensichtlich von großer Wichtigkeit. Mithilfe seiner Zeichnungen beobachtet er die Umwelt. Zeichnungen sind Studien „to get to know the facts“. Zeichnen ist ein Akt der Erfassung dessen, was man zwar kennt, aber noch nicht wirklich kannte, bevor man es gezeichnet hat.

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© David Hockney „Woldgate Woods, 21, 23 & 29 November 2006“

„Jeder Blick auf das Vorbild, jede vom Auge nachgezogene Linie wird zum vorübergehenden Bestandteil einer Erinnerung, und diese Erinnerung ist es, der die Hand auf dem Papier das Gesetz ihrer Bewegung entlehnt. Es kommt zur Umformung der visuellen Linienführung in eine manuelle. Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem bloßen Sehen einer Sache und dem Sehen, während man sie zeichnet. Es handelt sich um das gewollte Sehen, welches im Zeichnen Mittel und Zweck erblickt.“ (Paul Valéry, Dichter/Essayist)

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4 Kommentare zu “David Hockney in Köln

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