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Elisabeth: Weiße Maske, rote Lippen und ein gelbes Kleid mit langer Schleppe; von Anfang an eine Gezeichnete, eine Gefangene ihrer Macht und ihres Status.

Trauerspiel in Frankfurt

Alarmierenden Medienberichten zufolge werden die Gelder für städtische Theater immer weiter gekürzt. In Zeiten finanzieller Krisen wird den Kulturträgern die Luft zum Atmen genommen. Sicherlich ist es aber nicht diesem Umstand geschuldet, dass der Regisseur Michael Thalheimer und sein Bühnenbildner Olaf Altmann Friedrich Schillers Theaterstück „Maria Stuart“ in eine öde Leere hineingestellt haben. Die Breite der Bühne des großen Hauses im Schauspiel Frankfurt beträgt 25 m, ihre Tiefe 21,5 m, ihre Höhe 26 m. Das Bühnenbild präsentiert sich dem Zuschauer nicht als „dekorierter Schuppen“, es ist radikal minimalistisch: Gewaltig öffnet sich der asketische, gegenstandslose Bühnenraum mit kargen Wänden, Decke und Fußboden. Die riesige Bühnenfläche ist vollkommen leer, kein feudal historisierender Krimskrams oder höfisch-anekdotischer Zierrat.

Rechts von der riesigen, kargen Wand schreitet die Königin von Schottland und links die Königin von England auf die Zuschauer zu zum Bühnenrand. Zwischen den Szenen schwenkt die monumentale Trennwand um und räumt mal Marias ödem Kerker mehr Raum ein, mal Elisabeths unwirtlichem Palast. Beide Königinnen stehen entsetzlich verloren im düsteren Raum.

Hier die Handlung von Friedrich Schillers Drama von der Herrscher Ohnmacht kurz skizziert: Maria, exilierte Königin von Schottland, ist die Gefangene der englischen Königin Elisabeth, zu der sie geflüchtet war. Elisabeth muss aber in ihr die Rivalin fürchten. Deshalb wird Maria hingerichtet; Elisabeths Triumph ist jedoch äußerst qual- und leidvoll. In Schillers Parabelstück  dreht sich alles um die ekelhaft abstoßenden Interaktionen der Macht und die entsetzlichen Verheerungen, die sie in Geist und Seele der Mitwirkenden anrichten.

Bei diesem furiosen LiebesHass- und Intrigenkonzert wird die expressive Darbietung der Schauspieler durch die puritanische Architektur unterstützt. In den dunklen, mystischen Raum wird das Licht von schräg vorne geworfen und wirft lange schwarze Schatten. Vor dem puristischen Bühnenbild erhält die Thalheimer-Inszenierung atmosphärische Dichte. Durch diesen konsequenten Minimalismus der Bühnenarchitektur und der rhetorischen und mimischen Intensität der Darsteller wird der Zuschauer magisch in die Psychologie des furiosen Geschehens der Tragödie hineingezogen.

Ein fesselnder Theaterabend! Und für mich besteht kein Zweifel daran, dass die kurzsichtig aktionistischen Sparpläne bezüglich der städtischen Theater bornierte und verantwortungslose Politik sind.

Foyeranlage Schauspiel- und Opernhaus mit ihrer 120 m langen Fassade – Moderne Glas-Architektur der 60er Jahre als Teil des Stadtraums, zu dem sich die Glasfront öffnet: Das Publikum im beleuchteten Foyer lässt sich sehen.

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