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Hans Arp: Konstellation, 1928

WolkenKuckucksheim

Zur Ausstellung: Als ich im Jahr 2000 von der Stadt Koblenz beauftragt wurde, für ein neues städtisches Museum auf dem Zentralplatz einen Entwurf zu fertigen, habe ich – in Analogie zur Kunst von Hans Arp – eine abstrakt-organische Formensprache für die Architektur des Gebäudes gewählt. Vorbild war Arps Holzrelief Konstellation: amorphe Gebilde auf einer Grundplatte mit rechteckigem Rahmen. Es sind Variationen einer organischen Form. Charakteristisch für das facettenreiche Werk dieses Großphantasten sind aus der Natur abgeleitete biomorphe Gestaltformen. Bereits die Bezeichnung „Konstellation“ im Titel der Arbeit weist auf eine variable, inkonstante Formgestaltung hin mit vielen Optionen der Komposition. Die faszinierenden und für den entwerfenden Architekten inspirierenden Konfigurationen Konstellation aus dem Jahr 1928 und Konstellation III aus dem Jahr 1932 habe ich nunmehr in der neu eröffneten Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck wiedergesehen.

Modell Entwurf Mittelrhein-Museum, Koblenz (Prof. Henner Herrmanns)

Konstellation III, 1932

In der Sammlungspräsentation „Wolkenpumpen“ werden bis 27. Januar 2013 ca. 100 Werke von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp gezeigt. Der lyrische Titel der Ausstellung leitet sich aus Arps Gedichtband Die Wolkenpumpe aus dem Jahr 1920 ab. Zusammen mit El Lissitzky, einem russisch-sowjetischen Avantgarde-Künstler, der die Moderne Architektur um sehr eigenwillige Konzepte bereichert hat, veröffentlichte Arp im Jahr 1925 das Buch Die Kunstismen. El Lissitzky hatte zu der Zeit den Wolkenbügel, eine Inkunabel der russischen Revolutionsarchitektur, entworfen. Der Beginn der 1920er Jahre war eine Epoche, in der sich viele avantgardistische Strömungen mit scheinbar utopischen Artefakten ohne Bodenhaftung und vermeintlich auch ohne Realitätssinn beschäftigten. Es entstanden kreative, phantasievolle Entwürfe, die nie realisiert wurden; auch heute noch das Schicksal vieler Architekturentwürfe (siehe oben).

Die Ausstellung in Rolandseck wird ergänzt von dem ebenso vielfältigen Werk seiner Ehefrau Sophie Taeuber-Arp. Den Besucher erwartet ein reizvolles Miteinander von Werken der „organischen“ und der „geometrischen Abstraktion“.

Zum  Museum: Als Architekt habe ich die Empfindung, dass die Hochglanz-Architektur des mittlerweile 5 Jahre alten Arp-Museums Bahnhof Rolandseck, gebaut von dem New Yorker Stararchitekten Richard Meier, in seiner Attraktivität oftmals die Exponate noch überstrahlt. Der lichte, offene, klar strukturierte Bau mit seinen transparenten Glasfassaden wurde als taghelles Skulpturenmuseum konzipiert. Dafür ist es auch wunderbar geeignet. So hat im letzten Jahr die glanzvolle Ausstellung der skurrilen Objektkunst von Daniel Spoerri gezeigt, dass es sehr auf die Exponate ankommt. Die Kunstwerke können sozusagen durch die Aussicht in die romantische Rheinlandschaft überhöht werden.

Siehe auch: https://herrmanns.wordpress.com/2010/08/29/objektkunst/

Wie sich jedoch bei der Ausstellung „Wolkenpumpen“ zeigt, verliert der Museumsbau deutlich an Strahlkraft, wenn die Verglasung bei lichtempfindlichen Exponaten abgedunkelt werden muss. Woraus man schließen kann, dass eine gelungene Ausstellung immer mehr ist als die Summe ihrer Exponate. Die Architektur ist Teil der Ausstellung.

Und so feiert sich das Museum anlässlich des fünfjährigen Jubiläums im September unter dem Schwerpunktthema „Architektur“ und wird sicherlich zur Pilgerstätte für ArchitektInnen.

Ein Kommentar zu “Arp Museum Bahnhof Rolands eck

  1. Pingback: Richard Meier | ARCHBLOG

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