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Repeat-Flagshipstore im renovierten 50er Jahre Bau

Es ist eines der schönsten Objekte der Architektur der 50er Jahre in Frankfurt/M., das nach seiner Sanierung seit kurzem wieder in alter Schönheit glänzt. Der zweigeschossige Rundbau mit seinem auskragenden Flachdach repräsentiert die gesellschaftliche Befindlichkeit seiner Zeit: Eleganz, Offenheit und das temperamentvolle Lebensgefühl der Nachkriegsjahre ohne pathetische Architekturformen.

Da heute allerorten der Abriss auch von architektonisch bedeutenden Gebäuden aus diesen Jahren vorangetrieben wird, ist die Unterschutzstellung des auffällig schwungvollen Rundbaus in der Frankfurter City sehr zu begrüßen. Die erfolgreiche Sanierungsmaßnahme des seit 2000 denkmalgeschützten Objektes fand kürzlich ihren Abschluss. Nun ist in der ehemaligen Victoria Apotheke in der Großen Bockenheimer Straße 10 die Filiale eines internationalen Modeunternehmens untergebracht.

Verkaufspavillon von exquisiter Schlichtheit, Foto: Andreas Praefcke

Nebenbei bemerkt: Ursprünglich – im Jahre 1956 – hatte der Architekt W. Romberger das Objekt für ein Obstgeschäft geplant und im oberen Stockwerk sollte eine Fruchtsaftbar untergebracht werden. Doch schon während des Baus gab es eine Nutzungsänderung, die eben der Dynamik der Zeit geschuldet war.

Die Sanierung erfolgte hauptsächlich unter Wiederverwendung der vorhandenen Materialien. So sind alle Scheiben des Objektes, das vor allem durch seine großzügig gestaltete Fensterfront besticht, sowie die verglasten Eingangstüren original erhalten geblieben. Und das, obwohl es sich hierbei um die für die damalige Zeit übliche Einfachverglasung mit den zeittypischen goldeloxierten Rahmungen handelt. Dafür sind Dach und Kellerboden neu gedämmt und tragen mit zur Kompensation des durch die Einfachverglasung entstehenden Wärmeverlustes bei. Schön ist auch, dass keines der Schaufenster in irgendeiner Weise abgedeckt ist, so dass der Laden von allen Seiten mit Tageslicht durchflutet wird.

Diese 50er Jahre Architektur ist ein Magnet. – Der Bau besitzt gleichzeitig Eleganz und Anmut.

Zwischen den Fensterfronten des Erdgeschosses und der oberen Etage verläuft dezent ein dreidimensionales Leuchtband. Während hierauf früher in Großbuchstaben „VIKTORIA APOTHEKE“ zu lesen war, ist nunmehr der Schriftzug des neuen Mieters „REPEAT“ respektvoll zurückhaltend angebracht. Erneuert wurden u. a. auch die schwarz durchgefärbten Glasplatten, die im unteren Bereich wie ein Fries um den Kopfteil des Gebäudes entlang laufen. Mit der Sanierung (Bezzenberger Gewerbliche Architekten GmbH) ist der Originalzustand wieder hergestellt worden, wie Dr. S. Timpe, Abteilungsleiter des Frankfurter Denkmalamtes versicherte. Auch bei der Inneneinrichtung mit italienischem Marmor und dunkel gebeiztem Eichenholz wurde nicht gespart. Qualität und Aussage des Gebäudes sind adäquat herausgearbeitet worden. Solche Maßnahmen können zum Verständnis der Architektur der 1950er Jahre beitragen.

Während in Frankfurt die repräsentativ runde Schaufensteranlage wieder die Kundschaft lockt, ist der 1950er Jahre Pavillon in Koblenz (siehe ArchBlog v. 27.01.2012) durch Mangel an Zuwendung weiterhin sehr gefährdet.

3 Kommentare zu “Umgang mit historischer Bausubstanz

  1. Ein weiteres ähnlich schönes denkmalgeschütztes Objekt der 50er Jahre mit einer großzügigen Fensterfassade ist – wie fb-Freundin Marietta Andreas mir gepostet hat – ein ehemaliger Kiosk im Zentrum Frankfurts: die „Heimat“ (http://www.heimat-frankfurt.com/).
    Ein bisschen soll man sich wie die „Nachtschwärmer“ (Nighthawks) im gleichnamigen Gemälde des amerikanischen Künstlers Edward Hopper fühlen. Denn wenn man innen sitzt, kann man ungehindert nach draußen gucken, aber auch umgekehrt: von draußen blickt man ungehindert in das Lokal. Der unverstellte Blick gehört quasi zum architektonischen Konzept.

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  2. Pingback: Kölner Oper und Schauspielhaus | ARCHBLOG

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