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Zu viel Istanbul – zu wenig Köln

In dieser Woche begann für die Muslime in Deutschland der Ramadan, bei dem sie sich des Monats erinnern, an dem die ersten Suren des Korans herab gesandt wurden. Am Montag haben zum ersten Mal Betende in der noch nicht fertiggestellten Großmoschee in Köln Allah anrufen können.

Replik einer osmanischen Moschee

Der neue Gebäudekomplex im Kölner Stadtteil Ehrenfeld wird von einer riesigen Kuppel determiniert, die flankiert wird von zwei symbolischen Nadelminaretten, die keine funktionalen Bestandteile der Moschee darstellen. In hellem Beige steht der wuchtige Beton-Neubau als Blickfang und zugleich wie ein architektonischer Fremdkörper an der Ecke Venloer Straße/Innere Kanalstraße, wo auch zwei Kulturkreise aufeinander stoßen: der christliche und der muslimische.

Der semantische Entwurf aus dem Jahr 2006 von Gottfried Böhm und seinem Sohn Paul, beide anerkannte Kirchenbaumeister, stellt eine Wiederholung und Ausarbeitung des osmanischen Bautyps dar, dessen erhabenes Vorbild in der byzantinischen Kuppelbasilika der Hagia Sophia zu finden ist, und bei dem sich Ausdruck und architektonische Gestaltung auf die Kuppel konzentrieren, die die Kölner Architekten als durchbrochenes Volumen konzipiert haben.

Die multifunktionale Annexbebauung soll Büro- und Schulungsräume aufnehmen. Dazwischen öffnet sich lakonisch ein Platz, der über eine Freitreppe von der Venloer Straße erschlossen wird. Formalästhetisch stellt der Bau eine Replik trivialisierter Sinan-Moscheen dar, so wie sie in einer Vielzahl in Anatolien vorzufinden sind. Die osmanisch konnotierte Architektur ist nicht wirklich eine repräsentative Neuinterpretation der Blauen Moschee. Vielmehr sind die orientalisierenden Zubehörteile wie Kuppel und Minarett retrospektive Komponenten einer exotischen Orientalismus-Vorstellung im Westen. Aber nicht nur am eklektizistischen Stil des islamischen Gotteshauses entzündet sich der Streit in der Domstadt, sondern auch an der hinter der Monumentalität stehenden symbolischen Aussagekraft.

Auch städtebaulich eine unbefriedigende Situation: Die 6-spurige Stadt-Autobahn „Innere Kanalstraße“ führt unmittelbar an dem Moscheebau vorbei.

Zu hoffen bleibt, dass diese türkische DITIB-Zentralmoschee nach ihrer Inbetriebnahme sich als ein lebendiger Ort der Kommunikation erweist. Im nächsten Frühjahr soll die Moschee ihrer Bestimmung übergeben werden.

4 Kommentare zu “Kölner Großmoschee

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