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„Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“ (Käthe Kollwitz)

Selbstbildnis (1924)

Käthe Kollwitz

Nur durch Zufall habe ich es entdeckt: Das im obersten Geschoss der Neumarkt Passage in Köln versteckte, von der Kreissparkasse Köln finanzierte, Käthe-Kollwitz Museum. Wie der Name schon sagt, ist das kleine Museum dem Werk der bedeutendsten deutschen Künstlerin der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts Käthe Kollwitz (1867 – 1945) gewidmet.

Mütter (1919)

Käthe Kollwitz war eine Künstlerin im Sinne des sog. Realismus, einer Stilrichtung der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Realistische Malerei und Zeichenkunst bildet die Alltagswelt möglichst objektiv ab, ohne etwas zu überhöhen oder zu beschönigen. Dieser Realismus war in gewissem Sinne auch immer sozialkritisch. In dieser Stilrichtung offenbarte sich die prosaische Weltanschauung der Künstler, die sich als Aufklärer verstanden.

Liebespaar sich an einander schmiegend (1909-10)

So entwickelte Käthe Kollwitz einen zeitlosen Kunststil, der allerdings damals in Deutschland in krassem Widerspruch zur schönheitsorientieren l’art pour l’art Kunstauffassung der aristokratischen und großbürgerlichen Salonmalerei stand. Kaiser Wilhelm II.beispielsweise bezeichnete ihre Kunst herablassend als „Rinnsteinkunst“. 1919 wurde sie dennoch als erste Frau zur Professorin an die Preußische Akademie der Künste berufen.


 

 

 

 

 

 

 

 

Abschied (1910)

Dem Museumsbesucher werden in Köln ausdrucksstarke, expressive Blätter von hoher Virtuosität und künstlerischer Ausdruckskraft präsentiert, die das menschliche Dasein thematisieren. Sie sind Zeugnisse eines politischen und sozialen Engagements, das auch in Käthe Kollwitz´ o. g. emphatischer Aussage zum Ausdruck kommt. Mit ihren Bildern wollte sie den Betrachter aufrütteln, wie es Schriftstellern mit ihren sozialkritischen Romanen glückt. Es geht um Opfer, an denen viele Schuld sind, manche durch Nichthandeln, einige durch zielbewusste Böswilligkeit.


Tod auf der Landstrasse (1937)

Käthe Kollwitz hat eine eigene Bildsprache mit einer melancholischen Grundstimmung entwickelt, mit der es ihr gelingt, ihre künstlerischen Aussagen in genialer Weise unmittelbar auf den Betrachter zu übertragen. In der Wiedergabe typischer Körperhaltungen oder charakteristischer Gesten der abgebildeten Menschen erkennt man die Sensibilität ihres Blicks als Künstlerin. Sie verzichtet auf banale Präzision und ersetzt diese durch ihre packende Darstellungsart. Die realistische aber keinesfalls typisierte Form strahlt mit ihren wohlüberlegten Helldunkel-Effekten eine magisch-faszinierende Wirkung aus. Es sind Menschen nicht Dinge, die man mit Käthe Kollwitz Augen betrachtet: Mütter mit ihren Kindern, Liebespaare, Trauernde …

Liebesszene I (1909-10)

Für Kunstinteressierte und Studierende, die das Zeichnen erlernen wollen, eine sehr sehenswerte Ausstellung!

2 Kommentare zu “Das schöpferisch-epische Medium

  1. Sehr geehrter Herr Professor Herrmanns,

    vielen Dank für den freundlichen und engagierten Bericht über das Käthe Kollwitz Museum Köln. Ich hoffe sehr, dass Sie einige Studenten für einen Besuch motivieren können.

    Ein Hinweis: Zur Zeit zeigen wir die Sonderausstellung „Alfred Kubin. Nebenwelten“ mit Schwerpunkt auf dem Frühwerk des Künstlers.
    Kubin ist seit mehr als 80 Jahren nicht mehr im Rheinland ausgestellt worden.

    Vielleicht noch eine Anmerkung: Sie haben eine der großartigsten Zeichnungen um 1910 – „Abschied“ von Käthe Kollwitz – quer statt hoch abgebildet. Haben Sie unserer Hängung misstraut? Allerdings ist sie, da es sich um eine Skizze handelt, auch schwer verständlich. Sie zeigt den Tod, der den Jungen nach oben wegzieht. Nachvollziehbar wird das Motiv, wenn man die Zeichnung in ihrem Umkreis sieht.

    Schauen Sie doch mal auf unsere Internetseite http://www.kollwitz.de/Museum/Rundgang/Tod und dort die Radierung „Tod, Frau und Kind“ – hier wird deutlich, was die Zeichnung wollte: Der Schädel des Todes ist oben links angedeutet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Hannelore Fischer M.A.
    Museumsleitung

    Käthe Kollwitz Museum Köln
    Kreissparkasse Köln
    Telefon: 0221 227-2899 / -2602
    Telefax: 0221 227-3762
    E-Mail: museum@kollwitz.de
    Anschrift: Neumarkt 18-24, 50667 Köln
    Internet: http://www.kollwitz.de/

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