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”Sustainability is only achieved, if your raw material can regrow. Everything else is marketing.” (Industrial Designer Patrick Lindon)

Ausflugslokal für das Walderlebniszentrum Soonwald

Gesucht waren Ideen für ein Ausflugslokal im rheinland-pfälzischen Naturpark Walderlebniszentrum Soonwald. Den Studierenden des Bachelor-Studiengangs der FH Koblenz war bei der Gestaltung ihrer Konzepte weitgehend freie Hand gelassen worden. Gewünscht war eine verträgliche Bebauung mit dem bewährten, nachwachsenden und nachhaltig produzierten Baustoff Holz, der vor Ort reichlich vorhanden ist. Die Entwürfe sollten jedoch eine moderne Formensprache sprechen.

Das Grundstück war uns bereits bekannt, denn zuvor hatten auf Anfrage des Referates Forsten des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz Studenten/innen des Masterstudiengangs Entwürfe für einen Walderlebnis-Spielplatz für das gleiche 1,8 ha große Hanggrundstück eingereicht. Siehe hierzu:

https://herrmanns.wordpress.com/2011/03/10/studienarbeiten/

https://herrmanns.wordpress.com/2011/03/28/studentische-seminararbeiten/

Die Entwurfsergebnisse antizipieren unterschiedlichste Vorstellungen von einem zeitgemäßen Ausflugslokal.

„Meine Gebäude sollen fließen und ihre Umgebung in Schwingung versetzen.“ Dieses Motto von Zaha Hadid scheint die Studentin Kristin Lorenz bei ihrem Entwurf beherzigt zu haben. Der Baukörper mäandriert in einer freien, gestreckten Form durch das Gelände und fügt sich wie ein Chamäleon unauffällig in die Landschaft ein, gleichzeitig wird aber auch eine signifikante Landmark gesetzt. Entsprechend dem geforderten Raumprogramm ist die mehrfach geknickte Struktur in verschiedene Nutzungsbereiche gegliedert. Das eingeschossige Bauwerk entwickelt sich in einer kontinuierlich ansteigenden Form bis zu acht Meter hoch mit einer Aussichtsterrasse. Nicht nur Fassade und Tragwerk werden in Holzbauweise vorgeschlagen, auch die Technik steht für eine nachhaltige Forstwirtschaft.

Entwurf: Kristin Lorenz

Aus der Vielzahl weiterer kreativer Entwurfsideen zeichnet sich der dynamisch geformte, scheinbar schwebende zweigeschossige Baukörper von Daniel Jülicher aus. Die Holzkonstruktion besticht durch seine expressive Gestaltung, die skulpturale Qualitäten besitzt und keineswegs hölzern wirkt.

Entwurf: Daniel Jülicher

Ein weiterer in vielen Aspekten überzeugender Entwurf stammt von Katharina Esper mit einer narrativen, poetischen Formensprache. Die Grundriss-Disposition der Holzstruktur ist der Konfiguration eines Blattes nachempfunden, die quasi der Wind auf das Grundstück geweht hat. Die Blattkonfiguration ist mittig geteilt: Die eine Hälfte wird durch den Holzbau mit dem Ausflugslokal determiniert, die andere Hälfte nimmt die dazugehörige Freiterrasse ein, die sich generativ als Dachgarten erweitert und somit die Blatt-Form aus der Vogelperspektive wieder komplettiert.

Entwurf: Katharina Esper

An der Wurzelschnecke orientiert sich der sanft gerundete Baukörper, den Jannis Fröhlich entworfen hat. Der Grundriss basiert auf der mathematischen Berechnung der Spirale des Theodorus. Durch die weite Auskragung über die Hangkante hinaus erhält das Bauwerk optisch eine schwebende Leichtigkeit und akzentuiert den Locus amoenus.

Entwurf: Jannis Fröhlich

Diese Studien geben vielleicht Antwort auf die häufig gestellte Frage, was bringen die Bachelor-Studenten heute zuwege? Sind sie für die aktuellen Herausforderungen gerüstet? In einer Bewertung müssen Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellung, Intensität und Durchdringung des Themas, Experimentierfreudigkeit und Innovationskraft der Lösung einfließen. Sollte ein Entwurf tatsächlich realisiert werden, müsste baukonstruktiv eine Präzision im Detail ins Auge gefasst werden.

