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„The building had to be green and sustainable …” (Renzo Piano)

Das neue Feldbahn-Museum

Einst aus einem pädagogisch-didaktischen Impuls heraus entstanden dienen Museen heute der Unterhaltung. Ob Kunstmuseen, Wein-, Kaffee- oder Stuhlmuseen – idealerweise sollte ein Museum auch mittels seiner Architektur Staunen und Unterhaltung vermitteln, ähnlich wie die ersten Renaissance-Museen. In ihrer Konkurrenzsituation zu anderen Formen der Unterhaltung orientieren sich Museen an Freizeitparks. Mit Edutainment lässt sich das am besten beschreiben.

Ein Museum für Feldbahn-Lokomotiven zu konzipieren war das Thema der letzten Master-Thesis. Das zu beplanende Areal befindet sich im Guldenbachtal, in der Nähe von Bad Kreuznach, und war früher eine Formsandgrube mit Feldbahnbetrieb. Zwei Loks aus der Formsandgrube waren noch vorhanden gewesen als 1985 der Eigentümer mit dem Sammeln weiterer Lokomotiven begann. Im Jahr 2000 wurde eine 6-gleisige Halle zum Unterstellen der nunmehr über 40 Exponate mit entsprechendem Gleisvorfeld und einer mehrere Kilometer langen Gleisstrecke errichtet.

Aufgabe war, einen Museumspark mit einem freiraumplanerischen und architektonischen Gesamtkonzept zu entwickeln, wozu auch die Optimierung und Ergänzung der bestehenden Lokhalle gehört. Mit diesen neuen Maßnahmen soll der z. Zt. provisorische Charakter des Gesamtareals mit teilweise unschönem Erscheinungsbild gemildert und damit der Anlage ein gestalterisch und ästhetisch hochwertigerer Charakter verliehen werden.

Der Student Thanh Hung Nguyen hat einen Museumspark für Feldbahnen mit Erlebnischarakter inszeniert. Seine Idee klingt einfach: Aus der landschaftlichen Bodenerhebung wurden Formen heraus gestanzt, einige Meter angehoben und unter das Grün wurde das „Schaulager“ für die Loks geschoben. Der Bestand in Form eines Standardschuppens wurde integriert wie überhaupt der gesamte Museumskomplex sich buchstäblich der Landschaft unterordnet.

Die bullaugenförmigen Luken im Dach sorgen für die natürliche Belüftung, Belichtung und den sicheren Rauchabzug der Lokomotiven im Inneren des Feldbahn-Museums. Das Regenwasser wird wiederverwendet, um das im Baldachindach eingepflanzte Grün zu versorgen. Die Erweiterung wurde quasi aus dem Hang gestanzt und funktional an die vorhandene Lokhalle angeschlossen. Der gesamte Museumsbereich liegt unter einem Gründach, d. h. 50% des Grüns sind an der Unterseite der Museumsdecke angebracht, was an die murs végétaux (Pflanzenwände) von Patrick Blanc erinnert. Man könnte auch sagen, das Museum atmet.

Der Entwurf von Thanh Hung Nguyen (FH Koblenz) für das Feldbahnmuseum wirkt wie selbstverständlich, indem er die Morphologie des Bestands aufnimmt und sinnvoll ergänzt. Der Genius Loci wird durch die Architektur neu determiniert, aber nicht selbstreferentiell, sondern höchst kontextuell. Die Attraktivität des Ortes kann durch diesen Vorschlag signifikant gesteigert werden. Dabei wird die vorhandene Identität bewahrt und gleichzeitig eine neue geschaffen.

Drehscheibe

Werkstatt

Eingangsbereich

Haltestelle

Grundrissdisposition

Lageplan

2 Kommentare zu “Gebaute Landschaft

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