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DIE VERZAUBERTE LANDSCHAFT

„Im Claude Lorrain erklärt sich die Natur für ewig. Seine Bilder haben die höchste Wahrheit, aber keine Spur von Wirklichkeit“, so urteilt Johann Wolfgang von Goethe über Claude Lorrain (1600–82), den französischen Maler des Barock, der eine ganz eigene romantische Art der klassizistischen Landschaftsmalerei entwickelt, die „Ideallandschaft“. Sein Oeuvre umfasst rund 250 Gemälde, 1.200 Zeichnungen und 44 Druckgrafiken. 130 Werke sind z. Zt. in Frankfurt zu sehen. Grund genug für mich und eine Gruppe von 60 Studierenden den Samstag im Frankfurter Städel zu verbringen.

Motive für seine arkadischen Landschaften in lyrisch-romantischem Stil findet Lorrain in der ländlichen Umgebung Roms. Vor ihm ist die Landschaftsmalerei eine wenig anerkannte Gattung. Lorrain jedoch wird schon zu Lebzeiten hoch geschätzt. Seine Werke üben nicht nur einen prägenden Einfluss auf Maler wie William Turner aus, sondern vor allem auf die englische Gartenkunst. Die Landschaftsgestalter nehmen seine Gemälde als Vorbilder und legen Gärten in Lorrains Manier an, wie z. B. der Englische Garten in München. Während also Lorrain die Realität in seinen Gemälden auf seine Art und Weise idealisiert und überhöht, so besteht der Ehrgeiz der Gartenarchitekten darin, die Wirklichkeit in ein Gemälde von Lorrain zu verwandeln.

Lorrain verfolgt in seiner Kunst eine Kompositionsweise von „Thema und Variation“. Er setzt seine Kompositionen aus Modulen zusammen, die sich in immer neuen Varianten wiederholen.

Eine Besonderheit seines Schaffens ist das Komponieren mit Pendants: Er entwickelt ein eigenes künstlerisches Gestaltungsmittel, nämlich Bildpaare, die gewisse kompositorische Entsprechungen oder Gegensätze aufweisen. So werden z. B. eine idyllische Landschaft und eine Meeresansicht oder eine morgendliche und eine abendliche Szene gegenüber gestellt.

„Küstenansicht“, 1633

„Urteil des Paris“, 1633

Dieses Konzept von Pendants wird in der Ausstellung im Städel anhand von zahlreichen Beispielen wie „Küstenansicht“ und „Landschaft mit dem Urteil des Paris“, „Landschaft mit Christus, der Maria Magdalena erscheint “ und „Landschaft mit der Taufe des Kämmerers“ sowie „Landschaft mit Ascanius, der den Hirsch der Silva erlegt“ und „Ansicht von Karthago mit Dido und Aeneas“ schön verdeutlicht.

„Landschaft mit Christus, der Maria Magdalena erscheint“ (Noli me tangere), 1681

„Landschaft mit der Taufe des Kämmerers“, 1678

„Landschaft mit Ascanius“, 1682

„Ansicht von Karthago mit Dido und Aeneas“, 1675/76

Die Raumtiefe in seinen Gemälden stellt Lorrain übrigens mit der sog. Repoussoir-Technik her. Mit Hilfe von Architekturstaffagen wird der Blick des Betrachters in die Tiefe gezogen. Die Architektur selbst erinnert an ein Bühnenbild, ist inszeniert, dient als Requisite, was den Architekten wieder besonders interessiert.

Ein Kommentar zu “CLAUDE LORRAIN

  1. Die Kunstausstellung von Lorrain hat bei mir im wahrsten Sinne des Wortes den Eindruck einer verzauberten Landschaft hinterlassen. Wenn ich Lorrains Kunst beschreiben müsste, so fallen mir folgende Stichpunkte ein:
    Ideallandschaft, Sonnenaufgang und Abenddämmerung (Pendants!), Küstenansicht, Inszenierung (griech. Mythologien, Bibel), Rahmenarchitektur und der Naturrahmen.

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