9 Kommentare zu “Studentische Entwürfe

  1. schade ist, dass die meisten studenten gar nicht wissen was für aufgaben sie in einem büro erwarten und dass sie dafür überhaupt nicht im studium vorbereitet werden. „Die idee kann noch so gut sein, am ende wird es anders gebaut, weil der preis leider den markt beherscht.“

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    • Es lässt aufhorchen, wenn bereits Studierende eine resignativ pessimistische Grundhaltung gegenüber ihrem zukünftigen Beruf als Architekt einnehmen. Man fragt sich, ist es eine allgemeine gesellschaftliche Depression, erhalten die jungen Leute diese Einstellung während ihrer Praktikazeiten in den Architekturbüros oder wird ihnen schon während des Studiums die Freude an der Kreativität und der Mut zur Phantasie geraubt?

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    • ich denke nicht, dass es die primäre aufgabe der lehrinhalte ist, die studenten auf den reinen büroalltag vorzubereiten. in erster linie dienen die vermittelten inhalte der schaffung einer beruflichen grundlage.
      wie sollte denn ihrer meinung nach die vorlesung für den büroalltag heißen? und welche leistungen sollen darin vermittelt werden?

      dass sich die kreativität und der „spielerische“ umgang mit entwürfen nicht 1 zu1 auf die freie marktwirtschaft übertragen lässt dürfte wohl jedem klar sein; sich gegenseitig ausschließt allerdings auch nicht.
      die frage ist doch eher wie man damit umgeht.

      nätürlich ist es oft der faktor baukosten, der die entwürfe beeinflusst, dennoch denke ich, dass ein großes maß an kreativität und eigenleistung erhalten werden kann – und sei es nur in einem kleinen detail.
      der schlüssel hierzu liegt in der planungsphase. welchen kostenrahmen habe ich zur verfügung? gibt es kreative alternativen zu meinem ersten entwurf/gedanken? kann ich den bauherren beeinflussen, ohne die funktion des gebäudes zu vernachlässigen? inwieweit lasse ich mich beeinflussen?
      planer, psychologe, bankberater in personalunion.

      all`diese gedanken fließen doch in einen guten entwurf mit ein. ich finde die aussage, dass letztendlich der preis den markt beherrscht zu pauschalisiert.

      beste grüße.
      a.adams

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  2. na, das ist aber wohl beides sehr wichtig. natürlich müssen die studenten auf den beruf gut vorbereitet werden. das sollte zum einen selbstverständlich die lehre leisten, wer denn sonst? sollen die büros nach 4-8 jahren grundausbildung in architektur den berufsanfängern das etwa noch mal bieten? und auch bitte für ein gutes gehalt? mit genug urlaubstagen etc.?
    da kann ich nur sagen, aufwachen, sonst überleben nur die pfiffigen.
    selbstverständlich gehört zu der guten ausbildung auch der mut zu spektakulärer, gewagter, besonderer, neuer, gut geplanter und durchdachter architektur.
    nicht nur der mut auch das können diese zu erreichen.
    das ist doch unser job. das eine geht nicht ohne das andere, man muss natürlich unterscheiden lernen für welchen bauherren was geeignet ist, man muss auch überzeugen lernen, aber aufgegeben ohne es zu versuchen mit der begründung der baukosten, das ist resignation und vielleicht auch ein bisschen bequemlichkeit.
    sehr schade und ein bisschen selber schuld.
    herzliche grüsse mirjam pell

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    • guten abend frau pell,

      eventuell habe ich mich etwas unglücklich ausgedrückt, was die lehre an der fh leistet. natürlich sollen die studierenden auf ihre berufslaufbahn vorbereitet werden; was die fh ja nun mal auch hervorragend tut.
      vor ca. fünf jahren habe ich mein diplom an der fh erhalten; fühle mich allerdings im berufsalltag dennoch weiterhin in der ausbildungsphase. jedes projekt birgt neue herausforderungen und bringt einen nach vorne.

      herr jannis fröhlich vertritt aber in seinem anfangskommentar die auffassung, dass es in seiner vorstellung einen eigenen lehrbereich für den berufsalltag geben sollte und ist ein wenig desillusioniert ob der „wahren realität“.
      das finde ich ehrlich gesagt sehr schade.

      natürlich gibt es hindernisse, natürlich gibt es kostenrahmen; all dies soll aber nicht die möglichkeit schmälern, sich selbst einzubringen und das bestmögliche zu verwirklichen.

      ich vertrete die auffassung, dann man sich nie seiner kreativität, einfallsreichtum und umgang gerade in schwierigen situationen entledigen sollte.
      das gerade macht doch gute und anspruchsvolle architektur aus. und das ist doch das ziel.

