Home

P1180163

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

„Eine Katastrophe! Das ist ja wohl das hässlichste Gebäude Münchens. Diese banale, billige Goldbronzekiste da! Wie konnte so was passieren!? Man hat das Gefühl, Foster hat sich keine Sekunde mit diesem Projekt beschäftigt. Da muss man wieder sagen, das ist der Fluch dieser europäischen Vergabeverfahren. Es gab keinen Wettbewerb für dieses Projekt. Foster hat es im Vergabeverfahren bekommen: nicht aufgrund des besten Entwurfs, sondern aufgrund seines erfolgreichen Werkes.“

P1180197

So drastisch äußert sich nicht nur der Münchener Architekt Stephan Braunfels in der Münchener Abendzeitung v. 30.09.12 zu Anbau und Modernisierung des Lenbachhauses und irgendwie scheint er recht zu haben.

P1180166

Worum geht es? Das Lenbachhaus, das Sammlungsikonen der expressionistischen Malervereinigung „Blauer Reiter“ beherbergt, wird zur Zeit umgebaut. Die Wiedereröffnung ist für Mai 2013 geplant. Dieser Lenbachchen Villa (1887 – 1891) liegt eine vielschichtige Baugeschichte zugrunde: 1926 wurde das zunächst L-förmige Wohngebäude im Stil der italienischen Renaissance erweitert und zur Städtischen Galerie. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 in München wurde ein Anbau an der Südwestecke der Villa errichtet.

P1180194

Blechfassade ohne Anmutungsqualität

Die Aufgabe für die Architekten Foster & Partner war die Generalsanierung und Erweiterung des Gebäudes sowie die Optimierung der technischen und musealen Erfordernisse in dem maroden Ausstellungsbau.

P1180190

Außerdem musste die Zugänglichkeit verbessert werden, denn das Gebäude, ursprünglich als Privathaus konzipiert, zählt heute über 200.000 Besucher und mehr im Jahresdurchschnitt. Die Architekten haben die Haupterschließung verlegt, womit sie den Besuchern entgegenkommen, die von der U-Bahnstation oder vom Königsplatz kommen. Damit wird das Museum nicht mehr, wie bisher, über den idyllischen Garten betreten, sondern von der Brienner Straße. Dort befindet sich nunmehr ein neuer mit einer goldbronzefarbenen Fassade verkleideter Kubus mit der neuen Eingangshalle, an der Museumsladen, Café/Restaurant sowie ein Vortragssaal anschließen, die auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums zugänglich bleiben sollen.

P1180193

Minimierung der sinnlichen Anschauung

Kaum nachvollziehbar ist, das Foster & Partner, hoch gelobt für ihre Hightech-Bauten, den Museumsanbau mit einer goldfarbenen Metallmembrane versehen haben. Die goldige Verkleidung wirkt wie eine Dependance von Phantasialand oder wie eine billige Kulisse, ohne Sensibilität für die Materialität des Ortes und den stadträumlichen Kontext.

P1180195

In der äußeren Darstellung formal reduziert, in Materialwahl und textueller Bearbeitung der Oberflächenstruktur wenig anspruchsvoll.

Dies erscheint umso verwerflicher, als sich das Lehnbachhaus in unmittelbarer Nachbarschaft des Königsplatzes befindet, jenes Platzes, der mit seinen herrlichen klassizistischen Museumsbauten von Leo von Klenze, nämlich der Glyptothek, der Antikensammlung sowie der monumentalen Architektur der Propyläen, zu den schönsten Deutschlands zählt.

P1180170

Die formalästhetische Aussage verwirrt. Schließlich setzen Präsentation und Wahrnehmung auch in der Architektur eine kodifizierte Sprache voraus.

P1180198

Es fehlen die assoziativen und imaginativen Faktoren des architektonischen Ausdrucks.

Was wollen die Architekten uns damit sagen?

4 Kommentare zu “München: Lenbachhaus

  1. Pingback: ARCHBLOG

  2. Pingback: Neue Kiste für Köln | ARCH BLOG

  3. Pingback: So schön ist M nicht | ARCH BLOG

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s