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R.I.P.

Gestern ist im Alter von 87 Jahren „Karljosef Schattner – ein Architekt aus Eichstätt“ verstorben. Er hatte bedeutende Vorgänger, so etwa Gabriel de Gabrieli, der in der Zeit von 1714 – 1747 die von den Brandschatzungen des Dreißigjährigen Krieges schwer gezeichnete Residenzstadt im barocken Stil wiederaufbaute. Nach Gabrieli und dem kongenialen Maurzio Pedetti, der als Hofbaudirektor bis 1799 wirkte, hat Schattner ab 1957 die Baukultur im Altmühltal mit schönen Ideen subventioniert.

Eichstätt – diese bayerische Barockstadt – war Schattners Wirkungsstätte als Diözesanbaumeister, die er zur Inkunabel des Bauens im Bestand gemacht hat. Schwerpunkt seines Schaffens von 1983 an war das Bauen im historischen Kontext. Ähnlich radikal und einfühlsam wie Carlo Scarpa alte Bausubstanz zeitgemäß ergänzte, fügte Schattner das Neue zum Alten, nicht als nostalgische, historisierende Stiladaption oder eklektizistische Rekonstruktion, sondern in einer zeitgemäßen modernen Architektursprache.

Schattners eigenwilliges Wirken als Baudirektor in Eichstätt ist, wenn auch erst spät, mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt worden. Dennoch war Eichstätt nicht die Idylle wie man glauben könnte. Auch mit dem biedermeierlichen Amtstitel eines Diözesanbaumeisters ausgestattet musste Schattner seine Architekturvorstellungen hart erkämpfen wie er mir bei einem Besuch vor 25 Jahren im Diözesanbauamt des katholischen Bistums Eichstätt gestand.

Vielen ArchitekturstudentenInnen sind die Um-, An-, Ein- und Neubauten in der oberbayerischen Universitätsidylle als Vorbilder bestens bekannt: Dom, Pfarrkirchen, Universitäts-und Residenzbauten, Museums- und Bibliotheksbauten. Sie alle sind mit ihren außergewöhnlich feinen Details auf unseren Exkursionen zeichnerisch festgehalten worden.

Heute befasst sich jedes zweite Bauprojekt mit der Erhaltung und Nutzung des Altbestands. Besonders spannend und anspruchsvoll wird die Aufgabe, wenn historische Gebäude als Zeugnisse der Geschichte bewahrt werden sollen. Schattner hat durch sein Werk uns Architekten bereits vor Jahrzehnten gezeigt, wie wichtig der rücksichtsvolle Umgang mit der historischen Bausubstanz  ist. Ist sie es doch, die unseren Stadtlandschaften ein unverwechselbares Gesicht gibt und Identität schafft. Prof. Schattners Synthese zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist aktuell und zukunftsweisend geblieben.

(Übrigens: Das abgebildete Buch von dem Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt ist im Hatje Cantz Verlag erschienen.)

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