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Gesegnete Mahlzeit

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Der heutige Allerseelen-Tag schien mir passend für einen Restaurantbesuch in einer umgenutzten Friedhofskapelle direkt vis-a-vis des malerischen alten Friedhofs von Limburg/Lahn. Die 1896 im neogotischen Stil errichtete Kapelle in dem südhessischen Bistum hatte zuvor viele Jahre leer gestanden. Sie war funktionslos geworden, weil eine neue Trauerhalle errichtet worden war.

Fläche Restaurant: 90 qm, Plätze innen: max. 80

Die Umwidmung eines sakralen Gebäudes zum Zwecke einer säkularen Nutzung empfinden viele Christen in Deutschland immer noch als Sakrileg. So sorgte vor Jahren der durchaus gelungene Umbau der neogotischen ehemaligen Martinikirche in Bielefeld  in das Restaurant „Glückseligkeit“ für heftige Diskussionen. In den laizistischen Niederlanden sah man das nie so eng; Kirchenräume als Restaurants erfreuen sich dort großer Beliebtheit.

Speisen unter dem Kirchengewölbe im Kruisherenhotel in Maastricht

Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings der Einwand von Ludwig Tavernier in unserem Buch „Das letzte Abendmahl“ https://herrmanns.wordpress.com/2010/02/08/buchtipp/, dass nämlich mit jedem sakralen Bau, der den Gläubigen wegen Verkaufs oder Umnutzung nicht mehr zur Verfügung steht, auch ein Verlust an subjektiver Religiösität verbunden ist. Durch die allzu bereitwillige Aufgabe von Kirchengebäuden wird der Prozess der Verweltlichung von der Kirche selbst unterstützt, so dass man im Grunde genommen von Autosäkularisation sprechen kann.

Im Übrigen wird, wie wir heute erleben konnten, ein Kirchengebäude durch seine Umnutzung in ein Restaurant nicht per se zu einem Wohlfühl-Ambiente. Das menschenleere Lokal und der unfreundliche Empfang durch die Pächterin bei unserem heutigen Besuch in der ehemaligen Limburger Friedhofskapelle veranlasste uns auf dem Absatz kehrt zu machen, um unsere Mahlzeit lieber bei einem liebenswürdigen Italiener einzunehmen.

Küche und Lagerräume sowie die Toiletten wurden in einem neu errichteten eingeschossigen Annexbau mit Flachdach untergebracht, der sich um die Apsis gruppiert.

Today’s All Souls‘ Day seemed appropriate for visiting a restaurant in a converted cemetery chapel directly vis-à-vis the picturesque old cemetery in Limburg. The neo-Gothic church, built in 1896, had stood empty for many years. The building had become functionless, since a new funeral chapel had been built across the road.

Many Christians in Germany still consider the reclassification of a sacred building for the purposes of a secular use as a sacrilege. A few years ago the successful conversion of the former Gothic Martini Church in Bielefeld in the restaurant „happiness“ caused for a heated debate.

As L. Tavernier says in our book „The Last Supper“, every sacred building, which is no longer available because of sale or change of use, is connected to a loss of subjective religiosity. You can basically talk about self made secularization on account of the willing abandonment of church buildings in the process of secularization of the church which is supported by the church itself. 

Restaurant garden

Moreover, a church building by its conversion into a restaurant is not per se a frendly ambience. The unfriendly reception at today’s visit to the former cemetery chapel in Limburg prompted us to take our meal in a charming Italian restaurant.

Ein Kommentar zu “Kirchenumnutzung

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