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Relikt des Wirtschaftswunders

Ein Büdchen unter Denkmalschutz
Gerade erleben wir, wie die Stadt Koblenz sich rasant verändert. War zunächst die BUGA 2011 der Auslöser für die große städtebauliche Verschönerung der Stadt, so lässt die Großbaustelle in der Stadtmitte – auf dem sog. Zentralplatz – erahnen, dass demnächst eine neue Shopping-Mall für vitalen urbanen Charakter sorgen wird.
Da empfindet man es geradezu als anrührend, wenn man erfährt, dass ausgerechnet das alte, von tosendem Verkehr umbrandete Zeitungsbüdchen auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt, dem 6-spurigen Friedrich-Ebert-Ring, nun unter Denkmalschutz gestellt wird.
Man tut gut daran, nicht noch einmal den Fehler zu begehen, ein Bauwerk der 50er Jahre achtlos zu vernichten. So geschehen 1998 bei der Revitalisierung des Bahnhofsvorplatzes, als man den Pavillon des alten Busbahnhofs abriss. Dieser – im Stil der Nachkriegsmoderne erbaut – war Zeugnis des Wiederaufbaus in Koblenz, die als Garnisonsstadt 1944 besonders stark bombardiert worden war.


Ehemaliger Pavillon des Busbahnhofs (Foto aus ‚Koblenz‘ von Reinhard Kallenbach/Thomas Frey)

Nun hat sich der Denkmalschutz wenigstens seines kleinen Bruders angenommen, der 1950 von dem Architekten Otto Schönhagen errichtet worden ist. Der kleine Pavillon mit seinem geschwungenen, auskragenden Dach verkörpert die gesellschaftliche Befindlichkeit seiner Zeit: Eleganz, Offenheit und das heiter-beschwingte Lebensgefühl der 50er Jahre. Formal ist diese Architektur einzuordnen in die „Erste Nachkriegsmoderne“. Die weiche runde Architektur dieses gläsernen Kiosks ist Symbol ihrer Zeit.
Da allerorten – auch in Koblenz – der Abriss auch von architektonisch bedeutenden Gebäuden aus den 50er und 60er Jahren vorangetrieben wird, ist die Unterschutzstellung des kleinen Pavillons sehr zu begrüßen.
Die Stadt wünscht sich eine neue adäquate Nutzung. Zu hoffen bleibt, dass er nach einer denkmalgerechten Renovierung nicht zu einer Pommes- oder Dönerbude wird.

9 Kommentare zu “50er Jahre Architektur

  1. Hallo Herr Herrmanns,
    ich hoffe sehr, dass die Stadt Koblenz den Denkmalschutz auch ehrlich meint, in Hamburg bedeutet dieser nämlich leider nichts, schon gar nicht, wenn es um Bauten der Nachkriegsmoderne geht. In Hannover stand zu meiner Studienzeit auch so eine „Bude“ in der Innenstadt, auch die stand unter Denkmalschutz, aber geschützt hat dieser leider nichts! Im diesjährigen Hamburger Architektursommer gibt es eine Extrareihe zu diesem Thema, wenn es Sie oder Ihre Studenten interessiert, lasse ich Ihnen gerne mehr Infos zukommen.
    Viele Grüße aus Hamburg
    Nils Kistner

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  2. Endlich mal ein Gebäude aus den 50ern, das von der Stadt geduldet wird, späte Erkenntnis.
    Herr Herrmanns: Wie ist Ihre Meinung zu früheren Abrissen in Koblenz? z.B. Kloster Maria Trost, Kino auf dem Münzplatz? Waren das nicht auch schützenswerte Gebäude? und war es notwendig sie abzubrechen? Meiner Meinung nach wurde in den vergangenen Jahren zuviel zu radikal vernichtet und zu wenig gute und spannende Architektur geschaffen um Verluste asuzugleichen.
    Es grüßt Katrin Etringer, Dipl.Restauratorin

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  3. Hallo Frau Etringer,
    die von Ihnen erwähnten Gebäude sind bereits zu einem Zeitpunkt abgerissen worden, als ich Koblenz nur vom Hören und Sagen kannte. Deshalb kann ich mich über diese Bauten nicht äußern. Ich erinnere mich aber, dass die Congresshalle auf dem innerstädtischen, ehemaligen Deinhard-Gelände leider vor ein paar Jahren gegen großen Widerstand abgerissen worden ist. Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, dass in der ganzen Bundesrepublik gute Architektur aus den 50er Jahren gedankenlos vernichtet worden ist. Ich erinnere nur an die unzähligen Kirchenbauten aus dieser Zeit…
    Henner Herrmanns

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  4. Herausragende bauliche Zeugnisse prägen bis heute tatsächlich oft noch das jeweilige Stadtbild. Inzwischen sind diese Bauten aber auch in die Jahre gekommen. Mangelnde Baupflege und veränderte energetische Standards, aber auch andere Entwicklungen setzen dem Baubestand zu. Es fehlt ganz einfach vielfach die Akzeptanz. Und gerade in Zeiten leerer Kassen besteht immer und überall die Gefahr des Verlusts durch Abbruch.

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