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Neues Hörsaalgebäude … zum Zweiten

Von wegen friedliche Vorweihnachtszeit.

Einige Zeitungen blasen in diesen Tagen zum Sturm auf die rücksichtslose Anything goes Gesinnung beim Bauen. Billig soll es sein, kurze Bauzeit, Gestaltung interessiert nicht. „Das Wort Schönheit scheinen die Planer nicht zu kennen. Es kommt in ihrem Konzept nicht vor.“ (Zeit online)

Trostlose Bauwelt: Architekten auf die Barrikaden“ titelt die FAZ Online-Ausgabe vom 26.11.11.

Die Rede ist von Gebäuden, die von „Häusern nur noch die grobe Grundform gemein haben, verputzte Billigstkisten mit Gucklöchern.“ „Man müsste demonstrieren gehen […] und auch die Architekten sollten endlich mal auf die Straße gehen, damit man sieht, dass es sie noch gibt, die Architekten, die Straße.“

„Architektur: Schluss mit klotzig“ fordert die Zeit online vom 29.11.11.

Man rechnet ab mit den (Un)-verantwortlichen für die Bausünden aus jüngster Zeit und nimmt sie nicht mehr kommentarlos hin.

Apropos Bausünden aus jüngster Zeit: In meinem Blogbeitrag vom 10.11.11 „architectura povera“  habe ich das neue Hörsaalgebäude auf dem Campus der FH Koblenz kritisiert. Auch in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Architektenblattes 12/11 macht der Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz unter dem Titel „Baukultur …zum Zweiten“ das Gebäude zum Thema.

„Es ist der Geist, der sich das Umfeld schafft“ (Paracelsus)

Der trostlose neue Bau hat Fragen aufgeworfen. Ein Gespräch mit der Hochschulleitung, dem Präsidenten der FH Koblenz, Herrn Prof. Dr. Bosselmann-Cyran und der Kanzlerin Frau Mikoteit-Olsen hat etwas Licht ins Dunkel gebracht.

FAQ 1: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich?

Beide Amtsträger sind erst seit kurzem an der Fachhochschule Koblenz tätig, deshalb auch nicht an der Entscheidung für den Bau beteiligt gewesen. Sie distanzierten sich in unserem Gespräch von der Gestaltung des Gebäudes und teilen voll und ganz die ästhetischen Bedenken. Verantwortlich ist die LBB (Landesbaubetrieb RLP). Die Fachhochschule ist nur Mieter des neuen Gebäudes.

FAQ 2: Wie konnte es dazu kommen?

Grund für die Errichtung dieses FH-Erweiterungsbaus war der zusätzliche Platzbedarf, um die hohe Anzahl von Studienanfängern (doppelte Abiturjahrgänge/Wegfall der Wehrpflicht) aufnehmen zu können. Die erhöhte Studierendenzahl wird sich ab 2015 wieder reduzieren. Auch wenn es dem Behelfsbau nicht anzusehen ist, er ist als provisorischer Bau gedacht, der in 6 Jahren wieder rückgebaut werden soll. Aus Architektensicht ist die Irritation über das Gebäude auch deshalb so groß, weil man ihm seine begrenzte Funktionsdauer in keiner Weise ansieht. Der temporäre Charakter hätte unbedingt in seinem Erscheinungsbild herausgestellt werden müssen, damit das Provisorium nicht zum Definitivum mutiert.

Der Bau sollte in kurzer Zeit errichtet werden und durfte nicht teuer sein. Wir kennen ja das Problem mit dem Projektdreieck: Qualität – Baukosten – Bauzeit. Gut und schnell ist nicht günstig, gut und günstig ist nicht schnell und ja – hier der Beweis: schnell und günstig ist nicht gut.

5 Kommentare zu “Architekturgestaltung

  1. Für eine Hochschule, in der Architektur gelehrt wird, eine Schande. Egal ob temporär oder nicht. Oder gerade weil temporär! Da gibt es keine Entschuldigung.

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  2. Pingback: Architekturgestaltung | ARCHBLOG

  3. „Wie wichtig sind Ihnen die Räumlichkeiten, in denen Sie lehren?“
    Hani Rashid:
    „Sehr, sehr wichtig. Architekten müssen, vielleicht im Gegensatz zu anderen Disziplinen, an einem interessanten Ort sein, um zu denken. Der Ort, der Raum, das Licht – alles beeinflusst die Arbeit als Architekt.“
    H. Rashid, der Mitbegründer des New Yorker Büros Asymptote, leitet an der Fakultät für Architektur der Universität für Angewandte Kunst in Wien neben Zaha Hadid und Greg Lynn eines der drei Entwurfsstudios.

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