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Betonfuror – Zentralmoschee in Köln


Beton-Segmente, die die Kölner Großmoschee mit ihren Minaretten prägen

Nach mehr als einem Jahr Bauzeit konnte in diesem Monat die türkisch-islamische Dachorganisation DITIB das Richtfest für ihre heftig umstrittene Großmoschee in Köln feiern. Gebaut wird der islamisch-religiöse Kommunikationsort von dem Kölner Architekten Paul Böhm, dessen Wettbewerbsentwurf im „Sinan-Stil“ mit dem ersten Preis belobigt wurde. Vater und Großvater Gottfried und Dominikus Böhm waren berühmte Kirchenbaumeister und auch Paul Böhm hat 2001 mit der Beton-Rundkirche Sankt Theodor ein architektonisches Highlight in Köln-Vingst geschaffen.

Modernes ästhetisches Ideal des monumentalen „Rohbaus“ in gestocktem Beton

Der Entwurf für die monumentale Kölner Zentralmoschee sieht eine 35 m hohe Kuppel in Anlehnung an den klassisch-osmanischen Baustil sowie zwei 55 m hohe Minarette vor und bietet 1200 Gläubigen Platz. Die Baukosten für diese osmanische Moschee-Interpretation aus der türkischen Heimat der Bauherren werden auf 32 Mio. Euro beziffert und umfassen auch eine Bibliothek, Seminarräume sowie Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe auf dem ca. 5000 Quadratmeter großen Areal.

Archetypisch: Kuppel und Minarett bestimmen die städtebauliche Agglomeration in Köln

Die vielfach veröffentlichten Modellfotos und vogelperspektivischen Darstellungen zeigen noch eine sich öffnende Blütenknospe und vermitteln den Eindruck einer schönen Architektur-Skulptur, die stilistisch zwischen Tradition und Moderne oszilliert. Aber aus der Froschperspektive erhält der Besucher jenseits aller Ressentiments – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt vor Ort – den Eindruck, er stünde vor einem AKW, was der Form, der Größe und auch dem Material geschuldet ist.

Ralph Giordano, ein entschiedener Gegner des Moschee-Projekts, hatte wiederholt das Bauvorhaben kritisiert und von „Gigantomanie“ gesprochen

Bereits der Rohbau des gigantischen Bauensembles steht als markante Landmark entkontextualisiert im Stadtbild, hätte aber eine architektonische Bereicherung für die Ecke Innere Kanalstraße/Venloer Straße und eine städtebauliche Aufwertung des bislang wenig ansprechenden Eckareals im Kölner Vorort Ehrenfeld werden können. So aber trägt der gewaltige Betonbau zwischen Tankstelle, verkehrsreichen, mehrspurigen Straßen und Fernsehturm zu der heterogenen städtebaulichen Melange des Ortes bei. Auch den Reiz des Exotischen sucht man vergeblich.

Erschließung mit Freitreppe

Der brachiale Bau ruft bei Nicht-Muslimen vielfach Ablehnung hervor – nicht allein wegen seiner gewaltigen Größe, dem monumentalistischen Erscheinungsbild und der tradierten, anti-avantgardistischen Morphogenese. Es bedrückt auch, dass zur Zeit eine Vielzahl christlicher Kirchen als ökonomisch überzählig aufgegeben werden – auch in Köln und auch Kirchen von Gottfried Böhm und Rudolf Schwarz – wodurch die Symbolbauten des Christentums mehr und mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden, währenddessen in Deutschland das Vordringen der islamischen Kultur z. Zt. mit ca. 180 Kathedralen für Allah, die im Bau bzw. in Planung sind, verkörpert wird. Wir befinden uns in einer ambivalenten Situation, in der zu beobachten ist, wie das Stadtbild morphologisch durch ein verändertes Gottesbild verwandelt wird.

 

Siehe hierzu auch:

https://herrmanns.wordpress.com/2010/07/25/moscheebau-in-deutschland/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/03/12/ohne-kuppel-und-minarett-2/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/04/20/presseartikel

https://herrmanns.wordpress.com/2010/04/21/kommentar-zum-rz-artikel-v-20-04-10/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/05/27/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/05/29/islamische-architektur-in-deutschland/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/05/30/moschee-bautypologie/

https://herrmanns.wordpress.com/2010/06/09/presseartikel-2/

8 Kommentare zu “Moschee

  1. bei solchen beispielen stelle ich mir immer wieder die frage, warum private bauherren in einen straffen bebauungsplan gepresst werden, in dem von der dacheindeckung, dachneigung, fassadengestaltung bis hin zur farbgebung der haustüre alles vorgegeben ist, auf der anderen seite jedoch solch ein monolithisches konstrukt eben keine städtebauliche aufwertung bringt.

    aber das ist ja (zum glück) alles subjektiv.

    beste grüße
    a.adams

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  2. Ich finde den Entwurf cool. Richtig futuristisch und monumental – mein Geschmack! Mein Sohn (7) hat es auch als cool bezeichnet, allerdings hat er es spontan als ein „Atomkraftwerk!!!“ beschrieben – er habe es in einem Trickfilm gesehen. Die Kinder sind die ehrlichsten Kunstkritiker..!

    Freundliche Grüße
    Andrej Frank

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  3. Im Zusammenhang mit dem Thema Moscheebau, Muslime, Integration, etc. hat Patrick Bahners, der FAZ-Feuilleton-Chef, einen Artikel in der FAZ v. 16.02.11 veröffentlicht resp. ein Buch geschrieben „Die Panikmacher“, mit dem er die Islamkritiker abkanzelt.
    Hierauf hat Thilo Sarrazin in der Samstagausgabe v. 19.02.11 in der FAZ eine Entgegnung darauf verfasst: „Erdogans Ghostwriter“.
    Für den Diskurs sind diese beiden Beiträge interessant.

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