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Pimp my City – Koblenz ein Potemkinsches Dorf?

Koblenzer Altstadt: dort klaffen z. Zt. hässliche Baulücken

In Koblenz werden Stimmen laut, die vorschlagen für die BUGA 2011 die hässlich klaffenden Baulücken im Straßenbild zu schließen, da demnächst „ganz Deutschland auf unsere Stadt schaut…“ (Rhein-Zeitung vom 16.12.10 Koblenz: Stadt der hässlichen Baulücken).

Natürlich können die Baulücken, die sich in Privatbesitz befinden, in der Kürze der Zeit bis zum Frühjahr 2011 nicht mit einer Bebauung geschlossen werden. Der kapriziöser Vorschlag (angeblich sind sich hier die Fraktionen im Rat und die Verwaltung einig) auf die Schnelle Baugenehmigungen zu erteilen und die „Einrichtung von Baustellen“ voranzutreiben, um „auf diese Weise den Gästen wenigstens zu demonstrieren, dass Koblenz aufblüht und sich ständig weiterentwickelt“ (RZ v. 16.12.10), ist so unglaublich realitätsfern, dass er nicht weiter kommentiert werden muss.

Berliner Fassadenattrappe

Ein weiterer Vorschlag verweist auf Feldmarschall Fürst Grigori Potjomkin, der vorgemacht hat, wie man ein solches Problem löst. Ähnlich wie dem künftigen BUGA-Besucher wollte man seinerzeit auch der russischen Zarin Katharina II. nicht das wahre Gesicht zeigen. Also veranlasste er Kulissen zu erstellen, um das ganze Elend zu verbergen. Diese Idee geistert in den Köpfen einiger Koblenzer.

Rückseitige Konstruktion der Fassadenattrappe

Zwar simulieren die Berliner in ihrer Stadt bereits sehr imposant mit bedruckten PVC-Planen projektierte Bauwerke, jedoch kann eine solche Intervention leider nicht so ohne weiteres auf die Rhein-Mosel-Stadt übertragen werden. Die Baulücken in Koblenz sind nämlich zum größten Teil unbeplant, ihre Zukunft ist ungewiss. Womit also sollten die Planen in der BUGA-Stadt bedruckt werden, ohne dass der hochmögende Anspruch in kitschige Prätention kippt? Woher sollen die Entwürfe kommen, die zur Aufwertung der Straßenzüge und des Stadtbildes beitragen sollen? Von den Bühnenbildnern des Stadttheaters? Von den Architekturstudenten/innen in der Stadt?

Man sucht den Ausweg aus dem Dilemma mit einem Trick: Die Baulücke am Schlossrondel soll hinter einer Trompe-l’oeil-Verhüllung versteckt werden

Grandiose Ideen könnten dann temporär und imaginär zur Ausführung gelangen, und zwar ohne Partikularinteressen und die „unheilige Allianz von Profitmaximierern und Planern“ (wie die RZ v. 16.12.10 mokant schreibt), die allein nach der Devise „quick & dirty“ handeln und für die Gebäude nicht Architektur sondern nur Immobilien sind. So könnte man der Potemkinschen Metamorphose doch noch einen gewissen Reiz abgewinnen.

Mit riesigen backsteinroten PVC-Bahnen wurde die 1835 zwischen Friedrichswerderscher Kirche und Berliner Stadtschloss errichtete Bauakademie nachempfunden.

Facade dummies:Karl Friedrich Schinkels Bauakademie

There are a lot of people in Koblenz who suggest that the ugly gaping vacant street lots in the city should disappear as soon as possible, because „everybody in Germany is looking at our city …“ (Rhein-Zeitung from 16-12-10) on account of the BUGA (German Federal Garden Show) in 2011.
Of course, the vacant lots that are privately owned, cannot be concluded with a building in the short time until the spring of 2011.

The proposal is to supply quickly the building permits and start building forward to demonstrate at least in this way  that Koblenz is developing is very unrealistic and so incredible funny that it must not be commented.

Another proposal refers to Marshal Grigori Potemkin, who has shown us how to solve such a problem. Similar to the future visitors to the BUGA the Russian Empress Catherine II was not shown the truth. So Potemkin arranged lovely scenes to hide the local misery.

Although the developers in Berlin have configurated very impressive designs with printed fabric structures, unfortunately these Berlin facade dummies cannot be transposed to Koblenz. The vacant lots in Koblenz are mostly not yet planned and their future is pretty uncertain.

What should the facade dummy look like in Koblenz? Which designs are able to upgrade the streets and the urban landscape? Should the set designers of the City Theater or should the students from the university design the new facade dummies? Grandiose ideas could be the temporary solution without the „unholy alliance of profit maximization and planners“ (RZ v. 16-12-10). So the Potemkin villages can gain a certain charm, maybe.

Ein Kommentar zu “BUGA 2011

  1. Pingback: Baukultur – Romantic Turn? | ARCHBLOG

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