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Frohe Botschaft

Die moderne Nachkriegskirche St. Ursula in Hürth-Kalscheuren bei Köln, Architekt Gottfried Böhm, war zu einer Art Menetekel für das Schicksal des christlichen Sakralbaus in Deutschland – besonders der Nachkriegskirchen – geworden. Die im Jahr 1956 als Zentralbau errichtete Kirche des „reichen“ Erzbistums Köln wurde 2006 profaniert und zuletzt für 400.000 Euro zum Weiterverkauf annonciert.

Innen und außen: reduzierte Material- und Formensprache

Der markante, als Skelettbau konzipierte Rundbau wird von einem Kuppeldach bekrönt, das von vor die Rotunde gestellten schlanken Stützen getragen wird. Raumhohe Fensteröffnungen zwischen den sechs Konchen gliedern den stützenfreien Zentralraum und versorgen ihn mit taghellem Licht. Es ist eine von drei nach 1945 entstandenen Rotundenkirchen in Köln, die mit der Geste des Umfangens als Metapher für das christliche Miteinander stehen.

Die Zukunft dieses ehemaligen Gotteshauses mit seinem besonderen Nimbus und speziellen Aureole war lange Zeit mehr als ungewiss. In einem Blogbeitrag vom Mai d. J. hatte ich über die historia calamitatum dieser Kirche berichtet:

https://herrmanns.wordpress.com/2010/05/28/immobilienmarkt/

In unserer religiös individualisierten Gesellschaft droht baukulturellen Schätzen dieser Distinktion, unreflektiert nach Kassenlage zur Disposition gestellt, oft der Abriss.

Nun hat die die FAZ am 24. Dezember mit der frohen Botschaft überrascht, dass der Galerist Rafael Jablonka die Kirche erworben hat, um sie als Ausstellungsraum zu nutzen. http://www.jablonkagalerie.com/

Dies erscheint für diesen besonderen Bau eine angemessene Verwendung, da die neue Nutzung der Erhaltung der identitätsprägenden Struktur des Bauwerks dient, der Würde des einstigen Gotteshauses nicht widerspricht und die Zugänglichkeit für eine interessierte Öffentlichkeit gewährleistet zu sein scheint. Gewiss stellt dieses Beispiel eines aus der Nutzung gefallenen Kirchengebäudes die bessere Alternative zum Abriss dar. Amen. Halleluja!

„Unsere Zeit strebt im Kirchenbau nach dem Einheitsraum als Sinnbild der im Glauben an Christus wieder vereinten Gemeinde.“ (August Hoff)

Post scriptum: Das aktuelle baukulturelle Dilemma des großen Kirchensterbens wird in der von uns herausgegebenen Publikation „Das letzte AbendmahlUmnutzung, Verkauf und Abriss von Kirchengebäuden in Deutschland“ aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt:

https://herrmanns.wordpress.com/2010/02/08/buchtipp/

The post-war church of St. Ursula near Cologne (architect Gottfried Böhm)  was a kind of portent for the fate of the Christian church architecture in Germany – especially the post-war churches. In 1956 established as a central church and desecrated in 2006 it was for sale for 400,000 €.
The distinctive circular building designed as a skeleton structure is topped by a domed roof, which is supported by slender columns placed in front of the rotunda. Floor to ceiling windows between the six conches divide the column-free main room, and provide him with bright daylight. It is one of three rotunda churches in Cologne built after 1945, with the gesture of the circumference as a metaphor for the Christian coexistence. The future of this building treasure has been for a long time more than uncertain. In a blog post from May of this year I had reported on the historia calamitatum of this church:
https://herrmanns.wordpress.com/2010/05/28/immobilienmarkt/
In our individualized society many religious treasures such as this church building are threatend.
Now, the Frankfurter Allgemeine Zeitung on 24 December is surprising with the good news that the gallery owner Rafael Jablonka has acquired the church to use as an exhibition space. This seems appropriate use for this wonderful building. Amen. Hallelujah!
The current dilemma of the large amount of churchs  is illustrated in the publication issued by us „The Last Supper – change of use, sale and demolition of church buildings in Germany“.

6 Kommentare zu “Kirchen Bau

  1. das ist ein wahrlich schöner artikel zur besinnlichen weihnacht 2010 und macht mut für 2011!

    alternativ hätte man ja auch einen schlichten kubus mit wechselausstellungen um st. ursula bauen können (…) -ich denke (hoffe) 1x reicht!

    beste grüße
    alex adams

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  2. Dankeschön, lieber Herr Prof. Herrmanns, für die interessante Lektüre!
    Ich freue mich mit Ihnen über die gute Lösung für die Ursula-Kirche. Hoffentlich hat der Galerist genug Kapital in der Hinterhand; denn da hat er sich einen teuren Grundbesitz zugelegt (Instandhaltung, Heizung, städtische Abgaben etc) – es möge ihm gelingen!

    Frohe Weihnachten!
    Ihre Sch.

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