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FAZ v. 20.12.11

Da schlägt man heute Morgen die Zeitung auf und fasst es nicht: In der FAZ wird von dem Architekturkritiker Arnold Bartetzky ein langweiliges „schlichtes Haus in einer engen Gasse“, das zunächst „kaum auffällt“ bis zur Lächerlichkeit überhöht.

Oder ist es Satire, wenn der Architekturkritiker die „raffinierte Fassadenkomposition“ und die „noblen Details“ hervorhebt und behauptet dieser Neubau in Bad Mergentheim spiele „in einer höheren Liga“. „So baut ein Herr.“

Als besonders widersinnig erscheint im Erdgeschoss dieser Retroarchitektur zunächst „eine große schaufensterartige Glasscheibe, die Einblick in das Treppenhaus gewährt“. Für den Passanten muss sich eine so gestaltete EG-Zone als Ladenleerstand darstellen. Die plumpe sich aus dem Sockel mäandrierende pseudomanieristisch gestaltete Rahmung von Garage, Tür und Schaufenster mit Muschelkalkplatten wird vom Kritiker allen Ernstes als „subtile Verneigung vor der Tradition“ glorifiziert.

Ebenso wird lobend hervorgehoben und bejubelt, dass die Fenster im 1. OG stehend angeordnet sind, während im 2. OG „ein breites Wohnzimmerfenster einen horizontalen Akzent setzt.“ Bei einer solchen höchstwahrscheinlich rein funktionsbedingten Fassadengestaltung handelt es sich um einen groben gestalterischen Fehler, der gerade alles andere als „raffiniert“ ist. Auch das zu breit geratende Giebelfenster stört die Proportion erheblich. Der vom Kritiker hoch gelobte Planer hätte an dem danebenstehenden älteren Bürgerhaus sehen können, wie man eine Hausfassade proportional richtig gliedert. Diese ist zwar auch langweilig, aber hier wollte man ebenfalls „auf Grobreize verzichten“.

Gern wüsste man, was Bartetzky bewogen haben könnte, in der FAZ plötzlich gewöhnliche architektonische Hausmannskost als gestalterische Delikatesse zu verkaufen. Recht hat der Verfasser der Kolportage nur, wenn er titelt, dass das Einfache schwer zu machen ist.

Ein Kommentar zu “Architekturgestaltung

  1. Gleiche Gedanken wie in Ihrem Blogbeitrag durchzogen mich, als ich den Beitrag zu diesem Objekt im Baunetz vorgefunden habe.
    Hat Hr. Maschmeyer vielleicht auch hier seine Hände im Spiel? 🙂

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