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Treppenhaus im privaten Wohnhaus von Victor Horta, das von einer Buntglaskuppel überspannt ist. Die Wände sind von goldfarbenen Linien durchzogen und erinnern an Blumenbündel. Auch die Handläufe winden sich wie verschlungene Triebe eines Baumes über marmorne Stufen empor.

Kann denn Ornament Sünde sein?

Für Adolf Loos (1861 – 1947) war das Ornament ein Verbrechen, sein belgischer Architektenkollege Victor Horta (1870 – 1933) jedoch wendete die Aussage: Ornament ist ein Versprechen – für schöneres Wohnen. In der Jugendstilarchitektur sollte eine übergroße Fülle höchst differenzierter Details programmatisch werden für eine neue anspruchsvolle Architektur.

Auf unserer Studien-Exkursion in Brüssel Anfang Oktober haben wir uns mit Art Nouveau Architektur beschäftigt. Im Vergleich zu Funktionalität und Pragmatismus der Klassischen Moderne, die uns Architekten mit ihrem Diktum „form follows function“ bis zum heutigen Tag im Nacken sitzt, begeistert die Architektur des Jugendstils durch Phantasie und Opulenz.

Hôtel Hannon

In Brüssel kann man eine Vielzahl wunderschöner Art Noveau Bauten entdecken: im Zentrum, in den Stadtvierteln St Gilles, Ixelles, Marolles, Schaerbeek und im Viertel der Squares und des Cinquantenaire. So zum Beispiel das große Stadthaus Hôtel Hannon. Gebaut wurde es 1903 von Jules Brunfaut für Edouard Hannon, einem Bewunderer der französischen Art Nouveau. Es gehört zu den schönsten Jugendstil-Häusern in Brüssel. Die mit Klinkern verblendete Hausfassade, in die Bänder aus Werkstein eingefügt sind, ist konvex und konkav geschwungen. Gestaltende Reliefs und das große Bogenfenster mit seinen Peitschenschlag-Linien sind die herausragenden Merkmale dieses Eckhauses.

Stadthaus Deprez-Vandervelde

Vorbild für diesen Bau war die Architektur von Victor Horta. Von ihm stammt u. a. das Stadthaus Deprez-Vandervelde im Brüsseler Stadtviertel der Squares. Hier der seitliche Eingang des Übereck stehenden Hôtel Deprez-Vandervelde mit seinen reliefierten Fassaden-Details, ganz frei von jeglicher Stereotypie.


Maison Saint Cyr

Überhaupt lassen sich in diesem Viertel wahre Glanzstücke des Jugendstils bewundern. Darunter auch das von Victor Horta entworfene herrschaftliche Haus des Diplomaten Edmond van Eetvelde oder das schmale Maison Saint Cyr, gebaut von dem Jugendstilarchitekten Gustave Strauven. Die mit eisernen Geländegittern und verschnörkelten Fenstersprossen opulent gestaltete Fassade des extravaganten Wohnhauses steht neuerdings frisch renoviert in altem Glanz. Die verspielte Bekrönung sollte ursprünglich so hoch und filigran wie der Eiffelturm die schmale Fassade bekrönen.


Maison van Dyck 

Das Haus van Dyck aus dem Jahr 1901, ebenfalls von Gustave Strauven errichtet, liegt ganz in der Nähe. Die asymmetrische Fassade weist schmiedeeiserne Gitter und floral-gotisierende Bauformen auf.

Alle Skizzen von den Teilnehmern der Exkursion

Im Laufe des Semesters werden wir weiter versuchen, die Sprache des Jugendstils mit seiner virtuosen Metrik und seiner in Wahrheit strengen formalen Ordnung zu analysieren.

Hier mehr:

Reliefierte Fassaden aus Eisen, Glas und Stein

Schönheit in der Architektur

Eiserne Blumen, steinerne Schnörkel

2 Kommentare zu “Brüssel-Exkursion 2012_2

  1. Pingback: Brüssel-Exkursion 2012_3 | ARCHBLOG

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