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Kann die profane Nutzung einer Kirche den symbolischen Gehalt aller Kirchen gefährden?

In der heutigen Ausgabe der FAZ v. 12.08.11 wird die Umgestaltung der ehemaligen Kirche St. Lukas in Nürnberg zur neuen LUX-Jugendkirche bejubelt. Das Evangelisch-Lutherische Dekanat ließ den 1961 errichteten sechseckigen Kirchenbau für zweieinhalb Millionen Euro zu einer Event-Location umbauen mit dem Ziel, die davon laufenden Gläubigen wieder in die Kirche zurückzuführen.

Das Beispiel zeigt die grundlegenden Probleme und die Aporie jeglicher Umnutzung von Kirchen. Zwar wurde einmal die symbolische Konnotation von Kirchengebäuden verteidigt: „Schon eine geringe Zahl von Kirchen, die als Diskotheken, Einkaufszentren oder Fischrestaurants genutzt werden, gefährdet den Symbolgehalt auch anderer Kirchen“ (Bischof Dr. Huber von der Evangelischen Kirche Deutschlands); „Eine Diskothek in einer Kirche – so etwas ist mit uns nicht drin. Dann lieber Abriss“ (Kardinal Georg Sterkzinsky).

In ihrem geradezu verzweifelten Bestreben, die jungen Menschen zu erreichen, lässt sich die evangelische Kirche aber mittlerweile soweit verbiegen, eine beträchtliche Summe in den Umbau einer nicht profanierten Kirche zu investieren, um sie als Event-Location für Auto-Shows und Disco-Veranstaltungen freizugeben. Hierdurch werden zwar Leute in das Kirchengebäude gelockt, jedoch unter völlig anderen Vorzeichen. Einen nachhaltigen Nutzen wird die Amtskirche davon nicht haben.

Auch aus architektonischer Sicht ist die Maßnahme kritisch zu betrachten: Denn die Außenwirkung von Gebäuden hat fast immer mit ihrer faktischen Nutzung zu tun. Dies ist bei sakralen Bauten ganz besonders der Fall. Funktionsbauten können sogar zu Symbolen aufgewertet und damit zu Corporate Architecture werden. Wenn aber die Interdependenz von Innen- und Außenwirkung vollkommen fehlt, scheint es eine Fehletikettierung oder Mogelpackung zu sein. Dieser aporematischer Diskurs eröffnet ein großes Problemfeld.

2 Kommentare zu “Nutzung und Zukunft unserer Kirchen

  1. Gotteshäuser zu verkaufen – Seite 69

    books.google.deKatrin Bauer – Vorschau
    Durch die Schließung von Kirchen in Deutschland würde man auf die wirksamste, nämlich die dreidimensionale, räumliche und emotionale Kommunikation verzichten“, warnt der Architekt Henner Herrmanns. Und die langfristigen Folgen dieser …

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  2. Pingback: Marode Moderne | ARCHBLOG

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