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„In the future everyone will be world-famous for 15 minutes“ (Andy Warhol)

EX-RINGEYE (1984) Warhol, Basquiat, Clemente

Supermänner

Morgen wird sie in der Bundeskunsthalle eröffnet die Ausstellung: „Ménage à trois – Warhol, Basquiat, Clemente“.

Ménage à trois bezeichnet die künstlerische Dreiecksbeziehung zwischen drei namhaften Künstlern der 1980er Jahre. Andy Warhol und seine beiden jugendlichen Künstlerfreunde Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente haben in der Zeit von 1983 bis 1985 in New York eng und intensiv zusammen gearbeitet, wobei ca. 130 Kunstwerke entstanden sind. Diese legendären, sog. Collaborations werden ab morgen in der Bonner  Bundeskunsthalle dem Publikum gezeigt.

Alba´s Breakfast (1984) Warhol, Basquiat, Clemente

Der raffinierte Alltagsklischee-Realismus von Warhol, die rauschhafte figurative Malerei von Basquiat und die idiosynkratischen Bilder von Clemente finden sich in gemeinsamen Werken wieder. Sie sind mehr als Pop-Art.

Gemeinschaftliche Kunstwerke mehrerer Künstler widersprechen im Grunde genommen dem Begriff der künstlerischen Individualität. Hier jedoch beziehen die Bilder ihre Spannung aus den konträren künstlerischen Ausdrucksweisen, ohne letztlich die Autorenschaft des einzelnen Künstlers zu leugnen.

„I’ll draw on yours if you draw on mine“ bot Andy Warhol als der älteste und bekannteste der drei Künstler seinen beiden jüngeren Kollegen an. „One’s a company, two’s a crowd, three’s a party.“

Third Eye (1985) Warhol, Basquiat

Die Intention, die Andy Warhols Kunstverständnis zu Grunde liegt, nämlich die Vervielfältigung von populären Abbildungen, Pressefotos und Werbebotschaften erforderte nicht mehr den individuellen Künstler. Diese Idee findet in den Collaborations ihre Weiterentwicklung. An die Stelle des egomanischen Künstlertums tritt die kongeniale Zusammenarbeit. Die Künstlerpersönlichkeit im traditionellen Sinn ist nicht mehr wichtig, das Ergebnis zählt.

Ishtar (1983) Basquiat

Die Collaborations besitzen eine geradezu magische Ausstrahlung bedingt auch durch das bunte, eigenartige Motivrepertoire: Graffiti, Kinderzeichnungen, comicartige Darstellungen, obszöne Kritzeleien, Brandings, Piktogramme, Masken-Darstellungen, insgesamt eine wilde Mischung aus Bild- und Schriftzeichen. Fragmente handschriftlicher Aufzeichnungen, Kritzeleien und Notizen werden als verwirrende Minimalbotschaften buchstäblich auf die Leinwand gebracht. Mal wirken sie wie beiläufig skizziert, mal wird ihnen eine besondere Stellung eingeräumt. Bilder werden zu Worten, Worte zu Bildern.

Ritz (1983) Clemente

Um die einmalige Handschrift des einzelnen Künstlers in den Gemeinschaftswerken deutlich zu machen, sind gleichzeitig auch Einzelarbeiten der Künstler in der Ausstellung zu sehen. So die berühmte Campbell-Dose des großartigen Multiplikators Andy Warhol, die an dessen metaphysisch leeres, aseptisch wirkendes Oeuvre erinnert. Seine Kunst wurde in den Collaborations mit der dämonischen Ausdrucksweise von Basquiat emphatisch aufgeladen. Andy Warhol verstarb 1987 im Alter von 58 Jahren in New York.

 Francesco Clemente (1981) Warhol

Jean-Michel Basquiats expressive Kunst, die nie nur abbildend die Dingwelt reflektiert, besitzt eine magisch-okkulte Ausstrahlung. Er starb 1988 mit nur 27 Jahren an einer Überdosis Drogen (wie auch die Ausnahmekünstler Kurt Cobain, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Amy Winehouse).

von links: Francesco Clemente und Henner Herrmanns

Von den drei ausgestellten Künstlern lebt noch Francesco Clemente. Seine Bilder zeigen teils rätselhafte, exotische Motive, teils ironische Selbstportraits. Museen in aller Welt widmen dem 59 Jahre alten Künstler große Ausstellungen. Ich hatte die Gelegenheit ihn persönlich zu treffen und zu sprechen. Er hat auch Architektur studiert und arbeitet als Kunstprofessor in New York.

Das Flanieren durch die obsessive Bilderwelt dieses furiosen Trios ist ein phantastisches Erlebnis. Die Ausstellung läuft in Bonn vom 10. Februar bis zum 20. Mai 2012.

Versus Medici (1982) Basquiat

Dog (1984) Warhol, Basquiat

Return of the central Figure (1983) Basquiat

Details:

6 Kommentare zu “Warhol, Basquiat, Clemente in Bonn

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