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Meisterzeichnungen von Leonardo, Raffael & Co

Die Ausstellung „Vasari 500 – Italienische Meisterzeichnungen von Leonardo, Raffael & Co“ im Neubau des Kölner Wallraf-Richartz-Museums ist eine Hommage an die Zeichenkunst. Mit der Ausstellung wird an Giorgio Vasari (1511-1574), dem Begründer der modernen Kunstgeschichtsschreibung, erinnert. Der italienischer Maler, Architekt und Historiker wurde vor 500 Jahren geboren. Im Jahr 1550 publizierte Vasari seinen epochalen Beitrag zur Geschichte der Künste unter dem Titel Le vite (abgekürzt), eine Sammlung von Künstlerbiographien, die den Ruhm von Künstlern wie Leonardo, Raffael, Tizian oder Michelangelo begründete. Letzterer war für Vasari der unangefochtene Meister aller Meister. Alle versuchten in der Manier von Michelangelo zu zeichnen, der seine Figuren und Objekte schraffierte, als hätte ein Bildhauer auf dem Zeichenpapier gemeißelt.

(Bitte klicken Sie die Bilder an, um sie zu vergrößern.)

Domenico Campagnola, Der Heilige Hieronymus

Vasari war selbst ein guter Zeichner, der von allen Künstlern, die er mit seinen „Vite“ nobilitierte, eine Zeichnung besaß. Für ihn war die Zeichnung der Ursprung aller Bildenden Künste. Seiner Auffassung nach war die Skizze für die geistige Schöpfungskraft und das künstlerische Können ganz wesentlich und unerlässlich. Sie sei Fundament und Ursprung eines jeden Kunstwerks. Ohne die göttliche Hand des Künstlers, die zeichnet, gäbe es keine Kunst. Der Künstler ist ihm ein gottähnliches Wesen, seine Fähigkeit zu zeichnen, eine Gottesgabe.

Libysche Sybille (nach Michelangelo), um 1530/40

Abstraktion und Reduktion von visuellen Information auf die bloße Kontur ist eine bedeutende intellektuelle Leistung. Das Zeichnen steht am Anfang aller Gestaltung und bietet ein Höchstmaß an künstlerischer Ausdruckskraft. Es ist eine grundlegende Ausdrucksform menschlicher Kreativität. Der eigenständige Wert einer Zeichnung wurde erst seit dem 15. Jahrhundert erkannt. Überlieferte Zeichnungen aus dieser Zeit sind meistens Skizzen, Entwürfe oder Studien.

Bis zum 20. November läuft die Präsentation der Werke verschiedener italienischer Zeichner im Grafikkabinett des Neubaus des Wallraf-Richartz-Museums.

Baccio Bandinelli, Studie eines Knaben mit Trinkgefäß, 1530/40

Das von dem Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers 2001 fertiggestellte Museum zeichnet sich, wie alle seine Bauten durch Strenge und kubische Baugestaltung aus. Grundlegende gestalterische Elemente seiner Architektur sind elementare Formen wie Quadrat und Kubus. In seiner Formensprache berief sich der am 30.09 2007 verstorbene Nestor der deutschen Architektur stets auf konstitutive und vom jeweiligen Zeitgeschmack unabhängige Gestaltungselemente der Baukunst.

Francesco Salviati, Allegorie der Weisheit (nach Michelangelo), um 1530

Insgesamt erscheint die Kabinettausstellung mit ihren ca. 40 kleinformatigen Exponaten ein bißchen dürftig. Ein Besuch lohnt sich de facto nur für den wirklichen Liebhaber von Zeichnungen. Hier besteht ein Desiderat in der Frage, wie eine aktuelle Kunstvermittlung aussehen kann.

Vasari, Priester vor einem Altar

Siehe auch:

https://herrmanns.wordpress.com/2011/07/30/papierarchitektur-2/

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