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  3. Guten Abend Herr Adams,

    ich bin auch in erster linie erschreckt über die resignation die durch herrn jannis fröhlichs kommentar bei mir ankommt und mir tut das leid.
    aber jeder macht andere erfahrungen und die sind bestimmt nicht immer gut. die berufswelt stellt einerseits enorme herausforderungen, aber ich finde auch, dass es durch computer, internet etc. auch etliche erleichterungen gibt.
    hier besteht nun die schwierigkeit für jeden berufsanfänger wesentliches von unwesentlichem zu trennen, damit die informationsflut einen nicht überrollt und am ende doch kein gutes ergebnis da ist und die zeit rum.

    was sie schreiben ist nachvollziehbar, jedes projekt bringt neue erfahrungen und bis zur routine dauert es oft jahrzehnte, das macht unseren beruf auch aus. man darf nur nicht die nerven verlieren. ein gebäude ist eben in der regel immer wieder neu ebenso der bauherr als auch die neueste technik. da geht auch mal was schief. ich finde das spannend und sehr risikoreich. wer die nerven nicht hat und das risiko nicht liebt ist für den beruf nicht gemacht, bzw. sollte sich für ein kleines spezialgebiet entscheiden und dort dann experte sein.
    leider ist meine meinung, dass sich mancher den beruf zu leicht vorstellt, es ist super stressig und es lässt nicht nach.

    in einem punkt muss ich ihnen widersprechen, die lehre ist gut ja, je nach dem welche hochschule, welcher professor in welchem gebiet, aber meiner ansicht nach absolut verbesserungsbedürftig an vielen stellen.

    damit meine ich jetzt auch nicht nur den büralltag, sondern tiefere wissensvermittlung insbesondere in den bereichen baupraxis und bauabläufe, risiken, grosse zusammenhänge, beweggründe von bauherrn usw.

    aber ganz sicher ist (herr jannis fröhlich) die grossen und guten entwürfe werden auf jeden fall gebraucht und auch von bauherren gefordert.
    sie finden mehr denn je akzeptanz, kosten müssen trotzdem passen, sonst wäre es ja auch keine kunst.

    wünsche einen schönen abend
    herzicher gruss mirjam pell

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  4. Ich wollte damit auch eigtl. zum Ausdruck bringen, dass die Spanne zwischen Hochschule und Realität noch viel zu groß ist. Dies müsste man ändern. Wie? Das soll auch nicht heißen, dass die Studenten keine grossen und verrückte Entwürfe mehr machen sollen. Die meisten Studenten, die in einem Büro arbeiten, werden doch mit Aufgaben vertraut gemacht, die sonst keiner machen will bzw. nicht einmal was mit Architektur zu tun haben. Wie sollen die Studenten dann was dazu lernen?

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  5. Hallo zusammen,

    zuerst einmal muss ich sagen, ich finde diese diskussion höchst interessant, da sich mein freund auch im bachelorstudiengang architektur befindet.

    er stammt aus einer handwerklich-künstlerischen familie, arbeitete schon häufig im baugewerbe, genauer gesagt hat er schon bei der erstellung einer bodenplatte mitgewirkt, gemauert, einen wintergarten aus holz gebaut, dächer gedämmt etc.
    hinzu kommt, dass er kreativ ist und sehr gut organisieren kann. funktionalität steht bei ihm an erster stelle, aber ich denke er hat ein händchen darüber hinaus auch die optik nicht zu vernachlässigen. auch kann er sich in die bedürfnisse der bauherren eindenken (er war zivi, das hilft in dieser hinsicht enorm). einfach gesagt er ist ein allrounder.

    seine probleme im studium bestehen darin, dass er lieber mehr basics aus dem büroalltag kennenlernen würde. einmal ein projekt von a-z durchspielen, ihm fehlen die großen zusammenhänge, einfach die grundorganisation.

    bei entwurfaufgaben im speziellen ist er sich häufig auch mancher konstruktiver detaillösungen unsicher, die bereiten ihm große schwierigkeiten, da die informationsquellen fehlen, in der fh bekommt er grunddetails erklärt, mehr auch nicht. er fragt sich dann bei seinen details, die, wie er sagt ja dann auch grundlegende entwurfsprinzipien sein können – ist das jetzt auch wirklich fachgerecht und qualitativ gut? gerade im bezug auf die wärmedämmung und die regensicherheit oder sagt man wasserdichtigkeit, also ich meine alles mit feuchtigkeit.

    nach seiner praxisphase fühlte er sich leider auch nicht wirklich schlauer, da er da zuwenig einblicke erhielt. nun ist er auf der suche nach einem qualitativ gutem büro, wo er ein praktikum machen kann oder noch besser nebenbei arbeiten kann. wie sich herausstellt gar nicht so einfach etwas im ländlichem raum zu finden, dass seinen, es soll jetzt nicht arrogant klingen, aber hohen ansprüchen an architektur enspricht.
    zuletzt fand er ein qualitativ gutes büro, dass eine andere software wie er benutzt und ihm deshalb keine chance gab, komisch wie ich finde…

    ich würde mich über den einen oder anderen ratschlag freuen.

    susanne

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