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Mors certa – hora incerta


Vielleicht meinte der österreichische Schriftsteller Thomas Bernard den mitten in der Altstadt liegenden und dennoch abgeschiedenen St. Sebastian-Friedhof in Salzburg als er sagte: “Nirgendwo sonst kann sich ein heute doch überall gestörter Kopf konzentrieren.“

Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau ließ im Jahr 1600 den malerischen Friedhof in der Art eines italienischen Camposanto (ital. „heiliges Feld“) anlegen. Gewölbte Arkadengänge mit in die Mauer eingelassenen Gruftnischen umschließen den metaphysischen Raum der Begräbnisstätte. Alte Salzburger Bürger- und Kaufmannsfamilien sowie bekannte Persönlichkeiten haben in den prächtigen Arkaden des Friedhofs mit einem nach innen offenen Bogengang ihre letzte Ruhestätte gefunden. Imposante Grabmale mit reich ornamentierten Formen und prachtvollen figürlichen Darstellungen repräsentieren eine plastisch-skulpturale Architektur als Signifikant einer immer mehr schwindenden Ästhetik, deren Basis, nicht nur auf dem Friedhof, durch Ökonomisierungszwänge und Kommerzialisierung erodiert. Seit 1888 wurde der Kreuzgang und der ca. 7.000 m² große Gottesacker nach Fertigstellung des neuen Kommunalfriedhofes aufgelassen und nicht mehr als letzte Ruhestätte genutzt.

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Ein Besuch dieses arkadischen Hortus conclusus lohnt sich immer, nicht nur im November und nicht nur am Totensonntag, dem letzten Sonntag des Annus ecclesiasticus. Julius Müller, ehemals Bestatter in Wien, gibt in seinem gleichnamigen Büchlein sarkastisch zum Besten: „Es ist fast ein Vergnügen zu sterben!“ Ein Besuch in Salzburg auf dem St. Sebastian-Friedhof erhellt diese ungewöhnliche, zynische Aussage.

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Siehe auch Blogbeitrag „Sepulkral-Kultur – Zum Sterben schön“:

https://herrmanns.wordpress.com/2010/03/25/sepulkral-kultur/

Maybe the Austrian writer Thomas Bernard had the secluded St. Sebastian cemetery in Salzburg in mind when he said: „Nowhere else you can focus today an everywhere disturbed mind.“In the year 1600 the Archbishop Wolf Dietrich von Raitenau built the picturesque cemetery in the manner of an Italian Campo Santo. Vaulted arcades with recessed into the wall tomb niches enclose an almost square complex of about 90 meters long and 80 meters wide. Old Salzburg citizens and merchant families, and celebrities have found in the magnificent arcades of the cemetery with an inwardly open portico their final resting place. Graves with beautiful ornamental designs and magnificent statues represent a beautiful sculptural architecture and an aesthetic, which is more and more eroded by economization constraints and commercialization. Since 1888, the cemetery after the new municipal cemetery was abandoned and no longer used as a final resting place.
A visit to this arcadian Hortus conclusus is always worthwhile, not only in November and not only on Remembrance Sunday, the last Sunday of the Annus ecclesiasticus. Julius Müller is very sarcastic in saying in his book: „It is almost a pleasure to die!“ A visit to Salzburg in St. Sebastian Cemetery illuminates this cynical statement.

Ein Kommentar zu “Sepulkral-Kultur

  1. Pingback: „Es ist fast ein Vergnügen zu sterben!“ | ARCHBLOG

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