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Graue Architektur

 

Industriearchitektur – grau und trüb wie die Jahreszeit. Auf der Autofahrt in den Hunsrücker Soonwald, eine elegisch-bukolische Landschaft, hat sie plötzlich meine Aufmerksamkeit erregt: die monströse Assemblage des Stromberger Kalkwerks mit den Hochöfen und Kalk-Mahlanlagen, konzipiert für bestimmte industrielle Produktionsprozesse ohne stilistische Vorbilder. Allein betriebliche Erfordernisse und adaptive Abläufe bestimmen die martialisch anmutende bauliche Struktur und die strenge funktionalistische Ästhetik. Rationalität, Effizienz und Kosten determinieren die pragmatische, aber zugleich auch faszinierend technizistische Baugestaltung. Über 100 Jahre hat das Kalkwerk das Stadtbild von Stromberg dominiert. Im letzten Sommer wurde es stillgelegt, weil die Gemeinde einen weiteren Kalkabbau wegen den Belastungen nicht genehmigt hat.

Die Sensibilität für die Schönheit und Vielfalt der anonymen Bau-Skulpturen der Industriearchitektur haben die Fotografen Bernd und Hilla Becher geweckt, die berühmt wurden durch ihre Fotoserien von Gasometern, Förder- und Wassertürmen. Ihr Verdienst ist die Etablierung einer neuen Wahrnehmungsästhetik. Sie haben uns gelehrt, dass scheinbar banale Ingenieurbauten einen ästhetischen Wert besitzen, der bislang nur der Architektur zuerkannt wurde. In der Aufhebung alltäglicher Sehgewohnheiten können spröde und fragile Objekte eine ästhetische Qualität gewinnen, die im Alltag gewöhnlich nicht bewusst als schön wahrgenommen werden.

Ich glaub´, ich steh´ im Sonnwald

Industrial architecture – gray and gloomy as the season. On the way to the Hunsrück Soonwald a huge machine suddenly caught my attention: Strombergs lime works with the blast furnaces and lime-grinding plants, designed for specific industrial processes without stylistic models. Solo operational needs and functional processes determine the physical structure and the strict functional aesthetics. Rationality, efficiency and cost determine the pragmatic, yet also fascinating technicistic building design. Over 100 years the skyline of the lime works has dominated the town of Stromberg. Last summer it was shut.

Bernd and Hilla Becher have awakened the sensitivity to the beauty of the anonymous industrial architecture with their famous photographic series of conveyor and water towers, gas holders. It is their merit having established a new aesthetic perception, as seemingly mundane engineering works have an aesthetic value that was previously only awarded to the architecture. In the abolition of everyday viewing habits, functional objects gain an aesthetic quality that is usually overlooked in everyday life.

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